Länderzentrum für Niederdeutsch

Ein neues Gesicht für das Plattdeutsche

Die Journalistin Christianne Nölting wurde am Donnerstag als Geschäftsführerin des Länderzentrum für Niederdeutsch vorgestellt. Die 52-Jährige soll das Plattdeutsche in der Schule stärker verankern.
22.02.2018, 22:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein neues Gesicht für das Plattdeutsche
Von Frank Hethey
Ein neues Gesicht für das Plattdeutsche

Künftig öfter in Bremen: Christianne Nölting, die neue Geschäftsführerin des Länderzentrums für Niederdeutsch.

Frank Thomas Koch

Auf der Insel Fehmarn wurde sie geboren, in Hamburg lebt sie, doch künftig wird sie auch in Bremen präsent sein: Die Journalistin Christianne Nölting übernimmt am 1. März die Geschäftsführung des neuen Länderzentrums für Niederdeutsch (LZN). Das wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Haus der Bürgerschaft bekannt gegeben. Die 52-Jährige hat viele Jahre als Platt-Reporterin beim NDR gearbeitet, danach profilierte sie sich mit dem Lernportal „Plattolio“ auch im Bildungsbereich. Augenscheinlich eine optimale Voraussetzung für die neue Aufgabe: Als Geschäftsführerin des LZN soll Nölting nicht zuletzt dafür sorgen, das Plattdeutsche stärker im Schulunterricht zu verankern. Nicht nur wie bisher vor allem in der Grundschule, sondern auch in den weiterführenden Schulen. „Plattdeutsch bis zum Abitur“ lautet die Zielvorgabe.

Lesen Sie auch

Das Länderzentrum wurde erst im Dezember 2017 von Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein als gemeinnützige Gesellschaft aus der Taufe gehoben. Es folgt dem Institut für niederdeutsche Sprache (INS), das knapp 40 Jahre lang mit Förderung und Erhalt der plattdeutschen Sprache betraut war. Dafür zahlten die vier Nordländer dem INS pro Jahr 271.000 Euro – exakt die gleiche Summe, die jetzt zum LZN umgeleitet wird. Auch am Standort ändert sich nichts, wie schon das INS wird das LZN seinen Sitz in Bremen haben. Das lässt sich das Land weiterhin 80.000 Euro als eine Art Standortzuschlag kosten. Vorerst kommt das LZN in der Kulturbehörde unter, barrierefreie Räumlichkeiten sollen sich aber noch an anderer Stelle finden. Zur Unterstützung von Nölting sollen noch zwei weitere Stellen für wissenschaftliche Mitarbeit und Assistenz geschaffen werden.

Probleme und Unstimmigkeiten

Dass die beteiligten Länder mit der Arbeit des INS nicht zufrieden waren, ließ Annette Schwandner vom niedersächsischen Kultusministerium durchblicken. Es habe „in der Tat Probleme und Unstimmigkeiten“ gegeben, räumte sie ein. Welcher Art die waren, lässt sich anhand der Aufgabenstellung für das LZN erahnen: Schutz, Erhalt und Weiterentwicklung des Plattdeutschen sollen künftig länderübergreifend koordiniert und Verbände, Ehrenamtliche sowie wissenschaftliche Institutionen eng eingebunden werden. Dabei liegt der Fokus auf der praktischen Anwendung und einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit, die durch ein Internetportal mit starkem Servicecharakter flankiert werden soll. Kurz sollen auch die Wege zu den politischen Vertretern in Bund und Ländern sein.

Lesen Sie auch

Als geklärt stellte Schwandner das künftige Verhältnis zwischen LZN und INS dar. Das neue Länderzentrum ist nach ihrer Darstellung nicht etwa als Nachfolgeeinrichtung zu verstehen. Von einer Doppelstruktur könne keine Rede sein, sagte Schwandner. Vielmehr hätten sich die Länder mit dem INS darauf verständigt, die Aufgaben „ein wenig zu teilen“. Im Klartext: Das LZN besorgt das „vernetzende, praktische Geschäft“, während das INS eher den wissenschaftlichen Hintergrund liefert. Sogar eine Kooperation beider Einrichtungen sei angedacht. Auch Plattdeutsch in der Pflege kann sich die neue Geschäftsführerin vorstellen. „Demenzkranke werden ruhiger, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden“, sagte Nölting.

Aufsichtsrat wird noch gebildet

Dem vierköpfigen Aufsichtsrat sitzt Andreas Mackeben von der Bremer Kulturbehörde vor, ein Beirat soll noch gebildet werden. Als Beitrittskandidat für das Länderzentrum gilt Mecklenburg-Vorpommern, auch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen könnten früher oder später mit ins Boot kommen.

Aus ihrer guten Vernetzung macht Christianne Nölting kein Geheimnis. „Die meisten Akteure kenne ich – und die meisten Akteure kennen mich.“ In den nächsten sechs Wochen will die verheiratete Mutter eines Sohnes viel reisen, um sich in ihrer neuen Funktion vorzustellen. „Dann wohne ich nicht mehr nur in Hamburg, sondern auch im Auto.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+