Bauarbeiten gehen voran

Ein Fahrradweg erhitzt die Gemüter

Anwohner bezweifeln den Nutzen eines Fahrradweges in der Arberger und der Mahndorfer Marsch. Die Ausgleichsmaßnahme kostet mehrere Hunderttausend Euro.
01.05.2020, 17:20
Lesedauer: 3 Min
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Ein Fahrradweg erhitzt die Gemüter
Von Christian Hasemann

Arbergen/Mahndorf. Ab Juni soll ein neuer Fahrrad- und Fußweg in der Mahndorfer Marsch zum Schlendern und Radfahren einladen. Doch an dem Sinn dieses mehrere Hunderttausend Euro teuren Weges zweifeln einige Anwohner.

Noch zieht sich ein großer Teil der geplanten Strecke als gelbe Sandbahn durch das Marschgebiet zwischen Arbergen und Mahndorf, aber die Bauarbeiten gehen voran. Ab Frühsommer sollen dort Anwohner und Besucher zu Fuß und mit dem Rad einen Abstecher in die Marsch unternehmen können. Der Weg führt Spaziergänger und Velotisten dann von der Schützenhalle Arbergen durch die Eisenbahnunterführung in südlicher Richtung bis an den Rand der Autobahn. Dort knickt er in südöstliche Richtung ab, führt an der Südgrenze der Galopptrainingsanlage Mahndorf vorbei, wendet sich gen Nordosten und schließt an der Kluvenhagener Straße wieder an.

Ein Streckenverlauf, dessen Sinnhaftigkeit Wolfram Lohße aus Arbergen, in Frage stellt. „Es ist völlig abwegig, die Fahrradfahrer, die nach Mahndorf wollen, dort herum zu führen.“ Er meint damit, dass der direkte Weg an der Heerstraße entlang deutlich kürzer ist, als der Weg um die Trainingsanlage herum. „Alle Mahndorfer und Arberger würden den Bogen nicht fahren“, ist er sich sicher. Aber wenn es nun um den Erholungsfaktor geht? Auch da hat Wolfram Lohße seine eigene Meinung. „Das ist doch ein Witz, dass der Weg zur Autobahn führt und dann direkt an dieser entlang. Das soll Naherholung sein? Da muss ich doch lachen.“ Überhaupt erscheint ihm der Weg überdimensioniert. Von einem „Monstrum“ spricht Wilhelm Lohße, das den Aufwand und die Kosten für den Nutzen nicht wert sei. „Andere Maßnahmen wären wichtiger gewesen.“ Die Entscheidung für diese Maßnahme wurde im Beirat Hemelingen gefällt. „Mich würde mal interessieren, wie die Bürgerbeteiligung gewesen ist“, sagt Lohße.

Dass überhaupt Geld für den Bau des Weges zur Verfügung steht, ist ein Nebeneffekt des Ausbaus des Gewerbegebietes Hansalinie. Für den Verlust der Grünflächen, die für viele Bewohner Hemelingens auch Erholungscharakter hatten, wurde der Stadtteil von der federführenden Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) mit mehreren Begleitmaßnahmen beglückt. Die Vorschläge kamen dabei aus dem Stadtteil selbst. Nach Angaben der WFB liegen die Baukosten des etwa drei Meter breiten Weges bei circa 670 000 Euro.

Für das Ehepaar Lohße, das sich jahrelang in einer Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Marsch engagierte, sind diese Ausgleichsmaßnahmen kein ebenbürtiger Ersatz für den Verlust der Grünflächen in der Marsch. „Hemelingen ist dicht besiedelt und wir haben die meiste Industrie in Bremen und wenn jetzt noch der Rest der Marsch platt gemacht wird, ist Hemelingen ein Industriegebiet, in dem man auch wohnen kann“, sagt Gisela Lohße-Trommsdorff. Tatsächlich läuft der Ausbau des Gewerbegebiets Hansalinie schneller als ursprünglich geplant. Und mit dem Gewerbegebiet Achim-West wird zukünftig auch von der anderen Seite an der Marsch geknabbert. „Die Politik will Umweltschutz, macht aber weiter wie bisher: mit Riesenhallen.“ Der in ihren Augen unnötige Fahrradweg sei jetzt das I-Tüpfelchen. „Und dafür wurden unglaubliche Mengen Erde bewegt“, hat Wolfram Lohße beobachtet. Der Fahrradweg ist eine von mehreren Verbesserungen der Aufenthaltsqualität, die der Beirat im Zuge der Planungen zur zweiten Baustufe des Gewerbegebiets an der Autobahn A 1 an die WFB herangetragen hatte. Neben dem Fahrradweg sind dies unter anderem zwei Rastplätze am Hemelinger See und am Fuldahafen. Die öffentliche Ausschreibung des Bauauftrages musste allerdings wiederholt werden – kein Unternehmen hatte sich dafür beworben. Inzwischen steht aber ein Unternehmen bereit und die Bauarbeiten bevor. Dafür sind Kosten von insgesamt 36 000 Euro eingeplant. Ebenfalls ab Juni sollen die Rastplätze mit Blick auf die Weser zur Verfügung stehen.

Über Sinn und Unsinn der Maßnahmen sagt Alfred Kothe (CDU), Sprecher des Bauausschusses: „Für den einen sind die Maßnahmen sinnlos, aber der andere, der vielleicht mit seinem Hund in die Marsch spaziert, wird sie sinnvoll finden.“ Schon vorher habe es an der jetzigen Baustelle des Fahrradweges einen Weg gegeben. „Der wurde auch genutzt, aber es war nie Geld da, ihn in zu sanieren.“ Viele Bürger hätten sich an der Stelle eine Verbesserung gewünscht. Dass auch alle Begleitmaßnahmen zusammen kein gleichwertiger Ersatz für den Verlust der Grünflächen sind, sieht auch Kothe so. „Es ist ein Trostpflaster für die Bevölkerung, so muss man das leider sehen.“

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