Ein Zuhause für 15.000 Menschen

Ein neuer Stadtteil für Bremen

Es wurde ein Geheimnis daraus gemacht, ein Investitionsprojekt sollte es sein, vielleicht ein bisschen Wohnen am Neustädter Hafen? Es darf ein bisschen mehr sein - alles soll zum Wohnquartier werden.
06.11.2017, 22:09
Lesedauer: 3 Min
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Ein neuer Stadtteil für Bremen
Von Jürgen Hinrichs
Ein neuer Stadtteil für Bremen

So könnte der Neustädter Hafen nach Plänen der CDU aussehen, sollte aus dem Areal ein Wohngebiet werden.

andreas schneider architekten / frei

Die CDU hatte ein Geheimnis daraus gemacht, das so groß aber nicht bleiben konnte, denn schon der Ort des Zusammentreffens legte eine breite Spur zum Thema. Eingeladen wurde für Montag zu einer kleinen Schiffstour. Und vorgestellt werden sollte ein Investitionsprojekt, welches, ließ man offen. Die Journalisten ahnten freilich schon, was es sein könnte, und so kam es dann auch: Im Fokus stand der Neustädter Hafen. Spannend nur noch, was sich die CDU für das rund 100 Hektar große Gebiet hinter Rablinghausen ausgedacht hat. Immer mal wieder ist ja diskutiert worden, ob dort neben den klassischen Hafenbetrieben auch anderes Gewerbe angesiedelt werden könnte. Vielleicht sogar ein bisschen Wohnen, wie es die Grünen vorgeschlagen hatten und im Koalitionsvertrag mit der SPD verankern ließen.

Ein bisschen? Nein, sagt die CDU, nicht ein bisschen, sondern alles und nichts weniger als das. Der gesamte Neustädter Hafen soll zum Wohnquartier werden und rund 15.000 Menschen ein neues Zuhause bieten.

Pressekonferenz: CDU-Fraktion stellt Investitionsprojekt, am Lankenauer Höft, vor - vl. Jens Eckhoff und Thomas Röwekamp

Jens Eckhoff (links) und Thomas Röwekamp vor dem Turm am Lankenauer Höft.

Foto: Frank Thomas Koch

CDU von Sieling gegeißelt

Fraktionschef Thomas Röwekamp und Jens Eckhoff, finanzpolitischer Sprecher, waren bester Laune, als sie auf dem Schiff ihr Konzept präsentierten. Kein Wunder, denn das gibt es nicht alle Tage: Ein neuer Stadtteil, der ausgerufen wird. „Ein Filetstück“, sagte Eckhoff, „die beste Fläche, die wir für so etwas haben.“ Die Analogien zur Überseestadt im alten Hafenquartier rechts der Weser liegen auf der Hand. Beispielgebend findet Röwekamp die Entwicklung dort aber nicht: „Es wurden Fehler gemacht, die wir im Neustädter Hafen nicht wiederholen wollen.“ Von vornherein müsse die Infrastruktur mitgedacht und nicht erst im Nachgang bearbeitet werden, wie das in der Überseestadt geschehen sei. Kindergarten, Schule, Supermarkt, Gesundheitseinrichtungen – das alles sollte gleich da sein, wenn die ersten Menschen in das Quartier ziehen. Genauso wie eine Anbindung an den ÖPNV über die Straßenbahn.

Die Sonne schien, herrliches Wetter, als der Trupp von Presseleuten mit den CDU-Granden von Bord ging, um sich am Lankenauer Höft einen kleinen Eindruck vom Neustädter Hafen zu verschaffen. Hochwasserschutz? „Muss noch geklärt werden“, sagte Röwekamp. Eine Marina? „Ist in den Plänen mit drin.“ Für weitere Details sei es viel zu früh. „Es ist eine Ideenskizze, die Debatte beginnt ja erst.“

Und wie sie begann, noch am selben Tag. Die Schiffsfahrt auf der Weser war ruhig, glattes Wasser – eine Welle, ziemlich groß, gab es erst später, als die Nachricht vom CDU-Plan Verbreitung gefunden hatte. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), sonst eher einer, der auf Initiativen seiner politischen Gegner nicht sofort reagiert, geißelte die CDU geradezu: „Der jüngste Vorschlag der CDU verkennt nicht nur die Bedeutung des Neustädter Hafens für die bremische Wirtschaft, er legt gleichzeitig die Axt an einen zentralen Pfeiler unseres Bundeslandes“, so der Bürgermeister in einer Pressemitteilung. Die Häfen seien die zentrale Lebensader der bremischen Wirtschaft und Garant für eine weiterhin gute Entwicklung des Logistikstandortes. Völlig ausgeschlossen, betonte Sieling, den Neustädter Hafen als Hafen- und Gewerbestandort stillzulegen: „Das wird es mit mir nicht geben.“

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Kein gutes Haar am CDU-Plan gelassen

Scharf auch der Widerspruch aus der Partei des Bürgermeisters: Fantastereien, Tagträume, Illusionen – mit diesen Vokabeln bedachte die SPD-Bürgerschaftsfraktion das Projekt der CDU. „Was ist die nächste Idee? Sollen wir vielleicht auch noch das Güterverkehrszentrum planieren?“, fragte Dieter Reinken, wirtschaftspolitischer Sprecher. Was die CDU vorschlage, könne nie und nimmer Grundlage für eine ernsthafte politische Diskussion sein. Schon deshalb, ergänzte Jürgen Pohlmann, weil der Plan komplett an der Realität vorbeigehe. „Bereits heute ist der Woltmershauser Tunnel eine Engstelle, wenn jetzt auch noch weitere 15 000 Anwohner durch dieses Nadelöhr sollen, steht dem Stadtteil ein Kollaps bevor“, so der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion.

Die SPD und der Bürgermeister in diesem Fall mal Seit' an Seit' mit der Handelskammer, denn auch die Kammer ließ an dem CDU-Plan kein gutes Haar. Er verkenne total, wie gut die Aussichten für den Neustädter Hafen seien. „Angesichts des anstehenden Baus des Wesertunnels im Zuge der A 281 ist mit einem Entwicklungsschub für das gesamte Areal zu rechnen“, teilte die Kammer mit. Insgesamt habe der Hafen das Potenzial, sich zusammen mit dem Güterverkehrszentrum zu einem echten trimodalen Logistikstandort zu entwickeln.

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