Franz Gauker spielt Mittwoch Platten im Alten Fundamt Ein Leben für den Jazz

Steintor. Früher nannten ihn einige 'Bremens heimlichen Kultursenator'. Er selbst bezeichnet sich als 'Kulturmessie': Franz Gauker kennt die Bremer Jazzszene seit ihren Anfängen und hortet alles, was ihm wichtig ist. In seiner Wohnung im Steintor lagert er eine beeindruckende Plattensammlung und über 1000 Tonbänder mit Live-Mitschnitten, darunter viele alte Raritäten. Am Mittwoch, 6. Oktober, präsentiert er im Alten Fundamt einige seiner Schätze und lädt zu einem Streifzug durch die Geschichte des Jazz ein.
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Ein Leben für den Jazz
Von Sara Sundermann

Steintor. Früher nannten ihn einige 'Bremens heimlichen Kultursenator'. Er selbst bezeichnet sich als 'Kulturmessie': Franz Gauker kennt die Bremer Jazzszene seit ihren Anfängen und hortet alles, was ihm wichtig ist. In seiner Wohnung im Steintor lagert er eine beeindruckende Plattensammlung und über 1000 Tonbänder mit Live-Mitschnitten, darunter viele alte Raritäten. Am Mittwoch, 6. Oktober, präsentiert er im Alten Fundamt einige seiner Schätze und lädt zu einem Streifzug durch die Geschichte des Jazz ein.

Franz Gauker ist ein Kenner wider Willen: 'Ich bin da ja im Vergleich zu anderen ein unbedeutendes Licht', sagt er im Gespräch im Alten Fundamt. 'Das wird hier gerade ein bisschen neckisch, früher habe ich hier mein Fahrrad gesucht.' Der 74-Jährige lebt noch heute in der Nachbarschaft - in seinem Geburtshaus. In Bremen ist ihm so manches Fahrrad abhanden gekommen, doch auch manche seiner Platten muss er heute länger suchen: Seine Wohnung platzt unter der Wucht des Gesammelten aus allen Nähten. Platten und Tonbänder haben ihren Weg aus den Räumen im ersten Stock bis auf die Treppe gefunden. 'Ich habe schon überlegt, einen Teil der Sammlung auszulagern', sagt Gauker.

Mit dem Jazz kam er Mitte der 50er-Jahre als Schüler in Berührung - durch Klassenkameraden. 'Auf einmal kam es, da überfiel er mich, dieser Bazillus', sagt Gauker. Jazzmusik stand damals in der Kritik: 'Die Älteren, Gestrigen lehnten das ja damals als ,Negermusik? ab - das hat mich damals als Jugendlicher vielleicht auch gerade gereizt.' Seine Mutter war nicht begeistert. 'Die war als wohlbehütete Tochter in der Kaiserzeit aufgewachsen und hatte ein ganz anderes Musikverständnis - aber später hat sie doch zugegeben, dass Oscar Peterson ein toller Pianist ist.'

Der junge Franz Gauker kaufte sich die ersten Schallplatten, ehe er überhaupt einen Plattenspieler besaß. Später kam ein Heimtonbandgerät dazu: Von seinem Gehalt als Zollbeamter kaufte er sich das damals neuartige Gerät. Bis dahin hatten nur die Radiosender moderne Tonbandanlagen, nun konnte man auch im eigenen Wohnzimmer Bänder hören.

Im Freihafen, wo Franz Gauker Kaffee, Baumwolle und Maschinen abfertigte, war Jazz fehl am Platz. 'Ein, zwei Kollegen gab es da, die das auch hörten, aber man galt schon als Außenseiter', erzählt Gauker. Er schloss sich privat mit Gleichgesinnten zusammen und gründete einen Jazzclub. Mit dessen Mitgliedern verabredete er sich zu Plattenabenden oder traf sich mit Ingolf Wachler, der damals das wohl größte Jazzarchiv der Stadt besaß und bei Radio Bremen Musiksendungen damit bestückte.

Für Livemusik zog es die Bremer Jazzgemeinde in die 'Arizona Bar' des Varietés 'Astoria' oder ins Waldschlösschen im Bürgerpark, der heutigen Waldbühne. 'Das Waldschlösschen war anfangs brechend voll', erzählt Gauker. 'Bei dem ersten Jazzkonzert der ,Five Sounds? tanzten dort die Leute auf den Tischen. Außer auf den Tischen war aber nirgends mehr Platz.' Und natürlich war da noch die legendäre Jazzkneipe Bullenkamp im Buntentor. Der Besitzer Ernst Heinrich Bullenkamp rief Musiker zu Sessions zusammen und spielte mit. Bullenkamp starb 2008, die Tradition lebte weiter: Seit 60 Jahren trifft sich die Jazz-Szene an jedem ersten Montag im Monat in der Kneipe am Buntentorsteinweg 159, die heute 'Papillon' heißt. Noch immer geht Franz Gauker manchmal dorthin, noch immer streift er über die Flohmärkte und stöbert Raritäten auf.

Gaukers Sammelleidenschaft beschränkt sich nicht allein auf die Musik: Er war begeisterter Anhänger von Kurt Hübner, der in den 60er- und 70er-Jahren Intendant am Bremer Theater war. Als einfacher Besucher trug Gauker Programmhefte, Kritiken und Fotos zusammen - daraus wurde die größte bestehende Sammlung zum Hübner-Theater. Gauker hat sie längst der Akademie für Künste vermacht, die sie, wie er sagt, 'mit Kusshand' nahm.

Seine Tonbänder sind weniger haltbar als die Papierdokumente: Sie fangen an, kaputt zu gehen, und auch er selbst hat nicht mehr die Möglichkeit, sie abzuspielen. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass sich ein weiteres Institut für die Archivierung seiner Schätze interessiert. Gerade hat Franz Gauker sich wieder 500 Jazzalben zugelegt: 'Ich kann nicht vorbei gehen', sagt er.

Jazzabend mit Franz Gauker am Mittwoch, 6. Oktober, um 19 Uhr im Alten Fundamt, Auf der Kuhlen 1a (ganz in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Sielwall der Linien 2, 3 und 10). Im Mittelpunkt steht Classic Jazz. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden sind möglich.

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