Eine Wanderung entlang der Schönebecker Aue zeigt Probleme des Geestbaches und den Reichtum des Auetals Ein lohnender Marsch

Das Angebot, von der Mündung am Vegesacker Hafen die Schönebecker Aue entlangzuwandern, lockt Naturfreunde sogar aus Huchting und Achim an. Und sie urteilen: Der Marsch lohnt sich.
01.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Otto

Das Angebot, von der Mündung am Vegesacker Hafen die Schönebecker Aue entlangzuwandern, lockt Naturfreunde sogar aus Huchting und Achim an. Und sie urteilen: Der Marsch lohnt sich.

Ulli und Carola Vey vom Biolandhof Blumenthal haben gemeinsam mit Peter Krauß, dem Ehrenvorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz, zu einer Wanderung entlang der Schönebecker Aue eingeladen. 36 Teilnehmer hatten sich am Vegesacker Hafen eingefunden. Sie waren sogar aus Huchting per Straßenbahn und Bus angereist, mit der Eisenbahn aus Achim gekommen oder sind über die Weser geschippert.

In den Vegesacker Hafen mündet die Aue, von der Langen Heide bei Heilshorn kommend, nach 17,7 Kilometern Bachverlauf. Dazwischen schlängelt sie sich durch artenreiche Wiesen bei Stendorf, Holthorst und Schönebeck. Der Geestbach ist das Übrigbleibsel der Saale-Eiszeit, er entstand vor etwa 200 000 Jahren.

Der Mündungsbereich ist unauffällig. Als trübes Rinnsal verlässt die Aue einen beleuchteten Tunnel, strudelt an Findlingen vorbei und plätschert dann schäumend aus einem Betonrohr ins Hafenbecken. Alle Versuche, den Mündungsbereich der Aue „erlebbar“ zu machen, seien bisher gescheitert, klagt Peter Krauß. Auch die Bemühungen um eine Renaturierung und den Einbau von Sohlgleiten für die aufwärts schwimmenden Fische seien bisher nicht vorangekommen.

Der ehemalige Lehrer führt die Gruppe über den Bahnhofsvorplatz, auf dem dunkle Basaltsteine anzeigen, wo sich die Aue unterirdisch entlangzieht. „In den 1930er-Jahren wurde der Bach in ein Kanalbett gezwängt.“ Das führt heute schnurgerade an den SAV-Sportplätzen vorbei. Eichenlaub und Weiden überdecken die trüb dahinfließende Brühe. Japanischer Staudenknöterich wuchert am Ufer. Etwas wehmütig erinnert sich der 79jährige Krauß: „Als Kinder konnten wir in der Aue noch angeln. Damals gab es hier Aale und Neunaugen in Massen.“

Allerdings habe die Fliesenfabrik in früheren Jahren ihre Farbabwässer in die Aue abgeleitet, sodass sie mal gelb, ein andermal rot und am nächsten Tag blau geleuchtet habe. Diese Zeiten seien glücklicherweise vorbei.

Unter der Autobahnbrücke muss sich Krauß dann aber doch aufregen: „Warum – verdammt noch mal – leitet man die ungeklärten Wässer, die von oben kommen, nicht in das nahe gelegene Schmutzauffangbecken, sondern lässt sie in die Aue fließen?“ Dennoch findet Klaus Holtmann aus Huchting: „Hier gibt es immer noch eine intakte Natur.“

Am Haus von Fritz und Hermine Overbeck begrüßt Gertrud Overbeck, die Enkelin des berühmten Malerehepaars, die Gruppe. Ihr Großvater hatte das 1870 erbaute Haus 1905 erworben und hier ein Atelier angebaut. Auf den Gemälden von Fritz Overbeck erkennt man die Wiesen, durch die sich die Aue schlängelt. „Die Ansichten in Overbecks Bildern lassen sich noch in der Natur wiederfinden“, stellt Gertrud Overbeck auf die Frage von Torsten Drube aus Delmenhorst fest.

Saftige Auwiesen breiten sich im Schönebecker Geestbachtal aus. „Diese Wiesen sind sehr artenreich. 60 bis 70 verschiedene Arten finden sich hier. Auf dem Feuchtgrünland blühen die gelbe Wiesenraute, das Sumpfblutauge, der große Klappertopf und die rosarote Kuckuckslichtnelke“, erläutert Biolandwirt Vey. Er ist gleichzeitig Biologielehrer an einer Schule für Lern- und Körperbehinderte; dort bildet er Gärtner aus.

Er verweist auf den brennenden Hahnenfuß, das Labkraut, den straußblättrigen Sauerampfer und den Spitzwegerich. Auf dem weitläufigen Gelände grasen zwischen Binsenbüscheln Färsen, das sind Kühe, die noch kein Kalb geworfen haben. Dieses Land wird von Vey extensiv ökologisch bewirtschaftet. Auf solchen ausgewiesenen Flächen dürfen nur drei Rinder pro Hektar weiden.

Durch die Schönebecker Eiswiesen fließt die Aue über ein steiniges Bachbett, ihr Wasser ist klar, die Fließgeschwindigkeit gemächlich. „Hier habe ich als Kind einmal das Laichen von Neunaugen beobachtet“, erzählt Peter Krauß.

„Man kennt vieles schon“, sagt Jörg Priebe aus Rönnebeck. „Aber bei einer solchen Wanderung entdeckt man immer wieder etwas Neues.“ Hermann Beckemeier gehört zu den Achimer Wanderfreunden. Das Schönebecker Auetal mit seiner abwechslungsreichen Flora begeistert ihn. „Hierher komme ich demnächst mit meinen Wanderfreunden zurück“, erklärt er. „Es lohnt sich.“

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