Ein Jahr Rot-Grün-Rot

So schlägt sich Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan

Als die ersten Corona-Fälle in Bremen bekannt wurden, war Claudia Bogedan (SPD) im Senatsteam früh gefordert. Sie musste und muss weiter hohe Güter wie Gesundsheitsschutz und das Recht auf Bildung abwägen.
11.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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So schlägt sich Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan
Von Sara Sundermann
So schlägt sich Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan

Claudia Bogedan (SPD) ist seit 2015 Senatorin für Kinder und Bildung.

Christina Kuhaupt

Claudia Bogedan (SPD) hat nach fünf Jahren als Bildungssenatorin längst den Status der Neuen abgelegt, die vor Amtsantritt an der Uni und für Stiftungen arbeitete, und nicht aus dem engen Kreis Bremer Parteizirkel stammte. Sie kann im Senat allmählich als alter Hase gelten – einmal mehr angesichts der vielen Neuzugänge auf der rot-grün-roten Regierungsbank.

Bogedans Beliebtheit lässt indes keinen Grund zur Freude aufkommen: Jeder Zweite war in einer Umfrage des WESER-KURIER mit ihrer Arbeit eher unzufrieden. Es ist schwer, als Bildungssenatorin in Bremen Lorbeeren einzufahren: Da ist die traurige Tradition, dass Bremen Schlusslicht in Bildungsstudien ist. Da ist der harte Fakt, dass jedes zweite Bremer Kind von Arbeitslosigkeit, Armut oder Bildungsferne betroffen ist – ein viel höherer Anteil als in Hamburg und Berlin. Da ist die Leitung des Bildungsressorts, das als große, teils schwerfällige Behörde gilt.

Früh gefordert in der Corona-Krise

In Erinnerung bleibt vom ersten Jahr Rot-Grün-Rot auch für Bogedans Ressort mit Sicherheit der harte Einschnitt durch Corona. In der ersten Zeit nach dem Ausbruch war Bogedans Handeln neben dem der Gesundheitssenatorin früh gefordert. In kaum einem anderen Bereich waren die Auswirkungen des Virus so unmittelbar spürbar wie in der Bildung. Am 10. März schloss zunächst eine Handvoll Kitas und Schulen wegen Verdachtsfällen. Nur eine Woche später machte Bremen alle Kitas und Schulen komplett dicht. Ein ähnlich radikaler Einschnitt war dann nur noch die Schließung der Läden.

Das Führungsteam der Behörde war ab dann offenbar oft am Rotieren: Die Schlagzahl sei sehr hoch, war auch zuletzt noch zu hören. Für Kitas und Schulen hagelte es Fahrpläne und Konzepte. Die digitale Lernplattform „Its Learning“, für die Bogedan sich eingesetzt hatte, erlebte während des Heimlernens einen Stresstest.

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Foto: Grafik Weser Kurier

Fast, aber auch nur fast in Vergessenheit gerieten da für ein paar Wochen die permanenten Großbaustellen der Senatorin: Die fehlenden Kitaplätze, der Lehrer- und Erziehermangel und die dringend benötigten neuen Kita- und Schulbauten.

Bogedan hat, das muss man annehmen, den Senatorinnen-Posten aus Überzeugung angenommen, als der damalige Bürgermeister Carsten Sieling sie 2015 an Bord holte. Aus der Praxis hört man von Pädagogen immer mal wieder: Man merke, dass Bogedan nie selbst an einer Schule gearbeitet habe. Mancher blickt dann nach Hamburg, wo mit Ties Rabe ebenfalls ein Sozialdemokrat Bildungssenator ist, aber einer, der selbst mal als Lehrer an Hamburger Schulen im Einsatz war.

Schulleitungen werden gehört

Doch Bogedan kassiert auch Lob: Mit Eltern und Schulleitungen reden, das kann sie. Schulleitungen seien davon „verwöhnt“, dass sie von der Senatorin gehört würden und sich oft etwas von ihren Anliegen in Senatsbeschlüssen wiederfände, hieß es zuletzt von einer Sprecherin der Grundschulleitungen.

Einen Patzer, der just bei Schulleitungen für viel Ärger sorgte, leistete sich Bogedans Behörde kurz vor den Ferien – mit einem Plan dafür, mehr Lehrer an Schulen mit besonders wenig Personal zu bringen. Mit diesem kurzfristigen Plan schuf sich Bogedan einen unnötigen Konfliktherd in einer Zeit, wo es besonders wichtig ist, gemeinsam mit Schulleitungen durch die Pandemie zu kommen.

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Zuletzt setzte sich im Senat ein Plan durch, der nicht Bogedans Vorschlag war: Kurz vor den Sommerferien wurde wieder in ganzen Klassen unterrichtet. Bogedan hätte sich auch eine langsamere Öffnung vorstellen können, um Schulen mehr Zeit zu geben, sich auf eine erneute Änderung einzustellen. Doch der Senat entschied anders – auch unter öffentlichem Druck von Eltern und Unternehmen.

Was zählt mehr: Das Recht der Kinder auf Bildung oder die Vermeidung von Corona-Fällen? Eine heikle Entscheidung. Nach den Ferien dürfte weiter am Schul- und Kita-Modus geschraubt werden. Bogedan wird mit den Entscheidungen, wie man mit Bildung in Zeiten von Corona umgeht, noch einiges zu tun haben.

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