Erstmals wird in Bremen ein Preis für vorbildlichen Umgang mit Vielfalt in Firmen und Organisationen verliehen Ein Hoch auf die kleinen Unterschiede

Bremen. Zum ersten Mal sind gestern Bremer Firmen und Organisationen ausgezeichnet worden, die sich in vorbildlicher Weise für die Vielfalt im menschlichen Miteinander einsetzen. Schon die Liste der Preisträger ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Juroren Unterschiedlichkeiten zu schätzen wissen: Ausgezeichnet wurden eine Messtechnikfirma, eine Schule, ein Radiosender und eine Theatergruppe.
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Von Sebastian Manz

Bremen. Zum ersten Mal sind gestern Bremer Firmen und Organisationen ausgezeichnet worden, die sich in vorbildlicher Weise für die Vielfalt im menschlichen Miteinander einsetzen. Schon die Liste der Preisträger ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Juroren Unterschiedlichkeiten zu schätzen wissen: Ausgezeichnet wurden eine Messtechnikfirma, eine Schule, ein Radiosender und eine Theatergruppe.

Dass ein Nicken in Indien eine völlig andere Bedeutung haben kann als etwa in den USA, musste Katja Leese erst lernen. Die 28-Jährige betreut seit vier Jahren die Auslandsfilialen der Bremer Messtechnikfirma Sikora. Die junge Managerin ist für sämtliche Aktivitäten von der Gründung neuer Zweigstellen bis zum Controlling an den internationalen Standorten zuständig. Die zehn Außenbüros der Firma befinden sich in so unterschiedlichen Ländern wie China, der Ukraine oder den USA.

Um ihren Aufgaben gewachsen zu sein, bereitet sich die junge Managerin akribisch auf die Auslandseinsätze vor. "Bevor ich abreise, ist es für mich wichtig zu verstehen, auf welche Gepflogenheiten ich vor Ort treffe", sagt sie. In Seminaren macht Leese sich mit kulturellen, aber auch rechtlichen oder verwaltungstechnischen Eigenheiten der Region vertraut. Bei der Arbeit in internationalen Teams könne solches Wissen immer wieder über Erfolg und Misserfolg entscheiden. "Unsere chinesischen Kollegen würden Kritik etwa nie offen äußern - da gilt es für mich sensibel auf gewisse Zeichen zu achten", erklärt Leese.

Einmal im Jahr kommen die Mitarbeiter aus aller Welt nach Bremen. Neben betrieblichen Besprechungen steht dann vor allem gegenseitiges Kennenlernen auf dem Programm. Die Belegschaft misst sich bei Drachenbootrennen und unternimmt gemeinsame Ausflüge. "Wenn man sich einmal persönlich kennt, erleichtert das den gegenseitigen Umgang ungemein", sagt Katja Leese.

Die Controllerin ist nicht die einzige Instanz, die die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten bei Sikora einander näher bringt. Das Unternehmen hat seine Philosophie auf einen knackigen Slogan verkürzt: "Erfolg durch Vielfalt." Dieses Credo gilt nicht nur für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Kulturkreise. "Die freie Entfaltung jedes Mitarbeitenden wird gefördert, Geschlechtergerechtigkeit ist für die Sikora AG selbstverständlich", wird der Firma attestiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Jury des ersten Bremer Vielfaltspreises namens "Der Bunte Schlüssel". Die Juroren zeichneten die Sikora AG in der Kategorie "Kleine und mittelständische Wirtschaftsunternehmen" aus. Die Firma sei ein Vorzeigeunternehmen des Bremer Mittelstands.

42 Bewerbungen für vier Preise

Ausgelobt hat den Preis das BremerForum:Diversity. Bei diesem Projekt kooperieren das Paritätische Bildungswerk (PBW), die Hochschule Bremen, repräsentiert durch das Zentrum für Interkulturelles Management (ZIM), sowie die Universität Bremen, vertreten durch das Bremer Institut für Kulturforschung (bik). BremerForum:Diversity wird vom Europäischen Sozialfonds gefördert. Das Projekt versteht sich als Plattform und Ansprechpartner in Sachen Diversity-Management (Organisation von Vielfalt). Gestern hielt das Forum eine Tagung in der Bremer Handelskammer ab, bei der aktuelle Entwicklungen und Praxisbeispiele vorgestellt wurden.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Diversity-Preises. Aus 42 Bewerbungen hatte eine Jury vier Preisträger gekürt. Gewürdigt wurden laut den Organisatoren sowohl die Gestaltung von Vielfalt als auch die positive Darstellung von Vielfältigkeit nach außen. Neben dem Bereich Mittelstandsunternehmen vergab die Jury Preise in zwei weiteren Kategorien. Die Auszeichnung in der Sparte "Non Profit / Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung" erhielt Funkhaus Europa. Das gemeinsame Programm von Radio Bremen, WDR und RBB informiert seine Hörer auf deutsch und insgesamt 14 weiteren Sprachen über aktuelles politisches und gesellschaftliches Geschehen. Die Jury würdigte, dass Diversity-Management bei Funkhaus Europa ganz selbstverständlich zur täglichen Arbeit gehöre. Dies zeige sich allein an der Tatsache, dass über die Hälfte der Mitarbeiter Migrationshintergrund hätten.

Den Preis in der Kategorie "Einrichtungen aus Kunst und Kultur" ging an das Chinelo-Theaterhaus. Der Verein hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, Theaterarbeit mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität und sozialer Herkunft zu verwirklichen. Unter anderem initiierte Chinelo ein Bühnenprojekt mit jungen Kriegsflüchtlingen aus Angola, das sich bundesweiter Beachtung erfreute.

Auch einen Sonderpreis für besondere Projekte vergab die Jury. Ausgezeichnet wurde die Grundschule Burgdamm für das Projekt "Europa bewegt sich - Europe in motion", das in Kooperation mit Schulen in ganz Europa bereits bei Kindern Bewusstsein für kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede schaffen soll. "Was die Förderung von Vielfalt angeht, ist die Grundschule Burgdamm ein Leuchtturm in Bremen-Nord, ein Wunder von der Weser", sagte Laudatorin Katja Barloschky, Geschäftsführerin der Bremer Arbeit.

Der Preis der ersten drei Kategorien ist mit 1500 Euro, der Sonderpreis mit 500 Euro dotiert. Jeder Gewinner erhielt eine Bronzefigur, die von der Bremer Künstlerin Gisela Eufe gestaltet worden war. Das BremerForum:Diversity war nur bei der Premiere des Preises Ausrichter der Verleihung. Die Fördergelder für den Zusammenschluss laufen im kommenden Jahr aus. "Der Bunte Schlüssel" soll dennoch auch in Zukunft in jährlichem Turnus vergeben werden. "Die Finanzierung dafür steht - die Hochschule Bremen wird den Preis künftig vergeben", sagte Konrektorin Jutta Berninghausen.

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