Drei junge Bremer Pädagoginnen in Kapstadt: Ausstellung zeigt Kunst von Mädchen und Jungen in der Plantage 9

Ein Gruß von den Kindern aus Südafrika

Findorff-Bürgerweide. „Ukubona“ heißt in der Sprache der Xhosa: Sehen mit Hand und Herz. Es ist der Titel eines Projekts, bei dem drei junge Kunsttherapeutinnen aus Bremen mit Kindern aus Kapstadt zusammenarbeiteten.
18.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten
Ein Gruß von den Kindern aus Südafrika

Laura Siegel (v.l.), Veronika Zwipf und Jette Wedekind präsentieren die Schätze, die sie von ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in Kapstadt mitgebracht haben. AVE·

Roland Scheitz

„Ukubona“ heißt in der Sprache der Xhosa: Sehen mit Hand und Herz. Es ist der Titel eines Projekts, bei dem drei junge Kunsttherapeutinnen aus Bremen mit Kindern aus Kapstadt zusammenarbeiteten. Daraus entstand eine Ausstellung, die nun auf Wanderschaft gehen soll. Gezeigt wird sie erstmals ab Sonntag, 21. Juni, für zwei Wochen im Findorffer Künstlerhaus Plantage 9. Die drei Ausstellungsmacherinnen sind mit vielen Eindrücken und jeder Menge ganz junger Kunst aus Südafrika zurückgekehrt.

Laura Siegel, 23 Jahre, Jette Wedekind und Veronika Zwipf, beide 26 Jahre, sind Absolventinnen der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS). Die Kommilitoninnen und Freundinnen hatten die Idee, gemeinsam ihr Fachwissen ganz praktisch anzuwenden: Allerdings nicht irgendwo. Zur Zenzeleni-Schule in Kapstadt bestand von Ottersberg aus bereits eine Verbindung, erzählt Veronika Zwipf. Einen persönlichen kunstpädagogischen Austausch dieser Art gab es allerdings vorher noch nie. Die Kunsttherapeutinnen hatten für die Kinder der Jahrgänge 1 bis 7 Angebote für die Wahrnehmung ihrer Umwelt mit allen Sinnen entwickelt. Dazu gehörten „Land Art“-Projekte, der Bau eines „Barfußpfads“, Malerei, Töpferei und Skulpturen. All das sollte die Kinder dazu anregen, sich kreativ mit den Materialien auseinanderzusetzen, die sie in ihrem Umfeld vorfinden.

Und das war – neben Steinen und Sand, Blättern, Zweigen oder Muscheln – vor allem sehr viel Müll, erzählt Laura Siegel. Denn das Besondere an der Zenzeleni-Schule ist die Tatsache, dass sie sich in einer „Township“ befindet: einer jener Siedlungen, wie sie während der Apartheid in Südafrika entstanden und wo auch heute noch vor allem diejenigen zu Hause sind, die sich Besseres nicht leisten können. Wellblechhütten, soweit das Auge reicht, eine Arbeitslosigkeit von mehr als 75 Prozent, hohe Kriminalität, mitunter schlimme hygienische Verhältnisse und Müllhalden auf jeder freien Fläche – so müsse man sich das Leben in der Township vorstellen, erklärt Laura Siegel. Obwohl die 1999 gegründete Waldorf-Schule wegen ihres Rufs auch von besser situierten Eltern angewählt werde, seien unter der Schülerschaft viele Kinder, die in den so genannten „Shacks“ lebten, erzählen die drei Kunstpädagoginnen.

Sechs Monate lang arbeiteten die Bremerinnen mit den Kindern. Und was allen am meisten in Erinnerung bleiben werde, seien die Wertschätzung und die Dankbarkeit, mit der die Ideen der deutschen Besucherinnen an der Schule angenommen wurden: „Es war bewegend zu sehen, wie begeistert die Kinder alles mitgemacht haben“, erzählt Laura Siegel. „In dieser Welt des Traumas liegt ein unglaublicher Reichtum an Kreativität verborgen, ganz besonders in den Händen und Herzen der Kinder“, sagt Veronika Zwipf und erinnert sich an Kinder, die „strahlten vor Glück“.

Ende Mai dieses Jahres zeigten die Kinder und die drei Bremerinnen allen Lehrern, Eltern und Besuchern der Schule die Kreativität, die die deutsch-afrikanische Kunstfreundschaft freigesetzt hat. Ab Sonntag ist das erstmals auch auf deutschem Boden zu sehen.

Die Ausstellung „Ukubona – Sehen mit Hand und Herz“ wird am Sonntag, 21. Juni, 15 Uhr, in der Plantage 9 eröffnet. Sie kann anschließend bis zum 5. Juli besucht werden, Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 13 bis 17 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr und am Sonntag, 5. Juli, von 10 bis 13 Uhr. Nähere Informationen zum Projekt und Kontakt zu den Initiatorinnen gibt es im Internet unter www.ukubona.com.

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