SS-Massaker vor 66 Jahren in Marzabotto: Friedensschule Bremen stiftet seit 25 Jahren Freundschaft Ein leises 'buon giorno' war der Anfang

Vegesack. '25 Jahre, das ist schon was. Und es geht weiter!', sagt Gerd Meyer von der Internationalen Friedensschule Bremen über die Treffen mit der Partnergemeinde Marzabotto in Italien. Seit 25 Jahren pflegt die Friedensschule Bremen einen intensiven Austausch mit der italienischen Gemeinde.
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Von Iris Rahn

Vegesack. '25 Jahre, das ist schon was. Und es geht weiter!', sagt Gerd Meyer von der Internationalen Friedensschule Bremen über die Treffen mit der Partnergemeinde Marzabotto in Italien. Seit 25 Jahren pflegt die Friedensschule Bremen einen intensiven Austausch mit der italienischen Gemeinde.

Im Oktober dieses Jahres gab es zwei Anlässe, für die deutschen Mitglieder der Friedensschule Bremen nach Marzabotto zu reisen. Das gemeinsame Andenken an Ursula Kongi eröffnete den viertägigen Besuch der Deutschen in Italien. Auch die italienischen Mitglieder wollten sich von der kürzlich verstorbenen Ehrenamtlichen der Friedensschule verabschieden. Im Laufe der Jahre sei das Verhältnis zwischen den Teilnehmern ein sehr freundschaftliches geworden, sagt Meyer. Ebenso wichtig für den Besuch waren die Veranstaltungen zum 66. Jahrestag des Massakers vom September 1944. Damals hatte die Panzergrenadier-Division 'Reichsführer SS'über 700 Zivilisten in Marzabotto bei Bologna getötet.

Koschnick lud nach Bremen ein

Gerd Meyer erinnert sich an seine Gedanken bei der ersten Begegnung mit Besuchern aus Marzabotto: 'Zack, die greifst du dir!'. Für ihn war klar, daraus muss mehr werden als ein einmaliger Besuch. Die drei Jugendlichen waren 1984 zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Marzabottos, Dante Cruicchi, vom Ex-Bremer Bürgermeister Hans Koschnick in die Hansestadt eingeladen worden. Zwei Jahre später fand das erste zweiwöchige Workcamp mit 53 Teilnehmern in Marzabotto statt. Seitdem organisieren die Mitglieder beider Seiten abwechselnd in Italien und Deutschland Seminare mit dem Ziel, Piccoli Ponti - kleine Brücken - zwischen Menschen aus Konfliktregionen zu bilden.

'Der Anfang war nicht leicht', erzählt Gerd Meyer. Fast jeder Einwohner Marzabottos habe Familienmitglieder oder Freunde durch das Massaker der Deutschen verloren. An der Eisdiele in Marzabotto habe man bei seinen ersten Besuchen kaum ein Wort mit ihm gewechselt, beim zweiten Besuch zwei Jahre später habe die Dame hinterm Tresen ein leises 'buon giorno' gebrummt. Aber weitere zwei Jahre später, beim dritten Besuch in Marazabotto, habe sie seiner Tochter ein Eis spendiert. 'Hartnäckig, aber nicht aufdringlich', versucht Gerd Meyer persönliche Begegnungen herzustellen. Diese sind auch der Mittelpunkt der bisherigen Camps und Seminare. 'Wir möchten Leute ermutigen, sich dafür zu interessieren!', erklärt Gerd Meyer, aber es gehe dabei nicht nur um Gespräche über 'Früher' oder Politik. Bei den Reisen nach Marzabotto gebe es aber auch touristische Aspekte, wie Besuche von Bologna oder Venedig, erzählt Meyer. Auch nehme man bei der Planung der Aktivitäten vor Ort Rücksicht auf die

Interessen der Teilnehmer. Die nächste zweiwöchige Fahrt nach Marzabotto findet Ende April 2011 statt. Die Kosten für Halbpension und Fahrt belaufen sich auf rund 450 Euro. Informationen gibt es unter Telefon 0421/662115.

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