Quartiersmanager Aykut Tasan schaut sich mit Vonovia-Regionalleiter die Sanierungen im Schweizer Viertel an

„Ein Gewinn für den Stadtteil“

Die Krokosse blühen und Narzissen drängen durch die Erde der frisch angelegten Rabatten. Ein Baugerüst steht noch vor den Häusern am Lachmundsdamm, aber die neugedämmte Fassade leuchtet in frischen Farben hindurch.
16.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann
„Ein Gewinn für den Stadtteil“

Thorsten Prietz (links), Regionalleiter der Vonovia, und der Quartiersmanager fürs Schweizer Viertel, Aykut Tasan, vor den schon fertigen Blöcken Am Siek.

PETRA STUBBE

Die Krokosse blühen und Narzissen drängen durch die Erde der frisch angelegten Rabatten. Ein Baugerüst steht noch vor den Häusern am Lachmundsdamm, aber die neugedämmte Fassade leuchtet in frischen Farben hindurch.

Im Schweizer Viertel saniert das Wohnungsbau-Unternehmen Vonovia Schritt für Schritt den Wohnungsbestand. Gemeinsam mit Quartiersmanager Aykut Tasan erklärten Vertreter des Unternehmens ihr Vorgehen.

Dem Quartiersmanager war die Freude darüber, dass es mit der Sanierung endlich vorangeht, deutlich anzumerken. Er war voll des Lobes für das Unternehmen, das in der Vergangenheit auch für negative Schlagzeilen sorgte. Zuletzt stand die Vonovia bei einer Veranstaltung des Bündnisses „Menschenrecht auf Wohnen“ um Joachim Barloschky in der Kritik. Dort ging es unter anderem um den Umgang des Unternehmens mit den sogenannten Schlichthäusern in Hemelingen und Walle, die vor dem Abriss stehen.

Während die Schlichthäuser aus den dreißiger Jahren nicht saniert, sondern abgerissen werden sollen, hat das Unternehmen im Schweizer Viertel Millionen investiert, um die Geschosswohnungen aus den Sechzigern, die vormals im Bestand der einst teilstädtischen Bremischen Beamtenbaugesellschaft (BBG) waren, auf einen modernen energetischen Standard zu bringen. Nach der Privatisierung in den Neunzigern waren die Wohnungen der BBG im Portfolio unterschiedlicher Beteiligungsgesellschaften und Investoren – eine Zeit, in der sich die Klagen über Mängel häuften. 2014 gingen die Wohnungen schließlich in den Besitz der Deutschen Annington, später umbenannt in Vonovia, über.

Quartiersmanager Aykut Tasan wies zunächst auf die besonderen Schwierigkeiten im Quartier hin: „Das Schweizer Viertel ist ein Stadtteil mit Armut und einer hohen Migration, ein Gebiet mit Entwicklungsbedarf.“ Viele Bewohner könnten sich nicht viel leisten. „Mit dieser Investition wurde ganz viel gemacht, so dass sich die Menschen wertgeschätzt fühlen.“ Das führe dazu, dass sich die Menschen weniger schämen müssten, zum Beispiel für den einstmals schlechten Zustand ihrer Wohnhäuser. „Es gibt jetzt helle Eingänge, saubere Eingänge.“ Insgesamt, so der Quartiersmanager, „ein Gewinn für den Stadtteil.“ Er wies aber auch darauf hin, dass es ein langer Weg gewesen sei, bis die Sanierungsarbeiten im Schweizer Viertel begonnen hätten.

Über die einzelnen Sanierungsmaßnahmen sprach Thorsten Prietz, Regionalleiter der Vonovia. „Wir werden insgesamt knapp 430 Wohneinheiten sanieren.“ Ein Teil dieser Sanierungsmaßnahmen sind 250 neue Fenster im Schweizer Viertel. Dazu kommt im Bereich Am Siek und am Lachmundsdamm eine sogenannte Vollmodernisierung, das heißt, eine Sanierung der Dächer, Dämmung der Außenfassade, Austausch der Fenster und eine Balkonrenovierung. Im Inneren der Wohnungen dagegen werde nur auf Wunsch der Mieter etwas getan. Bis Ende 2017 sollen alle Maßnahmen abgeschlossen sein. „Insgesamt geben wir etwa 5,5 Millionen Euro für die Sanierung der Häuser aus“, sagt Thorsten Prietz. Kosten, die auf die Mieter umgelegt werden. „Wir haben die Mieten moderat von durchschnittlich 4,80 auf 5,90 Euro erhöht.“

Das sei zwar nicht wenig, sagte Aykut ­Tasan, „aber meiner Meinung nach wird es von den Mietern akzeptiert, wenn es denn so aussieht, wie es vorher angekündigt wurde.“ Thorsten Prietz ergänzte, dass die Mieter durch die Sanierung Kosten sparten. „Die Einsparungen der Nebenkosten richtet sich nach dem Verhalten der Mieter, aber es kann zwischen zehn und 30 Prozent ausmachen.“

Melanie Jabben wohnt am Siek. Bei ihr sind die Sanierungsarbeiten schon abgeschlossen. „Die Situation hat sich merklich verbessert, ich muss nicht mehr so viel heizen und es ist wärmer geworden.“ Insgesamt sei an ihrem Haus ein halbes Jahr gearbeitet worden. „Auch die Balkone wurden komplett abgemeißelt und neu gemacht, und die Elektrik im Flur.“ Sie sieht die Sanierungsarbeiten trotz der erhöhten Mieten positiv. „Ich finde es gut, jetzt sieht es sehr schick aus. Und die Miete ist für mich zu verkraften. Wir haben damit ein Ziel erreicht.“ Auch die anderen Mieter in ihrem Haus freuten sich sehr, dass etwas getan werde.

Neben der Vonovia investiert auch die Gewoba derzeit massiv in Osterholz. In Tenever saniert das städtische Wohnungsbauunternehmen einen Wohnblock in der Ludwigshafener Straße. Dass zurzeit so viel saniert wird, hängt auch mit der aktuellen Lage im Finanzsystem zusammen. Kredite sind zinsgünstig wie selten zu bekommen. Nina Henckel, Pressesprecherin der Vonovia zur Finanzierung: „Es gibt staatliche Fördermaßnahmen, aber derzeit sind die Zinsen so niedrig, dass nicht Geld das Thema ist, sondern eher die Leute, die die Maßnahmen umsetzen sollen, das Problem sind.“ Sie spielt damit auf den Personalmangel im Handwerk an. „Wir haben eine eigene Handwerker-Gesellschaft, die viele Maßnahmen umsetzen und steuern kann.“ Dennoch: „Der limitierende Faktor ist die Arbeitskraft.“ Umso mehr freut es Quartiersmanager Aykut Tasan, dass es mit der Umsetzung der Modernisierung im Schweizer Viertel geklappt hat. „Es ist Gewinn, Wohnungsbaugesellschaften zu haben, die im Quartier investieren.“

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