Studien von Fritz Overbeck Ein Geschenk zum Museumsgeburtstag

Vegesack. 'In Zukunft werde ich kreuz und quer durchs Land streifen, nie ohne Skizzenblock...' Als Fritz Overbeck diese Worte in einem Brief an seine Verlobte Hermine Rohte schrieb, war er erfüllt von den Eindrücken eines Spaziergangs durch Worpswede. Der Anblick von leuchtenden Kornfeldern am Weyerberg hatte dem Künstler den 'malerischen Reichtum der Landschaft' offenbart. Im Brief schwärmt er von den 'lebhaften Empfindungen', die er in ihrer Frische und Intensität beim Arbeiten in der freien Natur festhalten könne.
16.02.2010, 11:52
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Von Gabriela Keller

Vegesack. 'In Zukunft werde ich kreuz und quer durchs Land streifen, nie ohne Skizzenblock...' Als Fritz Overbeck diese Worte in einem Brief an seine Verlobte Hermine Rohte schrieb, war er erfüllt von den Eindrücken eines Spaziergangs durch Worpswede. Der Anblick von leuchtenden Kornfeldern am Weyerberg hatte dem Künstler den 'malerischen Reichtum der Landschaft' offenbart. Im Brief schwärmt er von den 'lebhaften Empfindungen', die er in ihrer Frische und Intensität beim Arbeiten in der freien Natur festhalten könne. In Studien, nach denen er später im Atelier seine großen Ölgemälde schuf.

Jetzt hat Maler-Enkelin Gertrud Overbeck ein Werkverzeichnis der Studien ihres Großvaters Fritz Overbeck vorgelegt. Der zur Zeit bekannten, muss hinzugefügt werden. 520 kleine Ölgemälde auf Karton sind erfasst. Sie sind das Ergebnis einer jahrelangen Spurensuche, bei der Gertrud Overbeck von ihrer Cousine Ina Overbeck unterstützt wurde. Den Grundstein für das jetzt erschienene Werkverzeichnis legte Hermine Overbeck-Rohte, die nach dem Tod von Fritz Overbeck im Jahre 1909 das Werk ihres Mannes dokumentierte. 'Die Listen meiner Großmutter umfassten Titel von 300 Studien', berichtet die Enkelin. Der Sohn des Maler-Ehepaares, Fritz Theodor Overbeck, setzte die Listen fort. Auf seine Dokumentation stützte sich Tochter Gertrud schon für das erste, 2008 publizierte Verzeichnis der Leinwandbilder.

Nun folgt, pünktlich zum 20. Geburtstag des Overbeck-Museum, Teil Zwei mit den Studien. In akribischer Kleinarbeit ist es gelungen, die Liste aus dem Jahre 1909 um 220 Titel zu erweitern. Die 520 jetzt erfassten Werke sind weit verstreut. Viele befinden sich im Bestand des Overbeck-Museums und in Familienbesitz, einige in anderen Kultureinrichtungen. Ein nicht unerheblicher Teil aber ist in privaten Händen gelandet. Bei den Nachforschungen nach dem Verbleib der Werke kam auch der Zufall zu Hilfe. Etwa beim Titelbild des neuen Werkverzeichnisses, 'Blick über Felder' von 1904. 'Es handelt sich um die Studie eines verschollenen Ölgemäldes. Eine Mitarbeiterin entdeckte sie während der Recherchen für das erste Werkverzeichnis', erzählt Gertrud Overbeck.

Zwei Drittel der Studien sind mit Fotos von Bernd Wurthmann dokumentiert. Einige Seiten des Buches aber sind bis auf knappe Angaben zu Titel und Bildgröße leer. Die dazugehörigen Studien sind verschollen. Gertrud Overbeck gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie vielleicht eines Tages irgendwo wieder auftauchen. Die Spurensuche geht weiter. Zwei neue Arbeiten hat die Maler-Enkelin bereits aufgespürt. Da war das neue Verzeichnis, für das Karsten Elze das Layout gestaltete, schon fertig.

Anders als beim ersten Konvolut der Ölgemälde sind die Studien nicht chronologisch geordnet. 'Die meisten Arbeiten sind nicht datiert', begründet Gertrud Overbeck. Stattdessen hat sie die Bilder nach Orten gegliedert: Worpswede, Itzehoe, Vegesack, Sylt, Rhön, Davos. Außerdem nach Motiven. So gruppieren sich die Worpsweder Arbeiten in Moorlandschaften, Bauernhäuser, Felder und Birkenbilder.

Die Bedeutung des Verzeichnisses für das Verständnis des malerischen Werkes von Fritz Overbeck erläutert Museumsleiterin Friederike Daugelat: 'Es erlaubt zum ersten Mal einen intimen Blick auf die Entstehungsgeschichte bekannter Bilder und zeigt, welche Motive dem Künstler besonders wichtig waren. Gleichzeitig gewährt es Einblick in die Arbeitsprozesse des Malers.' So malte Fritz Overbeck seine Rhön-Gemälde erst, nachdem er sich dem Motiv der Basaltstein-Felder in vielen Studien genähert hatte. 'Die Studien waren für Overbeck auch Experimentierfelder, wo er ungezwungen neue Techniken ausprobieren und sich mit aktuellen Strömungen auseinandersetzen konnte.' Das Verzeichnis ermöglicht dem Leser zudem Vergleiche zwischen Studien und fertigen Ölgemälden.

Die neue Publikation der Studien von Fritz Overbeck ist ab sofort im Overbeck-Museum an der Alten Hafenstraße in Vegesack erhältlich.

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