Lohse: Unsere Behörde leistet Beachtliches

Ein offener Brief von Senator Lohse an Willi Lemke

Joachim Lohse, Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, antwortet Willi Lemke, der in seiner wöchentlichen WESER-KURIER-Kolumne forderte, die Hürden beim Bauen in Bremen abzubauen.
05.02.2017, 00:00
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Ein offener Brief von Senator Lohse an Willi Lemke

Willi Lemkke schrieb in seiner WESER-KURIER-Kolumne, dass sich viele Bürger bei Behörden nicht als Kunde, sondern als Bittsteller fühlten.

dpa

Joachim Lohse, Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, antwortet Willi Lemke, der in seiner wöchentlichen WESER-KURIER-Kolumne forderte, die Hürden beim Bauen in Bremen abzubauen.

Lieber Willi Lemke, mit hohem Interesse habe ich Ihre Kolumne am Sonnabend im WESER-KURIER gelesen. Als Anhänger Ihrer sonst so treffsicheren Zeilen bin ich diesmal ins Grübeln gekommen. War der Willi Lemke in den vergangenen Jahren vielleicht doch ein wenig zu oft in der weiten Welt unterwegs? Sind ihm da ein paar wichtige Dinge, die das Bauressort auf die Wege gebracht hat, entgangen? Ich befürchte schon.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der von Ihnen so gescholtenen Behörde leisten Beachtliches. Im Verlauf von fünf Jahren haben wir die Anzahl der Baugenehmigungen verdreifacht und übertreffen damit bei Weitem das politisch vereinbarte Ziel. Auch der starke Zustrom durch Flüchtlinge wurde gemeistert. Aktuell steht der Bau der zusätzlichen Kitas auf der Agenda. Und das alles bei nur geringfügig erhöhter Mitarbeiterzahl.

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Und mal ganz ehrlich, lieber Willi Lemke: Wir arbeiten Bauanträge in Bremen durchschnittlich in 97 Tagen ab – und zwar inklusive zahlreicher mangelhafter Anträge, bei denen wir umfangreich beraten müssen. Darüber hinaus leisten wir den Service der kompletten Behördenabstimmung mit Feuerwehr, Gewerbeaufsicht und wer da noch alles mitredet. Und wir organisieren die Beteiligung der Beiräte, für die allein oft vier Wochen draufgehen.

Meinen Sie denn wirklich, wenn wir vier Wochen schneller arbeiten würden, dann hätten wir jetzt schon ganz viele neue Wohnungen? Die müssen doch auch noch gebaut werden, aber das ist Aufgabe der Bauherren, nicht der Bauverwaltung! Vielleicht ließe sich da noch etwas beschleunigen, denn viele Neubauten brauchen nicht etwa drei Monate, sondern auch schon mal drei Jahre und länger.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bauressorts in Unkenntnis der Fakten zu kritisieren, empfinde ich darum als ziemlich unsportlich. Da stelle ich mich mit allem Nachdruck vor meine Leute, die verantwortungsbewusst nach Recht und Gesetz handeln (wenn Sie andere Gesetze vorschlagen wollen, wenden Sie sich bitte an die Parlamente).

Joachim Lohse (58), Bremens Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, kontert der Kritik von Willi Lemke.

Joachim Lohse (58), Bremens Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, kontert der Kritik von Willi Lemke.

Foto: Frank Thomas Koch

Drei weitere Dinge möchte ich hier nur kurz erwähnen: Seit vier Jahren bauen wir wieder Sozialwohnungen; wir haben drei Wohnraumförderprogramme aufgelegt; und Bauressort und Rathaus haben gemeinsam das Bündnis für Wohnen ins Leben gerufen, in dem wir mit allen Akteuren offen über Fortschritte, aber auch notwendige Verbesserungen diskutieren.

Denn als Bauressort sind wir natürlich immer daran interessiert, noch besser zu werden. Gestatten Sie mir, lieber Willi Lemke, einen konstruktiven Vorschlag: Ich lade Sie hiermit ganz herzlich in das Siemenshochhaus ein. Es wäre mir eine Ehre, mit Ihnen als Senator a.D. – also quasi unter Kollegen – die Abläufe in unserer Stadtplanung und Bauordnung einmal kritisch zu durchleuchten. Und wenn dabei gute Ideen herausspringen, dann gehen wir gemeinsam raus und berichten, wie wir Bremen noch ein Stück lebens- und liebenswerter machen.

Bremer waren immer schon gut darin, diese schöne Stadt auch dort, wo sie spitze ist, weiterhin zu kritisieren – konstruktiv geht anders! Das haben uns die Werderfans erst am letzten Spieltag der vergangenen Saison eindrucksvoll vorgemacht. Da haben die von Ihnen gescholtenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Fenstern des Siemenshochhauses die vermutlich größte Werderraute der Welt angebracht – das war echtes Standortmarketing einer Verwaltung, die mit Herzblut für ihre Stadt lebt. Die Baugenehmigungen wurden übrigens trotzdem fertig.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr Joachim Lohse.

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