Debatte um Bezeichnung für Bremen-Nord "Ein neuer Name bringt kein neues Image"

Ein neuer Name könnte den lahmenden Tourismus in Bremen-Nord ankurbeln. Sagen Werbestrategen, die die Region untersucht haben. Bei den Institutionen und Bürgern löst der Vorschlag ein geteiltes Echo aus.
05.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Hüttmann

Ein neuer Name könnte den lahmenden Tourismus in Bremen-Nord ankurbeln. Das sagen Werbestrategen, die die Region im Auftrag der Wirtschaftsförderung Bremen untersucht haben. Bei den Institutionen und Bürgern im Bremer Norden löst der Vorschlag ein geteiltes Echo aus.

„Man stöhnt schon ein bisschen“, sagt Katja Pourshirazi. Es ist nicht das erste Mal, dass die Leiterin des Overbeck-Museums gefragt wird, ob Bremen-Nord einen neuen Namen braucht. „Das hatten wir schon – und das bindet so viel Kraft.“

Hintergrund ist eine Untersuchung über die Lage des Tourismus im Auftrag der Wirtschaftsförderung Bremen. Die Dortmunder Consulting-Firma Heinze und Partner stellt den Nordbremer Stadtteilen ein ernüchterndes Zeugnis aus. Es fehle an einer klaren Kontur und einer gemeinsamen Strategie. Das Angebot sei nur in Maßen originell und es gebe kaum herausragende Attraktionen. Allerdings habe Bremen-Nord einiges Potenzial, wenn man das gesamte Stadtgebiet nördlich der Lesum als ein Produkt verstehe – und unter einem neuen Namen vermarkte.

„Ich halte nicht viel von der Debatte“, sagt Katja Pourshirazi. Nicht der Name sei entscheidend, sondern was sich dahinter verberge. „Die Diskussion ist deshalb eine Verschiebung des Problems.“ Auch Holger Schleider vom Museum Schloss Schönebeck hat Zweifel, ob ein neues Label den Tourismus weiter nach vorn bringen würde. Das sieht Malte Prieser vom Kulturbüro Bremen-Nord ähnlich: „Ein neuer Name bringt kein neues Image, das lässt sich nicht aufstülpen.“

"Es wird unterschätzt, was hier los ist"

Außerdem werde die Situation in Bremen-Nord häufig schlechter geredet als sie eigentlich ist, sind sich Pourshirazi und Prieser einig. „Ob das nun die Konzerte des Jugend-Sinfonieorchester Bremen-Nord , das Kito oder das Bürgerhaus sind – ich verbinde sehr viele Positives mit Bremen-Nord“, sagt Pourshirazi. „Es wird häufig unterschätzt, wie viel hier los ist.“ Gerade in den vergangenen Jahren habe sich viel getan, sagt Malte Prieser. „Immer mehr Leute entdecken Bremen-Nord für sich und haben hier ihren Lebensmittelpunkt.“ Nur werde über diese positiven Entwicklungen zu wenig geredet, sagt Katja Pourshirazi. „Unser Job ist es, das bekannter zu machen.“

Olaf Pfeiff ist einer dieser Menschen. Er wohnt seit Jahren in Bremen-Nord und versteht die ganze Debatte nicht. „Warum ein neuer Name? Bremen-Nord passt doch gut.“ Er fühle sich wohl in seinem Stadtteil. Außerdem bezweifelt er, dass ein neues Label Auswirkungen auf das Leben der Menschen vor Ort habe würde. Torben Tamoschus, der auf dem Markt in Vegesack Kaffee verkauft, sieht das ähnlich. „Die Diskussion erinnert doch stark an Realsatire – ein neuer Name ändert nichts.“ Es wäre besser, mehr Geld in die Strukturen vor Ort zu investieren. Das sieht auch Elisabeth Schönecker so: „Es müssten Attraktionen geschaffen werden – etwas Besonderes, dann würden auch mehr Touristen hierherkommen.“ Dennoch sollten keine überzogenen Hoffnungen in den Tourismus gesetzt werden. „Bremen-Nord ist eben nicht die Côte d‘Azur.“

Name als Stempel

Der Vorstoß der Dortmunder stößt allerdings nicht nur auf Kritik. „Bremen-Nord wird wegen seines Namens abgestempelt“, sagt Oliver Berger. Deshalb findet der Vorsitzende der Marketinggesellschaft Blumenthal Aktiv es lohnenswert, über ein neues Label nachzudenken. Vor allem für Menschen von außerhalb sei der Bremer Norden negativ besetzt. „Ein neuer Name ist eine gute Möglichkeit, daran etwas zu ändern“, sagt Monika Buggel, die die Burg Blomendal betreut. „Aber er muss reinhauen.“ Er müsse sofort klarmachen, was die Besucher nördlich der Lesum erwarte: Die Weser, die Wanderwege und das Kulturprogramm. „Ein neuer Name könnte helfen, klarer zu machen, was Bremen-Nord eigentlich ist“, sagt Valerie Böhm, die an der Jacobs University studiert. „Und er könnte ein bisschen sexyer sein.“ Zustimmung kommt von Oliver Berger – und er hat auch einen Vorschlag: „Wir sind die Bremer Spitze. Unsere Ausgangssituation ist gut – wir müssen nur aufhören, uns kleinzureden.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+