Ausstellung von Refugio im Bamberger-Haus endet am Sonnabend

Ein Herz mit zwei Farben

Altstadt. Unter dem Motto „Von Kartoffeln und Aprikosen“ stellt Refugio Arbeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus, die in der Kunsttherapie bei Refugio entstanden sind. Die sehr berührenden Bilder und Plastiken sind bis Sonnabend, 22.
20.11.2014, 00:00
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Von Christiane Tietjen

Unter dem Motto „Von Kartoffeln und Aprikosen“ stellt Refugio Arbeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus, die in der Kunsttherapie bei Refugio entstanden sind. Die sehr berührenden Bilder und Plastiken sind bis Sonnabend, 22. November, im ersten Stock des Bamberger-Hauses, Faulenstraße 69, zu sehen.

Die eine Hälfte ist rot, die andere schwarz. „Mein Herz hat zwei Farben“, hat eine Tschetschenin ihr Bild genannt, das sie sorgfältig mit Wachsfarben aufs Papier gebracht hat. Aus dem Untertitel geht hervor, wie zerrissen sie sich trotz der Sicherheit in Deutschland fühlt. „Flüchtlinge bringen ihre Seele mit“, sagt Zarah Mohammadzadeh, die dem Vorstand von Refugioangehört, und erklärt auch gleich den Titel der Ausstellung: „Das eine braucht man, um satt zu werden, das andere zum Genießen.“

Es dauert oft ganz lange, bis Flüchtlinge und Folteropfer in der Kunsttherapie Vertrauen entwickeln. Depressionen, ständige Anspannung und emotionale Erstarrung neben körperlichen Symptomen als Folge des Erlebten machen es ihnen schwer, aus eigener Kraft den Alltag zu bewältigen. „Wir knüpfen dann manchmal an etwas Angenehmes an“, sagt Kunsttherapeutin Gisela Köster über die Einzeltherapie. Mandalas ausmalen, sich einen „inneren Garten“ vorstellen, das sind Wege, in einem geschützten Raum etwas Ordnung zu schaffen. „Ganz allmählich wird mehr Leben und Kraft spürbar, und etwas überrascht und stolz heißt es oft: Das habe ich gemacht?“

Die bildliche Darstellung traumatisierender Erfahrungen kann eine Hilfe sein, sich davon zu distanzieren. Die Bilder beeindrucken oft gerade durch ihren einfachen, aufs Wesentliche reduzierten Ausdruck, wie bei der Frau, die mühsam einen schwarzen Luftballon in der erhobenen Hand hält. Ihr Gesicht zeigt Schmerz und Trauer. „Loslassen“ heißt das Bild. Die Farben sprechen eine eigene Sprache – seien sie kalt oder warm, erdig und sonnig – genauso wie die Anordnung der Elemente auf dem Bild. Dazu geben die erklärenden und beschreibenden Texte der Urheber einen Auszug ihres ganz persönlichen Erlebens wieder. Besucher der Vernissage waren sichtlich berührt von den Bildern, aber auch von den Plastiken aus Knete und Ton. Eine junge Afrikanerin, die lächelnd ihren kleinen Bruder auf dem Rücken trägt, ein kurdischer Lehmofen mit Fladenbroten sind mit liebevollen Händen geformte Erinnerungen.

Von Kindern gezeichnete und gemalte Bilder verstören auf besondere Weise. Bombenangriffe, Flammen, Gewalt und Tod bestimmen in ihrer erschreckenden Klarheit die Bildinhalte. Ein Junge aus dem Irak baut Schanzen und Spieße auf, um zu zeigen wie es sich anfühlt, ständig wachsam zu sein, immer in der Erwartung dass etwas Lebensbedrohliches geschieht.

Die Kunsttherapeutin Verena Wetzel, die bei Refugio speziell für Kinder und Jugendliche zuständig ist, weiss, wie wichtig das Spiel ist, um seelische Vorgänge zu bearbeiten. Im Therapieraum gibt es genügend Material, das Kinder anregt, Situationen nachzuspielen und neue zu konstruieren.

Orientierung in der Gegenwart zu geben, war das Ziel des Fotoprojekts „Wenn ich groß bin, möchte ich...“. Es bedarf starker, positiver Vorbilder, um Wünsche und konkrete Ziele zu formulieren, da ist sich Verena Wetzel sicher. Was mache ich gern, welche Begabungen und Interessen habe ich, welches Tier wäre ich? Das waren Fragen, die sich die Kinder stellten, bevor sie sich mit Einwegkameras auf den Weg machten.

Der siebenjährige Kristian hat klare Vorstellungen, von denen selbst seine Eltern überrascht sind. Er möchte einmal eine Frau haben und zwei Kinder und in einem Haus wohnen mit Elfen, die serbisch sprechen. Sein Vorbild ist Batman, nur das Fliegenkönnen stellt er für sich in Frage.

Der achtjährige Mohamed will Tierarzt werden, Löwen operieren und Tieren zu essen geben. „Neben Refugio soll ein großes Haus stehen, dort ist meine Praxis.“ Ein schönes Kompliment für einen guten Ort.

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