HWWI Bremen geht an den Start / Thomas Straubhaar: Region muss stärker gemeinsam auftreten Ein Motor für den Norden

Bremen. Nun ist es offiziell: Seit Anfang Januar ist das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HHWI) mit einer Zweigniederlassung in Bremen am Markt. In angemieteten Büroräumen im Gründerzentrum BITZ an der Universität Bremen kümmern sich vorerst drei Mitarbeiter darum, den Boden für den Bremer Ableger des HWWI zu bereiten. Institutschef Thomas Straubhaar sieht darin den Beginn einer starken norddeutschen Kooperation.
11.01.2011, 05:00
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Von Annemarie Struss-v. Poellnitz

Bremen. Nun ist es offiziell: Seit Anfang Januar ist das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HHWI) mit einer Zweigniederlassung in Bremen am Markt. In angemieteten Büroräumen im Gründerzentrum BITZ an der Universität Bremen kümmern sich vorerst drei Mitarbeiter darum, den Boden für den Bremer Ableger des HWWI zu bereiten. Institutschef Thomas Straubhaar sieht darin den Beginn einer starken norddeutschen Kooperation.

Manche Bremer könnten das als Versuch einer Kolonialisierung sehen - immerhin firmiert das Institut auch hier als hamburgisches Unternehmen. "Wir waren uns vom ersten Moment an bewusst, dass genau dieser Eindruck entstehen könnte und haben deshalb ganz klar betont, dass es nicht um eine Vereinnahmung geht. Hier sollen auch nicht historische Erfahrungen wiederholt werden. Aber vor dem Hintergrund der globalen Konkurrenz - Stichwort China - kann man nicht in der Historie gewachsene Gegensätze in die Zukunft fortschreiben. Es wird Zeit, dass man sich zusammenschließt, um mit gemeinsamer Stärke gegen diese neuen Herausforderungen anzutreten", sagt der Wahlhamburger mit Schweizer Wurzeln.

"Da beginnt ein Umdenken, und wir freuen uns, dass wir Teil dieses Umdenkens und möglicherweise auch ein Motor dieses Umdenkens sein können." Straubhaar hält einen Nordstaat für eine kluge Idee, die werde sich aber in den nächsten 20 Jahren wohl nicht realisieren lassen. "Das muss von unten wachsen, über Kooperationen im Alltag. Wir müssen uns als Norddeutsche gegenüber anderen Ländern profilieren", sagt Straubhaar.

Keine drei Büros in Brüssel

"Es macht wenig Sinn, in Brüssel mit drei verschiedenen Städtebüros anzutreten. Gemeinsam können wir dort mehr erreichen." Deshalb sei er auch glücklich, dass die neue Zweigniederlassung mit einigen EU-Projekten, noch aus dem Fundus des BAW, an den Start gehen könne. "Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass wir unsere Projektpartner in Hamburg mit denen in Bremen zusammenführen können. Wir wollen zum Beispiel Anträge für die Baltic-Sea-Projekte der EU stellen. Da haben wir gemeinsam sicher bessere Chancen, als wenn Bremen und Hamburg konkurrieren würden."

Dennoch wäre es naiv zu glauben, dass man in allen Bereichen gleich gut zusammenarbeiten könnte, sagt Straubhaar. "Selbstverständlich wird es weiter Konkurrenz zwischen den Ländern Hamburg und Bremen geben. Aber gerade in der Wirtschaft sind die Verflechtungen zwischen beiden Standorten schon sehr ausgeprägt." Wenn es dennoch zu Interessenkonflikten kommen sollte, werde man das transparent machen.

Bremen ist nach Erfurt die zweite Zweigniederlassung des HWWI außerhalb Hamburgs. Das Institut will und muss expandieren, um seine Infrastruktur besser auslasten und die regionalen Märkte besser bearbeiten zu können. Ein finanzielles Wagnis für das rein privatwirtschaftlich finanzierte Institut, aber Straubhaar hat in der Vergangenheit schon mehrere Projekte unter anderem für die Handelskammer in Bremen durchgeführt und ist überzeugt, dass es hier noch deutlich mehr zu tun gibt. "Wir haben festgestellt, dass es gerade für Kunden aus dem Mittelstand wichtig ist, dass wir direkt in der Region vertreten sind", sagt der dem wirtschaftsliberalen Spektrum zugeordnete Ökonom. Gerade diese Klientel will das Institut in Zukunft intensiver umwerben, um nicht so abhängig von wenigen Großkunden zu sein.

In Erfurt hat das HWWI mit dem angeschlossenen Wilhelm-Röpke-Institut einen eigenen Schwerpunkt. Während die Hamburger Zentrale wirtschaftsnahe Auftragsforschung betreibt, wird in Erfurt ein Themenfeld an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Gesellschaft erforscht. Wird es auch für Bremen einen eigenständigen Schwerpunkt geben, mit dem sich die Niederlassung profilieren kann? "Wir haben immer schon mit großem Interesse verfolgt, wie intensiv sich in Bremen die Themen maritime Wirtschaft und Luft- und Raumfahrt entwickeln. Das werden Themen sein, die wir von Bremen heraus auch für das ganze HWWI bearbeiten", sagt Straubhaar. "Wir werden auch all das nutzen, was in Bremen an Mittelstandskompetenz vorhanden ist." Dazu kündigte Straubhaar für dieses Jahr schon mal "die eine oder andere Überraschung" an. Zusammen mit profilierten Mittelständlern aus der Region Bremen sollen die Themen Internationalisierung, Fachkräfterekrutierung sowie Qualifizierung von Beschäftigten und

Nachfolgeregelungen bearbeitet werden.

Das HWWI braucht in Bremen ebenso wie in Hamburg eine projektunabhängige Basisfinanzierung. In Hamburg gehören zum Förderkreis unter anderem die Handelskammer, die Universität, die Berenberg Bank und die Hamburger Sparkasse (Haspa). In Bremen hat bisher nur die Handelskammer erklärt, dass sie das HWWI auch finanziell unterstützen werde. Wirtschaftsstaatsrat Heiner Heseler hatte keinen festen Zuschuss, allenfalls die Vergabe von Aufträgen im Rahmen von Ausschreibungen in Aussicht gestellt, während die Sparkasse, die gemeinsam mit der Sparkasse Bremerhaven mehrheitlich die Anteile am früheren BAW gehalten hatte, sich bisher bedeckt hält. Straubhaar geht aber davon aus, dass sich auch hier im Laufe des Jahres ein ausreichend großer Förderkreis finden werde. Einige prominente Mittelständler hätten schon Interesse bekundet. Ende Februar/Anfang März soll gemeinsam mit der Handelskammer ein Finanzierungskonzept vorgestellt werden.

Wünschenswert sind für Straubhaar auch Kooperation mit der Universität Bremen und mit der Jacobs University. Vor allem das Thema maritime Wirtschaft sei hervorragend geeignet, es gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Einrichtung wie dem ISL und dem Hanse-Wissenschaftskolleg zu bearbeiten.

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