Kai Steffen erläutert bei Wissen um elf Rationalisierung Ein Konzept zur Rettung der Welt

Altstadt. Die Kluft zwischen umweltfreundlicher Lebensweise und ökonomischer Wirtschaft ist riesig. Bei 'Wissen um elf' im Haus der Wissenschaft hielt Kai Steffen den Vortrag: 'Zukunft Erde - Wie wir unseren Lebensstandard trotz knapper werdender Ressourcen und globalem Bevölkerungswachstum halten können, ohne Umwelt und Klima weiter zu schädigen.'
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Von Solveig Rixmann

Altstadt. Die Kluft zwischen umweltfreundlicher Lebensweise und ökonomischer Wirtschaft ist riesig. Bei 'Wissen um elf' im Haus der Wissenschaft hielt Kai Steffen den Vortrag: 'Zukunft Erde - Wie wir unseren Lebensstandard trotz knapper werdender Ressourcen und globalem Bevölkerungswachstum halten können, ohne Umwelt und Klima weiter zu schädigen.'

Kai Steffen hat Produktionstechnik studiert und seinen Doktor in Elektrotechnik gemacht - und ist in Bremen unter anderem wegen seines Engagements im Zusammenhang mit dem Focke-Windkanal bekannt. Der Automatisierungstechniker arbeitet heute an der Universität Bremen. Er versucht pragmatische Lösungen zu finden, um die gegensätzlichen Zielsetzungen zwischen Umwelt und Wirtschaft zu vereinen.

'Wenn der Mensch leben möchte, ohne Umwelt und Klima zu schädigen, müsste er eigentlich aussterben', sagte Steffen überspitzt. 'Wir haben ein unglaubliches Bevölkerungswachstum. Von den circa 6,9 Milliarden Menschen auf der Erde haben nur etwa 1,5 Milliarden den europäischen Lebensstandard. Aber ein Mensch in Europa verbraucht ein Vielfaches der Energie, die ein Reisbauer in China benötigt.'

In Deutschland steigt das Wirtschaftswachstum nicht mehr stark an. 'Wir sind aber auch schon sehr gesättigt, in China sieht das anders auf', sagte Steffen. China ist eine aufstrebende Nation, die ihr Wirtschaftswachstum noch steigern will', gab der Wissenschaftler zu bedenken. Dieses Wirtschaftswachstum ziehe auch einen steigenden Energiebedarf nach sich. Aber Energieressourcen würden immer knapper. Kohle sei noch für 200 Jahre, Öl für 50 und Gas für 70 Jahre vorhanden. Um die Umwelt zu schützen, müsste der Energieverbrauch gesenkt werden. Möglich wäre dies unter anderem durch umweltfreundliche Produktionsmethoden, geringeren Produktionsaufwand und eine längere Produktlebensdauer. Gerade die wäre bei vielen Produkten problemlos machbar, meint Kai Steffen.

Kein Mensch möchte sich gerne einschränken. Damit Mitteleuropäer zufrieden sind, brauchen sie einiges: gute, gesunde Ernährung, eine ausreichend gute und warme Wohnung, gute ärztliche Versorgung, Zeit für Hobbys und soziale Kontakte beispielsweise. 'Und man hat das Problem wiederum, dass man für fast alles Geld braucht', sagte Steffen in seinem Vortrag. 'Also braucht ein Mensch eine fair bezahlte Arbeitsstelle.'

Arbeitsplätze schafft man, indem man die Produktion steigert, Produkte mit einer kürzeren Lebensdauer fertigt, mehr transportiert und Märkte privatisiert und aufteilt oder nicht erforderliche Bedürfnisse bei den Menschen weckt, um nur ein paar mögliche Punkte zu nennen. Das totale Gegenteil dessen, was für den Umweltschutz von Nöten ist.

'Volkswirtschaftliche Rationalisierung' nennt Steffen das Konzept, das dazu beitragen soll, mit möglichst wenig Arbeitsaufwand den Lebensstandard zu erhalten oder sogar auszubauen. Unter anderem durch eine lange Produktlebensdauer und die Zusammenlegung von Firmen, Ämtern und Gesellschaften mit gleichen Funktionen. Das hätte einen geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch zur Folge. Der einzelne Arbeiter und die einzelne Arbeiterin hätten mehr Zeit für Bildung, das Auskurieren von Krankheiten oder die Entwicklung wirklich innovativer Technologien. Das große Problem dieser Überlegung ist, dass die wenige vorhandene Arbeit auf alle verteilt werden müsste. Enorm hohe Löhne wären die Folge.

Die großen Parteien müssten schon zusammenarbeiten, um dieses Konzept umzusetzen. 'Das Problem ist, dass dies politisch sehr weit links einzuordnen ist', meint Kai Steffen. 'Links' werde immer noch häufig gleichgesetzt mit Sozialismus und Kommunismus. Und so sei es fast unmöglich, die Interessen von Arbeit, Wirtschaft und Umwelt miteinander zu vereinbaren.

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