Präsident der Bremischen Bürgerschaft

„Ich bin Botschafter der Demokratie“

Frank Imhoff (CDU) wurde vor einem Jahr von den Abgeordneten zum Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft gewählt. Im Interview berichtet er, wie er sein Amt ausfüllt.
03.07.2020, 05:29
Lesedauer: 3 Min
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„Ich bin Botschafter der Demokratie“
Von Silke Hellwig
„Ich bin Botschafter der Demokratie“

Mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme und sechs Enthaltungen) wurde Frank Imhoff zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt.

Koch

Herr Imhoff, Sie sind seit einem Jahr im Amt. Was war besonders gewöhnungsbedürftig?

Frank Imhoff: Ich musste mich daran gewöhnen, jeden Morgen ins Büro zu fahren. Als Landwirt arbeitet man anders. Man hat zwar auch sehr viel zu tun, aber man ist unabhängiger und sein eigener Herr. Jetzt bin fremdbestimmt, und mein Tag ist eng getaktet.

Gab es schon Momente, wo Sie dachten: Hätte ich das geahnt, hätte ich vielleicht noch mal länger nachgedacht, ob das was für mich ist?

Nein. Ich habe gerne mit Menschen zu tun, das liegt in meinem Naturell. Es gab noch nicht einen Morgen, an dem ich lieber auf dem Hof geblieben wäre. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieses Amt so viel Freude bereiten würde. Das liegt auch daran, dass mir in der Verwaltung ein klasse Team zur Seite steht.

Arbeiten Sie noch auf dem Hof mit?

Ich helfe mit, wo ich kann, und das tue ich gerne. Landwirt zu sein, ist kein Beruf, sondern ein ganzes Leben, sozusagen. Gestern Abend habe ich mit meiner Tochter einen Silohaufen mit Reifen abgedeckt.

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Aber im Großen und Ganzen ist Ihre Tochter jetzt die Chefin auf dem Hof?

Ja, ich bin aus dem operativen Geschäft raus. Natürlich tauschen wir uns noch aus, bei uns hat immer die Familie, nicht eine einzelne Person den Betrieb geführt. Aber auf meiner Tochter lastet derzeit die Hauptarbeit und die Hauptverantwortung.

Derweil Sie . . . ja, wie beschreiben Sie Ihre Tätigkeit?

Mir ist es wichtig, mich nicht hinter meinem Schreibtisch zu verstecken, sondern auf die Bremerinnen und Bremer zuzugehen. Ich besuche Stadtteile, Projekte und Vereine, ich schaue mir als sogenannter Kollege Präsident Unternehmen an. Ich lasse mich auf neue Begegnungen und Themen ein. Ich lerne jeden Tag etwas dazu, weil ich vorher vor allem auf mein Politikfeld Klima, Umwelt, Landwirtschaft und Tierschutz konzentriert war.

Manche sagen, der Präsident der Bürgerschaft wäre ein Grüßaugust.

Mir ist vollkommen schnuppe, wie man das nennt. Ich verstehe mich als Botschafter für das Parlament und für die parlamentarische Demokratie. Leider scheint es immer wichtiger zu werden, für die Demokratie zu werben.

Begegnet Ihnen oft Politikverdrossenheit?

Ja, durchaus. Aber dann werde ich ehrgeizig und bemühe mich um die Menschen, die von uns Politikern nichts mehr wissen wollen.

Was ist schwierig an Ihrem Amt?

Anfangs ist es mir schwer gefallen, aus dem Partei- in einen übergeordneten Modus zu schalten. Ich bin Präsident für alle Fraktionen, für alle Abgeordneten, für alle Bürger. Ich bin immer loyal zum Land Bremen. Meine politische Meinung kann ich im Parlament als Abgeordneter äußern, der ich ja weiter bin. Aber bei Repräsentationsaufgaben spielt meine Parteizugehörigkeit keine Rolle. Trotzdem bin und bleibe ich Christdemokrat.

Ihr Vorgänger Christian Weber hat enorme Fußstapfen hinterlassen. Beginnen Sie, sie auszufüllen?

Nein, das ist auch nicht mein Anspruch. Christian Weber, den ich sehr geschätzt habe, war 20 Jahre lange Präsident, ich bin es gerade mal ein Jahr. Er hat das Amt auf seine Art ausgefüllt, ich tue es auf meine.

Sie wollen keine eigenen Akzente setzen?

Ich will mir kein Denkmal setzen, dafür bin ich nicht gewählt worden. Ich bin da, um zu zeigen, dass die Politik für die Menschen da ist und nicht umgekehrt und dass Politiker nicht dazu da sind, Probleme zu verwalten, sondern sie zu lösen. Ich habe noch einige Pläne, um Menschen zu erreichen, ihre Sorgen und Nöte aufzunehmen und an die richtigen Adressen weiterzugeben. Damit setze ich eigene Akzente.

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Zum Beispiel?

Ich möchte beispielsweise gerne mit einem Bürgerschaftsstand auf die Märkte gehen, um für die Demokratie zu werben. Das planen wir gerade.

Es ist kein Geheimnis, dass manche Ihnen das Amt nicht zugetraut haben – ein Bauer als Präsident der Bürgerschaft ...

Vorurteile gegen Landwirte kenne ich schon mein ganzes Leben. Es mag sein, dass ich nicht allen Erwartungen gerecht werden kann, aber ich verstelle mich nicht, um anderen zu gefallen. Das kann ich gar nicht. Ich habe den Eindruck, dass mich die Bürgerinnen und Bürger und die Kollegen Parlamentarier akzeptieren. Das liegt vielleicht an meiner Grundhaltung: Ich finde, man muss sein Gegenüber mit Respekt behandeln und ihm zuhören. Der andere kann schließlich auch mal Recht haben. Doch mehr und mehr Menschen scheinen sich mit dem Zuhören und der Akzeptanz anderer Standpunkte schwer zu tun, und das schadet der Demokratie.

Das Gespräch führte Silke Hellwig.

Info

Zur Person

Frank Imhoff

wurde am 3. Juli 2019 zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt. Zuvor war der Christdemokrat Vizepräsident. Seit 1999 ist der Landwirt Abgeordneter. Der Hof befindet sich in Strom.

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