180-Tonnen-Kran hebt Wohncontainer auf Fundamente Ein Dorf für Flüchtlinge entsteht

Die ersten 24 Wohncontainer für das geplante Übergangswohnheim an der Steingutstraße in Grohn sind am Dienstag geliefert worden. Ein 180-Tonnen-Kran hob die Module mit eingebautem Badezimmer und Küchenzeile auf vorbereitete Fundamentstreifen.
02.09.2014, 16:00
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Ein Dorf für Flüchtlinge entsteht
Von Patricia Brandt

Die ersten 24 Wohncontainer für das geplante Übergangswohnheim an der Steingutstraße in Grohn sind am Dienstag geliefert worden. Ein 180-Tonnen-Kran hob die Module mit eingebautem Badezimmer und Küchenzeile auf vorbereitete Fundamentstreifen. Die ersten von insgesamt 100 Flüchtlingen sollen laut Sozialressort Anfang November in das neue, rund drei Millionen Euro teure Flüchtlingsdorf einziehen. Bis dahin könnten rund 20 bei der Jacobs University unterkommen.

Schon von weitem ist der rote Kran zu sehen. Auf 36 Meter hat der Kranführer ihn ausgefahren. Am Haken hängt ein blauer Container, 15 Tonnen schwer. Bauleiter Friedhelm Funk beobachtet aus sicherer Entfernung, wie seine Kollegen am Boden den langsam herabschwebenden Container an den Ecken zu fassen bekommen. Einer gibt dem Kranführer ein Zeichen: Sein Zeigefinger deutet in die Höhe; dann legt er Daumen und Zeigefinger zusammen. „Nach oben, aber nur ein kleines Stück“, übersetzt Funk.

Zeichensprache ist das einzige, was auf der Baustelle an der Steingutstraße funktioniert. Gegen den Krach aus dem Stromaggregat für die Kreissäge kommt keiner an. Während auf der einen Seite des Platzes noch Bohlen für weitere Fundamentstreifen zugesägt werden, legen Monteure auf der anderen Seite schon letzte Hand an die gelieferten Module. Viel ist nicht zu tun: Der Innenausbau wird komplett aus Tschechien mitgeliefert.

Bauleiter Funk öffnet die Tür einer Wohnung, die aus energetischer Sicht dem in Bremen gültigen Standard für Neubauten entspricht: Direkt hinter dem Eingang befindet sich eine Kochnische in Buchenoptik, linker Hand liegt das Bad mit Waschbecken und Dusche. „Die Toilette wird später eingebaut“, sagt Funk. Wasseranschlüsse gibt’s auf dem Gelände noch nicht. Rechter Hand ist das noch nackte Schlafzimmer. Nichts als tapezierte Gipswände. „Hier kommen zwei Betten und ein Kleiderschrank ’rein und ein Tisch mit zwei Stühlen“, zählt Funk auf.

24 der Appartements sind für zwei Personen, zwölf für vier Personen eingerichtet. Außerdem sollen in Grohn zwei behindertengerechte Modelle aufgestellt werden. Der Bauleiter betont, dass das, was in Grohn entsteht, sich grundlegend von früheren Asylbewerberheimen unterscheidet: „Hier entsteht ein richtiges Dorf.“

Die doppelstöckigen Häuser sollen um einen Innenhof angeordnet werden. Dort, wo jetzt noch Kabel, Besen und Brechstangen liegen, soll ein großer Platz angelegt werden. Funk deutet auf ein grünes Rohr, das aus dem Sandboden in der Mitte des Geländes ragt: „Da soll die Plaza sein, mit einem Sandkasten und Spielgeräten für Kinder.“ Nach dem Entwurf der Bremer Architekten Feldschnieders und Kister wird es auch Nebengebäude etwa für die Hausaufgabenbetreuung geben.

Sechs Termine hat der weltweit tätige Containerhersteller für Grohn anberaumt. In Spitzenzeiten sollen bis zu 54 Monteure auf der Baustelle arbeiten. Verläuft alles nach Plan, werden hier Mitte Oktober 102 Module stehen. Dann will die Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen Bäume pflanzen, Wege pflastern und die Container möblieren lassen.

Für die Zeit bis zur Fertigstellung der Container hat die Sozialbehörde eine Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge im Norden der Stadt gefunden: Sie wird voraussichtlich 18 Einzelzimmer und ein Doppelzimmer mit Verpflegung für allein stehende, erwachsene Flüchtlinge und ein Pärchen in der benachbarten Jacobs University anmieten, bestätigt Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts. Ein Rahmenvertrag sei in Arbeit. Über die Kosten dieser Lösung im Studentenwohnheim machte er keine Angaben. Ob die Debatte um die Nutzung von Turnhallen damit in Bremen-Nord komplett vom Tisch ist, mochte er mit Blick auf die steigenden Flüchtlingszahlen noch nicht versprechen.

Im Zuge der Flüchtlingsdebatte wird sich in Bremen-Nord Mitte September ein nichtständiger Ausschuss für die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Vegesack konstituieren. „Der Beirat möchte neu ankommende Flüchtlinge begleiten, um zu gewährleisten, dass das, was die Behörden an Bildungs- und Betreuungsangeboten zugesagt haben, eingehalten wird und gegebenenfalls nachzujustieren, falls etwas fehlt“, berichtet Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt (SPD).

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