Möglicher CDU-Spitzenkandidat

Ein Energiebündel strebt in die Politik

Der 56-jährige Unternehmer Carsten Meyer-Heder wird als Energiebündel beschrieben. Der Politikneuling gilt als Hoffnungsträger für die Bremer CDU.
12.01.2018, 21:41
Lesedauer: 3 Min
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Ein Energiebündel strebt in die Politik
Von Pascal Faltermann
Ein Energiebündel strebt in die Politik

Carsten Meyer-Heder, Geschäftsführender Gesellschafter von Team Neusta und möglicher CDU-Spitzenkandidat.

Christina Kuhaupt

Energiebündel, Politikneuling, Siegertyp oder Netzwerker – die Beschreibungen für Carsten Meyer-Heder sind vielfältig und meist positiv besetzt, wenn Bekannte, Kollegen oder Geschäftspartner den 56-Jährigen beschreiben. Er ist ein Macher, der es nun für die Bremer Christdemokraten richten soll. Denn alles sieht danach aus, dass der Internet-Unternehmer (Team Neusta) Spitzenkandidat der Bremer CDU für die Bürgerschaftswahl 2019 werden wird.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, ist nach dem Rückzug des CDU-Manns Jens Eckhoff gestiegen. Meyer-Heder muss nun am 22. Januar vom CDU-Landesvorstand als Spitzenkandidat nominiert, im Mai dann endgültig bei einem Landesparteitag gekürt werden. Wer ist dieser Mann, der 2014 Bremer „Unternehmer des Jahres“ war? Was treibt ihn an?

Auf Nachfrage des WESER-KURIER wollte sich Meyer-Heder am Freitag nicht zu einer möglichen Kandidatur und seinen Beweggründen äußern. Ohnehin hat sich Meyer-Heder zuletzt rar gemacht. Auf einigen der ersten gesellschaftlichen Großereignissen des Jahres wie den Neujahrsempfängen der Bremischen Bürgerschaft oder des WESER-KURIER war der gebürtige Bremer genauso wenig anzutreffen wie beim Eröffnungstag der Sixdays.

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Was ist bekannt über diesen Mann? Fest steht, dass Meyer-Heder ein erfolgreicher Geschäftsmann ist: 1993 stieg der Softwareentwickler mit Anfang 30 in die Bremer IT-Firma Neusta ein. Der Name leitet sich von den beiden Gründern Neumann und Stange ab. Sein erstes Projekt habe er „direkt mal an die Wand gefahren“, verriet der ausgebildete Informatiker Meyer-Heder einst dem WESER-KURIER.

Sein Partner Michael Neumann verließ die Software-Firma nur kurze Zeit später, und Meyer-Heder arbeitete allein weiter. Mit einer von ihm entwickelten Datenbankschnittstelle machte er den Tourismuskonzern Tui auf sich aufmerksam – bis heute einer der großen Kunden von Team Neusta, wie das Unternehmen inzwischen heißt.

Mittlerweile, knapp 25 Jahre später, rechnet die Bremer IT-Unternehmensgruppe Team Neusta für 2017 im Vergleich zum Jahr zuvor mit einer Umsatzsteigerung von 28 Prozent auf 170 Millionen Euro. Mit diesem Jahresumsatz eilt die Firma mit Hauptsitz an der Konsul-Smidt-Straße zum nächsten Rekordumsatz.

"Ein-Mann-ein-Wort-Typ"

Aktuell beschäftigt die Gruppe insgesamt gut 1000 Mitarbeiter, arbeitet mit 500 Freiberuflern zusammen und stellte allein im vergangenen Jahr 100 Menschen ein. Die auf IT, E-Commerce und Kommunikation ausgerichtete Unternehmensgruppe hat in den vergangenen Jahren einen Wachstumskurs mit zweistelligen Zuwachsraten eingeschlagen.

Aus seinem beruflichen Umfeld wird Meyer-Heder als Chef beschrieben, der sich sehr hinter seine Mitarbeiter und Partner stellt. Er lasse niemanden so schnell hängen, sei ein „Ein-Mann-ein-Wort-Typ“, ein Handschlag besiegele auch mal eine komplette Zusammenarbeit, ohne viel Drumherum und absolut verbindlich. Meyer-Heder sei mutig und probiere lieber etwas aus, als es unversucht zu lassen. Er habe unglaublich viel Energie und mache immer noch weiter, wenn andere nicht mehr können.

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Und als Privatmensch? Bekannt ist, dass der Familienvater eine Leidenschaft für Musik hat. Als 20-Jähriger spielte er Schlagzeug in einer Band, trat 2013 sogar noch einmal auf einer Bremer Bühne auf. Zum Berufsmusiker schaffte er es nicht – stattdessen zum Taktgeber in der IT-Branche.

Für den über zwei Meter großen Unternehmer sollen flache Hierarchien ein Erfolgskriterium sein. Einmal im Quartal treffen sich seine Teams auf ein Feierabendbier. In einem Interview mit „Netzwirtschaft“ verriet er, dass er Fan der Serie „Game of Thrones“ ist und ihn das Buch „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann inspiriert hat.

Seit drei Jahren laden seine Frau und er zur Adventswurst in ihre Garage ein. Dort gibt sich die Bremer Gesellschaft ein Stelldichein. Beim vorletzten Neujahrsempfang des WESER-KURIER kam er – ganz pragmatisch – im Frack, den er schon für die danach stattfindende Januargesellschaft der Handelskammer angelegt hatte.

Den Überraschungseffekt auf seiner Seite

Klar positioniert hat sich Meyer-Heder zu einer Spitzenkandidatur bislang nicht. Er betonte nur immer wieder, dass er sich "gerne engagieren" würde. Als Gastredner beim CDU-Parteitag Mitte Mai 2017 sprach er sich offen für einen Politikwechsel aus und sagte: "Wir brauchen in Bremen 2019 erstmalig eine CDU-Regierung, die Zeit ist reif.“ Zudem gab er den Christdemokraten damals mit auf den Weg, dass Bremen bei der Digitalisierung schneller werden muss.

Auf seiner Seite hätte er politisch gesehen auf jeden Fall den Überraschungseffekt. Der Unternehmer könnte als unverbrauchter Spitzenkandidat einen neuen Politikstil in der Bremer CDU prägen. Er ist in der Wirtschaftswelt bekannt und bestens vernetzt. Aber auf der politischen Bühne ist er noch unbekannt.

Seine Kontrahenten werden sich auf ihn einschießen, sein Unternehmen durchleuchten und versuchen, ihn auszubremsen. Bei Facebook ist zu sehen, dass Carsten Meyer-Heder der Seite des amtierenden Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ein „Gefällt mir“ gegeben hat. Ob die digital ausgedrückte Sympathie in einem möglichen nahenden Wahlkampf so bleiben wird, scheint allerdings eher unwahrscheinlich.

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