Sternenkindergrab

Ein Ort für die Trauer um die Kleinsten

Ein Ort des Gedenkens, der Trauer, des Abschiednehmens und der Erinnerung: Solch einen Ort gibt es nun in Oslebshausen für die Eltern von so genannten „Sternenkindern“.
19.11.2017, 17:22
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Von Anne Gerling
Ein Ort für die Trauer um die Kleinsten

Der Stern in der Mitte der Grabstätte soll für die Kinder stehen, die auf dem Friedhof beerdigt werden.

Frank Thomas Koch

Ein Ort des Gedenkens, der Trauer, des Abschiednehmens und der Erinnerung: Solch einen Ort gibt es nun in Oslebshausen für die Eltern von „Sternenkindern“. So werden Kinder genannt, die mit einem Gewicht von nur wenigen Hundert Gramm in der Schwangerschaft beziehungsweise vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Hinter dem Namen steht der Gedanke, dass diese Kinder im Himmel sind, bevor sie das Licht der Welt erblicken.

Für die Familien eine der schmerzhaftesten Erfahrungen überhaupt. Seit 2001 können tot- oder fehlgeborene Kinder auf dem Huckelrieder Friedhof in einer Sammelbestattung beigesetzt werden. In Blumenthal bietet der Friedhof der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde individuelle Bestattungen an.

Idee existiert seit drei Jahren

Auch die evangelische Kirchengemeinde Gröpelingen und Oslebshausen hat ab sofort für Eltern und Familien einen Ort, an dem sie ihre Kinder begraben, sich angemessen von ihnen verabschieden und um sie trauern können. Am Weltfrühgeborenentag haben die Pastoren Almut Rüter und Holger Staats mit rund 30 Gemeindegliedern nun eine Grabanlage für Sternenkinder eingeweiht. Hier können Eltern kostenfrei und ganz nach ihren persönlichen Wünschen ihre Kinder in einem Tuch oder in einer kleinen Schachtel bestatten.

Es gibt zum einen ein Grabfeld für Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 1000 Gramm bestattet werden. Ein zweites Grabfeld ist für Kinder ab 1000 Gramm gedacht, die vor, während oder bis zu 24 Stunden nach der Geburt sterben. Das Angebot richtet sich dabei ausdrücklich an alle Eltern, unabhängig von Religion oder Gemeindezugehörigkeit, betont Mit-Initiatorin Erika Finke. „Unser Friedhof ist für alle da.“

Die Idee für ein Sternenkindergrab hatte schon vor drei Jahren Rechnungsführerin Monika Hähner in die Gemeinde hineingetragen, die bis Ende 2014 auch für den Friedhof tätig war. Bei einer Ausbildung zur Begleitung trauernder Angehöriger hatte sie Menschen kennengelernt, die sich andernorts um die Bestattung von Sternenkindern und die Begleitung trauernder Eltern kümmerten. „Es hat mich tief beeindruckt, erfahren zu müssen, wie wenige Möglichkeiten zur Trauerbewältigung es gibt“, so Hähner, die beim Friedhofsauschuss der Gemeinde mit ihrem Anliegen sofort auf offene Ohren stieß. Steinmetzin Marion Dittrich gestaltete daraufhin im Auftrag der Gemeinde die Grabstätte: Zwei unterschiedlich hohe Stehlen, die Eltern symbolisieren, tragen einen in Schieflage geratenen Stern, der für ihr totgeborenes Kind stehen soll.

Auf Spenden angewiesen

Die Kosten für die Grabstelle – 7600 Euro, die Pflegekosten nicht eingerechnet – kann der Friedhof aus seinen eigenen Mitteln nicht bestreiten und hofft nun auf Spenden. Das Sternenkindergrab liegt unmittelbar am Gemeindehaus; bewusst hat die Gemeinde einen schönen sonnigen Platz für diesen wichtigen Ort ausgesucht.

Zur Einweihung war auch Pastor Thomas Rothe gekommen, der als Krankenhausseelsorger im Diako tätig ist. „Wir sind oft sehr stark mit den Menschen in Berührung, die hier einen Ort bekommen. Und wir wissen: Das Thema wird oft verschwiegen“, schilderte er. „Einmal im Jahr bin ich bei einer Sammelbestattung in Huckelriede. Dies gehört zu den schwersten Aufgaben und ich wünsche denen viel Kraft, die an dieser Stelle tätig sein werden.“

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