Hannelore Hoffmann pflegt seit 16 Jahren einen ganz besonderen Garten am Hulsberg und hat viele Bewunderer Ein Park verschönt das Supermarktdach

Wenn Kunden des Supermarktes am Hulsberg ihre Einkäufe erledigen, arbeitet über der grauen Decke und allerlei Rohren häufig Hannelore Hoffmann in ihrem Garten. Auf dem Dach des REWE-Marktes erstreckt sich das etwa 1820 Quadratmeter große Reich der Rentnerin, um das sie sich täglich kümmert.
14.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sascha Rühl

Wenn Kunden des Supermarktes am Hulsberg ihre Einkäufe erledigen, arbeitet über der grauen Decke und allerlei Rohren häufig Hannelore Hoffmann in ihrem Garten. Auf dem Dach des REWE-Marktes erstreckt sich das etwa 1820 Quadratmeter große Reich der Rentnerin, um das sie sich täglich kümmert.

Hulsberg. Über der Straße liegt der Garten. Ein kleiner Park. Wer ihn betritt, kommt sich an warmen Sommertagen ein wenig vor wie in Südeuropa. Es ist heiß, im Schatten liegt die große Fläche nur selten. Der Boden ist bedeckt von kleinen grünen Inseln, und wo Lücken sind, ist dunkles Granulat zu erkennen.

Das mediterrane Gefühl mag auch an der Auswahl der Pflanzen liegen. An vielen Stellen blühen Sukkulenten, die auch auf den kanarischen Inseln zu finden sind. "Ich kann hier nur Bäume und Pflanzen anpflanzen, die ein flaches Wurzelwerk haben, sonst wird das Dach beschädigt", erklärt Hannelore Hoffmann. Wenn es heiß ist, muss der Garten jeden Tag bewässert werden. Aber nur bis zur Hälfte des Daches reicht der Gartenschlauch der 74-jährigen Hobbygärtnerin.

Seit 16 Jahren pflegt sie die Fläche auf dem Dach des Supermarktes. "Wenn ich nicht damals angefangen hätte, mich darum zu kümmern, würde hier heute ein Birkenwald stehen", sagt sie. "Überall waren Inseln, wo Bäume wuchsen, davon hat dann ein Gärtner ein paar entfernt, da sie sonst Wurzeln ins Dach geschlagen hätten."

Dabei habe sie damals nie verstanden was ihre Mutter so an ihrem Gemüsegarten begeistert hat, sagt sie. Die Freude am Gärtnern entdeckte sie erst spät. Für den enormen Wasserbedarf bekommt die Rentnerin einmal im Jahr einen Zuschuss in Höhe von 50 Euro vom Hausverwalter. Schließlich erfreuen sich viele Hausbewohner an der ansehnlichen Grünfläche. Die anderen Hausbewohner, Ärzte, Anwälte und ihre Patienten und Klienten spenden auch gerne mal etwas. "Ich werde viel gelobt für meinen Garten. Manche stellen mir dann neue Pflanzen oder Blumenerde an den Zaun, damit ich was daraus machen kann", freut sich Hannelore Hoffmann, die Freude an vielen kleinen Details hat. Was nicht von ihr oder anderen Gartenfreunden auf das Dach gebracht wird, kommt von Zugvögeln, die an ihrem Landeplatz Samen hinterlassen und so für weitere Abwechslung sorgen.

Für die Bewunderer von "Hoffmanns Park", wie Freunde den Dachgarten nennen, gilt: Anschauen, aber nicht anfassen. Unter anderem aus Sicherheitsgründen. Nur Hannelore Hoffmann hat das Recht, über das Dach zu laufen, denn sie muss sich darum kümmern, mehr Personen vertrage die Konstruktion vielleicht nicht. "Das ist mein Reich", sagt die Hulsbergerin stolz. "Zum Erholen gehe ich lieber woanders hin, an die Weser zum Beispiel. Denn fertig ist man in diesem Garten nie."

So mancher Stadtbewohner könnte schon neidisch sein auf den riesigen Garten, der zumindest höhenmäßig viele andere in der Hansestadt übertrumpft. "Diese Größe ist schon etwas Besonderes. Hat ja nicht jeder so einen großen Garten", weiß Hannelore Hoffmann.

So trocken das begrünte und blühende Dach im Sommer ist, so feucht ist es nach starken Regenfällen. "Ich nenne das dann die Mecklenburgische Seenplatte, weil über allem Wasser steht", scherzt die Freizeitgärtnerin. Das Bewässern von Gärten im ersten Stock ist reine Handarbeit, denn es wird sehr viel Wasser verbraucht. Mit einem Sprenkler würde zu viel verlorengehen und außerdem könnten die Fenster der näheren Umgebung dann etwas abbekommen. Die Arbeit stemmt Hannelore Hoffmann trotz allem gerne alleine. Gäbe es mehr Gärtner auf dem Dach, gäbe es ja auch unterschiedliche Meinungen. Außerdem mache es ja viel Spaß.

Im Frühling warte Hannelore Hoffmann sehnsüchtig auf gutes Wetter, um sich wieder betätigen zu können. Sie gucke förmlich die Pflanzen aus der Erde. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht: "Ich werde 75. Ich habe aber drei Enkel und viel frische Luft, das trägt dazu bei, dass ich so fit bin. Wenn es mir zu viel wird, höre ich schon von alleine auf."

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