Containeraussichtsturm Ein maritimer Geheimtipp wird 40

15 Meter hoch ist der Aufstieg zu dieser Aussichtsplattform in Bremerhaven. Doch die Mühe lohnt sich, der Blick ist atemberaubend. Das liegt an der ganz besonderen Lage des Turmes.
04.05.2019, 13:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel

Meeresluft schnuppern und Schiffe gucken – das sind die schönsten Momente an der Küste. Die Überseehäfen in Bremerhaven mit ihren riesigen Autofrachtern und dem Containerumschlag sind dafür perfekt. Die Zugänge zum Containerterminal und dem inneren Hafengebiet als amerikanischem Exporthafen sind aber seit den Terroranschlägen von 2001 in den USA größtenteils gesperrt. Möglich ist deshalb nur eine Besichtigungstour mit dem Hafenbus. Doch es gibt immer noch einen Ort, von dem man im wahrsten Sinne des Wortes den Überblick über das spannende Hafengeschehen hat – und das sogar kostenlos: den Containeraussichtsturm.

Er fällt fast gar nicht auf und wer nicht aufpasst, fährt locker an der ungewöhnlichen Aussichtsplattform vorbei. Dafür gibt es einen Grund: Der Containeraussichtsturm in der Steubenstraße ist komplett aus Containern gebaut. Wer ihn nicht kennt, könnte die viereckige Ansammlung von Metallboxen direkt neben der Nordschleuse auf den ersten Blick für abgestellte Container halten. Auf den zweiten Blick allerdings zeigen das gewölbte Metalldach oben über der offenen Plattform und die beiden ausladenden Seitenbalkone eindeutig: Hier wartet ein optischer Leckerbissen für Hafen-Fans.

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„Der Containeraussichtsturm wurde im Juli 1979 bewusst als Aussichtspunkt am Containerterminal und den Überseehäfen errichtet. Er gehört der Stadt Bremerhaven. Für die Optik haben die Ideengeber gezielt Reedereien aus der Containerschifffahrt angesprochen“, erzählt Bremerhavens Tourismus-Chef Raymond Kiesbye. Das ist auch der Grund, warum in vier Lagen übereinander Container in Blau, Grau, Orange und Rot mit Firmenlogos den „Mantel“ um das offene Treppenhaus des Turmes bilden. Innen geht es über Metallstufen in Gitterrosten-Optik nach oben. Der Blick durch die offenen Stufen nach unten ist vielleicht nicht jedermanns Sache – aber der Aufstieg in 15 Meter Höhe lohnt sich.

Oben angekommen, weht einem sofort eine frische Seebrise um die Nase. Der Blick ist atemberaubend. Direkt vor dem Turm liegt eine derr größten Schleusen der Welt: die Nordschleuse. An diesem Morgen liegt ein mächtig großer Frachter in der 375 Meter langen und 60 Meter breiten Schleusenkammer. Das Schiff ist so nah, dass man meint, es anfassen zu können. Die laufenden Maschinen des Frachters bringen die Plattform des Aussichtsturmes leicht zum Vibrieren.

Die längste Containerkaje der Welt

Nur kurz dahinter beginnt schon der Containerterminal. Übereinandergestapelte Reihen von Containern in Reih und Glied, rote Verladefahrzeuge fahren auf ihren langen Stelzenbeinen geschäftig dazwischen hin und her. An der Kajenkante zieht sich die schier endlose Reihe der riesigen Containerbrücken an der Weser bis zum Horizont hin. Mit einer Länge von rund fünf Kilometern hat Bremerhaven die längste zusammenhängende Containerkaje der Welt.

Diese Aussicht zieht jedes Jahr mehrere tausend Besucher von nah und fern auf den Aussichtsturm. Wer einmal hier war, der kommt immer wieder. So wie ein ehemaliger Bremerhavener, der mit seinem vierjährigen Sohn die Treppenstufen erklommen hat und sich genüsslich den Wind um die Nase wehen lässt. „Ich wollte Emil den Blick von hier oben einfach mal zeigen. Wir machen eine Vater-Sohn-Tour durch meine alte Heimatstadt und früher war ich ganz oft hier oben. Ist einfach klasse“, sagt er. Das findet Sohnemann Emil auch. Er hat sein eigenes, quietsch-gelbes Fernglas mitgebracht und kann sich an den vielen Containern, Kränen, Schiffen und Containerbrücken gar nicht satt sehen.

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Tatsächlich bietet der Containeraussichtsturm durch seinen 360-Grad-Rundumblick den kompletten Überblick über die Bremerhavener Überseehäfen. Weseraufwärts liegt am Kreuzfahrtterminal ein 350 Meter langer Kreuzliner. Direkt auf der anderen Seite des Container-Aussichtsturms wird ein großer Frachter zur Reparatur im Schwimmdock der Lloyd-Werft vorbereitet. Im anderen Hafenbecken manövrieren drei Schlepper einen Autofrachter mit Platz für 8000 Fahrzeuge an die Kaje. Das maritime Vollprogramm.

Schautafel bietet Erklärungen

Wer sich nicht auskennt, der wird auf dem Containeraussichtsturm nicht allein gelassen. In der Mitte der Plattform ist eine Schautafel wie ein mehrere Meter großer Tisch aufgebaut. Hier wird alles anschaulich mit Karten, Orientierungspunkten, kurzen Texten und roten Markierungen erklärt: die einzelnen Hafenbecken, der Containerterminal, der Autoumschlag, der Kreuzfahrtterminal, die Werften. Sogar die besten Ausflugsziele in der Stadt sind mit einzelnen Bildern als Tipps für den weiteren Urlaubstag in Bremerhaven zu sehen.

„Bei unseren Gästen ist der Containeraussichtsturm sehr beliebt“, sagt Tourismus-Chef Raymond Kiesbye. „Durch seine Lage mitten im Hafengeschehen ist er ganz besonders und bundesweit einzigartig. Hier sieht man Dinge, die man sonst nirgendwo zu sehen bekommt – und das aus nächster Nähe.“ Offensichtlich, denn gerade kommt ein gut beladener 400-Meter Containerfrachter aus Richtung Nordsee die Weser runter. Das Schiff sieht aus wie ein Berg, der durchs Wasser fährt und lässt die Containerbrücken zu Zwergen werden. „Emil, schnell, guck´ mal – da!“, stupst der Vater seinen Sohn an. Doch das wäre gar nicht nötig gewesen. Kapitän Emil hat mit seinem gelben Fernglas schon längst Peilung aufgenommen und den Containerriesen mit offenen Mund fest im Blick.

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