150 Jahre Kirchengemeinde St. Godehard wird Sonntag gefeiert / Beginn im einfachen Tabakschuppen Ein Festhochamt als Höhepunkt

150 Jahre Stadtteilgeschichte prägen St. Godehard ebenso wie die katholische Weltanschauung. Der Katholische Gemeindeverband möchte das Jubiläum der zweitältesten katholischen Gemeinde Bremens mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gebührend feiern. Ein Höhepunkt ist das Festhochamt am Sonntag, 5. Mai, um 9.30 Uhr in der St.-Godehard-Kirche mit Weihbischof Theodor Kettmann.
02.05.2013, 05:00
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Ein Festhochamt als Höhepunkt
Von Ulrike Troue

150 Jahre Stadtteilgeschichte prägen St. Godehard ebenso wie die katholische Weltanschauung. Der Katholische Gemeindeverband möchte das Jubiläum der zweitältesten katholischen Gemeinde Bremens mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gebührend feiern. Ein Höhepunkt ist das Festhochamt am Sonntag, 5. Mai, um 9.30 Uhr in der St.-Godehard-Kirche mit Weihbischof Theodor Kettmann.

UND EDWIN PLATT

Hemelingen. Die erste Heilige Messe nach der Reformation wurde in Hemelingen am 3. Mai 1863 noch in einem einfachen Tabakschuppen gefeiert und von "Missionar" Franz Bertram aus dem Bistum Hildesheim verlesen, wobei der erste Priester da kaum 100 Katholiken in Hemelingen zählte. Im Oktober desselben Jahres konnte die Messe in einer eigenen Kapelle gefeiert und 1899 der Grundstein für die katholische Kirche in Hemelingen gelegt werden, die seinerzeit noch St. Joseph hieß.

Als die Kirche dann aufgrund von neuen politischen Zuordnungen – 1939 kommt Hemelingen mit Arbergen und Mahndorf zu Bremen – zum Bistum Osnabrück wechselte und auf den Namen St. Godehard geweiht wurde, weil es in Oslebshausen schon eine St.-Joseph-Kirche gab, hatte die katholische Gemeinde bereits eine eigene Schule und einen Friedhof mit einer 30 Jahre bestehenden Kapelle vorzuweisen.

Durch die Namensänderung fällt ihr jetziger Namenstag auf den 5. Mai, den Todestag des heiligen St. Godehard. Nach dem ist das Bistum Hildesheim benannt, zu dem die Gemeinde unter dem Dach des Verbundes St. Raphael gehört.

Die Pfarrei St. Raphael gibt nun anlässlich 150 Jahre katholische Gemeinde in Hemelingen eine Festschrift heraus und feiert das Jubiläum mit einem vielseitigen Programm. Dieses beginnt am Jubiläumstag, dem morgigen Freitag, 3. Mai, um 19 Uhr mit einer Vesper, zu der sich einstige und heutige Ehren- und Hauptamtliche im Pfarrsaal treffen.

Erinnerung an Glockenspende

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Festhochamt am Sonntag, 5. Mai, um 9.30 Uhr im Kirchenschiff, zu dem Weihbischof Theodor Kettmann aus Osnabrück erwartet wird. Grußworte wird im Anschluss ein Nachfolger des Glockengießers Karl Otto und Mitglied der St.-Godehard-Gemeinde sprechen. Denn die einst in der Glockenstraße ansässige Glockengießerei Otto, die 1874 gegründet worden war und in der 100 Jahre lang bis zu ihrer Schließung Arbeiter aus Hemelingen beschäftigt waren, hatte der St.-Godehard-Kirche vor 75 Jahren das Geläut gespendet. Nach dem Festhochamt wird der Pfarrsaal zum offenen Jubiläumsempfang geöffnet.

Zu der Zeitreise durch die Gemeindegeschichte am Mittwoch, 15. Mai, um 15 Uhr sind besonders Seniorinnen und Senioren eingeladen. Und am Sonntag, 26. Mai, wollen zahlreiche Gemeindemitglieder bei Erlebnisführungen von 14.30 bis 17.30 Uhr ihre Lieblingsplätze in der Kirche und ihre Betrachtungen, Gedanken und Perspektiven zum Kirchengebäude vorstellen. Kaffee und Kuchen stehen auch bereit.

Das Gotteshaus hat eine interessante Geschichte. Der Gebäudekomplex St. Godehard wurde zum Beispiel 1943 und 1944 besonders am Kirchturm und am Pfarrhaus durch den Krieg geschädigt. Es ist ein Aspekt, den Fritz Hampe, ein Nachfolger des seinerzeit mit dem Wiederaufbau der Kirche betrauten Gemeindemitglieds, in seinem Vortrag "Ein Haus aus lebendigen Steinen" am 5. Juni um 19 Uhr über die Baugeschichte und Architektur der Kirche aufgreift. Besonderes Augenmerk legt der heute in der Bauverwaltung des Katholischen Gemeindeverbandes Bremen tätige Referent auch auf den Pfeilergang als Triumphbogen zu Ehren der Arbeiter.

Ein großes Gemeindefest am Sonntag, 9. Juni, von 9.30 bis 16 Uhr soll die Jubiläumsfestivitäten beschließen. An diesem Sonntag sind ein Familiengottesdienst, Gemeindefest und eine Versammlung um den Turm geplant. Das Gemeindeleben von St. Godehard war ursprünglich geprägt von Zuwanderung, denn in Hemelingen siedelte sich zur Zeit der Gemeindegründung – als Hemelingen zum Königreich Hannover gehörte, das 1854 dem Deutschen Zollverein beigetreten war – verstärkt Industrie an. Und damit zogen Gastarbeiter in den Industrievorort der Freien Hansestadt Bremen. Eine Reihe von ihnen war katholisch.

Seit vielen Jahren besteht inzwischen eine Partnerschaft zwischen St. Godehard und St. Christobal in Lima. Diese ist auf eine Cousine von Pfarrer Eugen Kaesbach zurückzuführen, die zehn Jahre missionarisch in Peru gearbeitet hat.

Anlässlich des 150-jährigen Geburtstags der katholischen Gemeinde in Hemelingen ist nun das Buch "Fremde aufnehmen: 125 Jahre St. Godehard in Bremen-Hemelingen", an dem Pfarrer Kaesbach mitgewirkt hat, um einen Erweiterungsband ergänzt worden.

Heute bildet St. Godehard mit St. Antonius (Osterholz), St. Hedwig (Neue Vahr), St. Laurentius (Gartenstadt Vahr) und St. Thomas (Blockdiek) den Gemeindeverbund St. Raphael, dem 14000 Gemeindeglieder angehören. Zwei Priester, fünf hauptamtliche Mitarbeiter und ein Diakon in unterschiedlichen Stellenanteilen sind für sie da. Die Hemelinger Kirche steht unter Denkmalschutz und wird gerne für Hochzeiten ausgewählt. Seit zehn Jahren leben vier Frauen des Säkularinstituts St. Bonifatius im Pfarrhaus, die sich ehrenamtlich in die Gemeindearbeit einbringen.

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