Wissen um elf: Kai Steffen sprach über Henrich Focke Ein Hubschrauber made in Bremen

Altstadt. "Das hier ist wohl die einzige Veranstaltung, die in Bremen zum Hubschrauberjubiläum gemacht wird", vermutete Kai Steffen. Der Elektrotechniker aus dem Viertel hat sich dem Erhalt des Focke-Windkanals gewidmet. Bei "Wissen um 11" im Haus der Wissenschaft berichtete er über "75 Jahre Hubschrauberflug - eine Bremer Erfindung erobert die Welt".
21.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Solveig Rixmann

Altstadt. "Das hier ist wohl die einzige Veranstaltung, die in Bremen zum Hubschrauberjubiläum gemacht wird", vermutete Kai Steffen. Der Elektrotechniker aus dem Viertel hat sich dem Erhalt des Focke-Windkanals gewidmet. Bei "Wissen um 11" im Haus der Wissenschaft berichtete er über "75 Jahre Hubschrauberflug - eine Bremer Erfindung erobert die Welt".

Vor 75 Jahren hatte ein Bremer die Nase vorn. Am 26. Juni 1936 startete auf dem Neuenlander Feld der erste flugfähige Hubschrauber der Welt - die FW61. Entwickelt hatte ihn der Bremer Flugzeugkonstrukteur Henrich Focke. Mit 19 Jahren hatte Focke bereits erste Flugzeuge und Gleiter gebaut, die einen Menschen tragen konnten. Der tollkühne Pilot stürzte sich damit den Osterdeich hinunter. Lehrbücher gab es damals noch keine zu diesem Thema, Henrich Focke musste sich auf sein eigenes technisches Verständnis stützen. Nach seinem Maschinenbaustudium gründete er 1924 die Focke-Wulf AG, zusammen mit Georg Wulf und Werner Naumann.

"Ohne Henrich Focke wäre die Entwicklung des Hubschraubers in Deutschland und der Welt wohl eine andere gewesen", glaubt Kai Steffen. Bereits der Experimentierhubschrauber, aus dem Jahr 1932, brach alle Rekorde. Der Hubschrauber konnte frei fliegen, er musste nicht festgehalten werden, wie so viele Modelle zu der Zeit. 18 Meter hoch stieg er und damit höher als jeder bis dahin gebaute Hubschrauber. 1933 musste Henrich Focke die Focke-Wulf AG verlassen, weil er nicht so bauen wollte, wie es sich die Nationalsozialisten vorstellten. Für Henrich Focke bedeutete dies, dass er sich ganz der Entwicklung seines Hubschraubers widmen konnte. Ziemlich genau vier Jahre nach dem Experimentierhubschrauber hatte Henrich Focke die FW61 fertig.

Der Hubschrauber bestand aus dem Flugzeugrumpf der Focke-Wulf Stieglitz, ein Standardmodell, das bei der Focke-Wulf AG in Serie produziert wurde, und zwei Auslegern mit einem Rotor an der Seite. Als Heckleitwerk verwendete Focke das ganz normale Seitenleitwerk eines Flugzeugs mit dem oben aufgesetzten T-Höhen-Leitwerk. "Das Besondere oder das etwas Andere an dieser Hubschrauberbauweise ist, dass der Hubschrauber zwei tragende Schrauben hat", sagte Kai Steffen. Mit nur einer Kraftschraube, wie heute üblich, geht beim Ausgleich des Drehmoments sehr viel Energie verloren. Der Vorteil von Henrich Fockes Konstruktion ist, dass fast die gesamte Motorleistung in Auftrieb umgesetzt werden kann.

Henrich Focke war bei dem Versuch, einen Hubschrauber zu entwickeln, nicht alleine. Paul Cornu machte 1907 den Anfang mit seinem "Fliegenden Fahrrad". Aber die Konstruktionen früherer Drehflügler waren nicht stabil genug - und viele mussten außerdem festgehalten werden. Henrich Focke hingegen entwickelte ein Modell, das frei fliegen konnte.

Wichtig war dem Bremer vor allem die Sicherheit, besonders nach dem Tod seines Konstrukteurs und Freundes Georg Wulf. "Eine der wichtigen Eigenschaften, die dieser Hubschrauber hatte ist, dass er eben auch landen konnte, wenn der Motor ausfällt", berichtete Kai Steffen. Henrich Fockes Hubschrauber ist der erste, mit dem eine Autorotationslandung möglich war, ein Notfallmanöver, das noch heute jeder Hubschrauberpilot erlernen muss. Dabei sinkt der Hubschrauber zuerst kontrolliert ab, bevor kurz über dem Boden durch Anstellen des Rotors noch einmal Auftrieb erzeugt wird.

Weitere wichtige Merkmale der Entwurfsgrundlagen waren, dass die Steuerbarkeit und Stabilität wie bei einem Flächenflugzeug gegeben sein sollten, der Hubschrauber einfach zu bedienen sein, im Dauereinsatz eine allgemeine Betriebssicherheit bieten und eine vergleichbare Leistungsfähigkeit zu einem normalen Flugzeug haben sollte.

Die FW61 stellte 1937 sämtliche Hubschrauber-Weltrekorde auf. Der Hubschrauber flog 122 Stundenkilometer schnell und stieg 2439 Meter hoch. Zwei Hubschrauber des Typs FW61 wurden gebaut. Erhalten ist nur noch ein Rotor. Dieser befindet sich in Bückeburg im Museum.

Focke-Windkanal, Emil-Waldmann-Straße 4 (zwischen der Hochstraße und An der Weide). Näheres auf www.focke-windkanal.de. Geöffnet ist an jedem ersten Sonntag im Monat. Von 12 bis 17 Uhr gibt es Führungen zu jeder vollen Stunde. Eintritt frei, Spenden erbeten.

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