Interview mit Bremer Modedesignerin

Ein Faible für Taschen

Die gebürtige Bremerin Sarah Johann hat nicht nur ein Faible für Taschen, sie entwirft und fertigt sie in ihrem Atelier in Berlin. Inspirieren lässt sie sich auch von Eindrücken aus ihrer Heimatstadt.
12.05.2018, 15:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Olga Gala
Ein Faible für Taschen

Die gebürtige Bremerin Sarah Johann hat nicht nur ein Faible für Taschen, sie entwirft und fertigt sie in ihrem Atelier in Berlin.

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Sie kommen aus dem Marketing und arbeiten nun als Designerin. Wie kam es dazu?

Sarah Johann: Ich hatte schon immer eine große Affinität zu Grafikdesign und habe privat viel kreativ gearbeitet. Nach dem Abitur entschied ich mich aber für ein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften. In Berlin habe ich dann viele Jahre im Marketing gearbeitet. Während dieser Zeit hatte ich immer wieder das Gefühl, das handwerkliche Arbeiten fehlt mir. So habe ich beschlossen, mich mit meinem eigenen Label selbstständig zu machen und zu meiner alten Passion zurückzukehren.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, ausgerechnet Taschen zu entwerfen?

Ich arbeite gern mit Formen und finde es sehr spannend, bei Taschen gutes Design mit Alltagstauglichkeit zu vereinen. Das ist eine große Herausforderung, macht aber auch unheimlich viel Spaß. Während meiner Kindheit habe ich schon sehr viel genäht, und bevor ich mich schließlich selbstständig gemacht habe, habe ich bereits mit Taschen experimentiert. Von daher lag es nahe, dass ich diesen Weg einschlage.

Wie sehen Ihre Taschen und Rucksäcke aus?

Meine Taschen sind sehr minimalistisch. Mit meiner reduzierten Gestaltung möchte ich einen Akzent setzen gegen die tägliche Reizüberflutung. Die Besonderheit des Einfachen soll betont werden.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Kollektion?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Mich inspirieren zum Beispiel bestimmte Strömungen aus der Architektur und der zeitgenössischen Kunst, der Besuch von Ausstellungen oder auch einfach die Straßen Berlins. Wenn man mit offenen Augen durch die Gegend läuft, kann man eine große Menge Input aufsaugen. Und schließlich hat auch die Liebe zum Norden einen gewissen Einfluss auf mein Design.

Sie kommen gebürtig aus dem Norden. Was verbinden Sie mit Bremen?

Bremen ist für mich Heimat. Es ist immer wieder schön, dies zu erleben und hier zu sein. Ich würde gerne auch viel öfter nach Bremen kommen, weil ich das hanseatische Flair mag. Ich bin sehr nahe an der Weser in Bremen-Nord aufgewachsen; und wenn ich meine Eltern besuche, genieße ich die ausgedehnten Spaziergänge am Weserdeich sehr. Die Übersichtlichkeit und Gemütlichkeit beruhigen im Vergleich zu Berlin, das sehr stressig sein kann.

Welche Rolle hat Ihre Familie gespielt bei dem Schritt, sich selbstständig zu machen?

Von der Familie und Freunden gab es absoluten Zuspruch. Mein Mann hat mich sehr unterstützt und motiviert. Ich glaube, ohne ihn hätte ich mich vielleicht nicht getraut, aus einem sicheren Angestelltenverhältnis rauszugehen und diesen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Dazu gehört auf jeden Fall sehr viel Mut. Aber ich bin mit einer sehr positiven Grundeinstellung an das Thema rangegangen – es wird schon irgendwie klappen.

Gab es auch Momente des Zweifelns?

Natürlich gibt es immer wieder Schwierigkeiten, und es ist manchmal hart. Alles unter einen Hut zu bringen, das ist die Herausforderung solch einer One-Woman-Show. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke, aber die Erfüllung des Ganzen überwiegt. Ich bereue es auf keinen Fall.

Was ist für Sie das Schöne an Ihrer Arbeit?

Das Designen ist ein sehr aufwendiger Prozess. Es beginnt mit einer groben Idee, ich mache Zeichnungen, entwickle einen Prototyp, teste und verändere ihn ausgiebig. Wenn alles stimmt und ich das Modell in meine Kollektion aufnehme, ist das ein unglaublich schönes Gefühl. Auch dieser handwerkliche Moment, wenn man das fertige Stück aus Einzelteilen vor sich hat, ist immer wieder toll. Wenn ich dann noch zufriedene Kunden erlebe, weiß ich genau, warum ich das alles mache.

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Wenn der Rucksack oder die Tasche in die Kollektion aufgenommen sind – wie geht es dann weiter?

Ich nähe die Taschen selber in meinem Berliner Atelier und lasse sie nicht fertigen. Dabei produziere ich immer in Reihe und versuche so den Produktionsprozess zu optimieren. Um besser mit der hohen Nachfrage umgehen zu können, ist der große Plan für die Zukunft die stärkere Auslagerung. Wobei es für mich weiterhin wichtig bleibt, dass regional produziert wird und eine hochwertige Verarbeitung gegeben ist.

Ihre Taschen heißen "Bergen", "Finse" oder auch "Skagen". Woher kommen die Namen?

Bevor ich mich selbstständig machte, war ich mit meinem Mann auf einer wunderschönen Trekkingreise in Norwegen mit fantastischen Eindrücken und toller Natur. In dieser Zeit haben sich die Ideen für mein Label und meine erste Kollektion konkretisiert. Für mich war das ein gefühlter Beginn. Daher habe ich allen meinen Taschen Namen von skandinavischen Städten und Orten gegeben, an denen ich selbst schon war oder zu denen ich einen speziellen Bezug habe.

Die Fragen stellte Olga Gala.

Info

Zur Person

Sarah Johann ist gebürtige Bremerin und Wahlberlinerin. Viele Jahre arbeitete sie im Marketing, bis sie beschloss, Taschen zu designen. Am 10. April 2014 gründete sie das nach ihr benannte Label Sarah Johann.

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