Syrischer Flüchtling assistiert in einer Waldorfschule Ein gutes Beispiel für Integration

Gete. Als Juan Mohammed Kurdi im Dezember 2015 in einer Bremer Notunterkunft landete, kam für den 32-Jährigen eines nicht infrage: Nichtstun. Frühmorgens stand er auf und lernte Vokabeln und Grammatik.
23.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Holthaus

Gete. Als Juan Mohammed Kurdi im Dezember 2015 in einer Bremer Notunterkunft landete, kam für den 32-Jährigen eines nicht infrage: Nichtstun. Frühmorgens stand er auf und lernte Vokabeln und Grammatik. Ein Einsatz, der sich auszahlen sollte: Bereits wenige Monate später öffnet sich für den jungen Lehrer aus Syrien der Weg zurück in den Beruf.

Ermöglicht wurde das durch den Kursus „Neustart ins Berufsleben“, einem Kooperationsprojekt zur beruflichen Integration von Menschen aus dem Ausland der Bremer Initiative „Passt perfekt“ und der Johanniter-Unfall-Hilfe Bremen-Verden. Juan Kurdi lernte dabei sechs Wochen lang, sich mit den Gepflogenheiten des deutschen Arbeitsmarktes vertraut zu machen: Wie lese ich eine Stellenanzeige richtig? Was gehört in den Lebenslauf? Was erzähle ich bei einem Bewerbungsgespräch? Als der Kursus dann vorbei war, absolvierte er ein Praktikum als Schülerbetreuer an der Bremer Waldorfschule an der Touler Straße.

„Juan wollte unbedingt wieder arbeiten“, sagt Andrea Michalek-Ennen von „Passt perfekt“. Bis zu seiner Flucht im September 2015 hat der 32-Jährige im syrischen Amuda Siebt- bis Neuntklässler in Mathematik und Physik unterrichtet. In Bremen wollte er so schnell wie möglich an dieses alte Leben anknüpfen. Er lernte die deutsche Sprache und bekam nach seinem Praktikum an der Freien Waldorfschule schließlich einen Job im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. „Fast alle Teilnehmer der bislang angebotenen Kurse konnten mindestens in ein Praktikum weitervermittelt werden“, sagt dazu Oksana Sapelkin, Integrationsmanagerin des Johanniter-Regionalverbandes Bremen-Verden.

Und auch für Juan Kurdi war das erst der Anfang. Zu Beginn war der arabische Muttersprachler als Begleiter für die syrischen Flüchtlingskinder vorgesehen, die die Waldorfschule aufgenommen hatte. Doch der ausgebildete Lehrer entwickelte sich immer mehr auch zum Ansprechpartner für alle Schüler. Mittlerweile assistiert er Mathelehrer Oliver Kern wie selbstverständlich, wenn die Jungen und Mädchen der zweiten Klasse Hilfe beim Addieren oder Subtrahieren benötigen.

Der Regionalverband Bremen-Verden der Johanniter-Unfall-Hilfe engagiert sich seit Beginn der gestiegenen Flüchtlingszahlen im September 2015 intensiv in der Flüchtlingshilfe. In der Hochzeit wurden in zwölf Notunterkünften von der Küste bis zum Heidekreis mehr als 10 000 Menschen betreut, bis im August 2016 die letzte Johanniter-Notunterkunft an der Züricher Straße in Bremen geschlossen wurde. Das Team um die Integrationsmanagerin Oksana Sapelkin kümmert sich seitdem um die Eingliederung Geflüchteter in die deutsche Gesellschaft. Aktuell betreiben die Johanniter im Verband Bremen-Verden Übergangswohnheime für Erwachsene und Familien in Bremen-Blumenthal an der George-Albrecht-Straße und Verden sowie eine stationäre Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Cuxhaven. Unter anderem erhalten die Bewohner neben Sprachkursen Unterstützung bei der Job- und Wohnungssuche, bei Behördengängen oder auch der Suche nach einem Schul- oder Kindergartenplatz für die Kinder.

Seit Mai 2016 hat das Team von „Passt perfekt“ gemeinsam mit den Johanniter-Integrationshelfern in Bremen in fünf Kursen rund 90 Männer und Frauen verschiedener Nationalität auf die Arbeitswelt in Deutschland vorbereitet. Der Großteil konnte nach Ende des Seminars in einen Praktikumsplatz und ein weiterer Teil darüber hinaus in ein festes Beschäftigungsverhältnis vermittelt werden.

„Juan wollte unbedingt wieder arbeiten.“ Andrea Michalek-Ennen
„Fast alle Teilnehmer wurden mindestens in Praktika vermittelt.“ Oksana Sapelkin
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