900 zusätzliche Kita-Plätze

Ein Plan für den Kita-Ausbau

Die Bildungsbehörde will bis Ende des Jahres 900 zusätzliche Kita-Plätze in Bremen schaffen. Das teilte Bildungssenatorin Claudia Bogedan am Montag mit.
12.09.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein Plan für den Kita-Ausbau
Von Kathrin Aldenhoff

Die Bildungsbehörde will bis Ende des Jahres 900 zusätzliche Kita-Plätze in Bremen schaffen. Das teilte Bildungssenatorin Claudia Bogedan am Montag mit.

Mit einem Zehn-Punkte-Plan will die Senatorin für Kinder und Bildung bis zum Jahresende900 zusätzliche Kita-Plätze schaffen. "Wir wollen zügig eine gute Versorgung erreichen", sagte Claudia Bogedan (SPD) am Montag. Einige Maßnahmen wirkten aber auch langfristiger.

"Die Quantität steht im Moment im Vordergrund, es geht uns aber auch um eine qualitative Entwicklung", sagte Bogedan. Den Plan erarbeitete die Bildungsbehörde gemeinsam mit den Kita-Trägern. Zu den 900 Plätzen zählen solche, die ohnehin schon eingeplant waren, solche, die sich verzögert hatten und Zusatzangebote der Träger, die unter anderem mit zusätzlichen Räumen oder Umgruppierungen geschaffen werden.

Hortplätze an Grundschulen

Der Plan sieht zum Beispiel vor, Hortplätze an Grundschulen zu verlagern. Die Gebäude, die dann frei werden, sollen für Kitas genutzt werden. "Das passiert bereits", sagte Behördensprecherin Annette Kemp. Die Projekte, die noch nicht vollendet sind, sollen mithilfe eines "Masterplans" rasch umgesetzt werden.

Um Verfahren zu beschleunigen und schneller Entscheidungen über neue Projekte treffen zu können, wurde ein regelmäßiges Treffen der Staatsräte der Ressorts Kinder und Bildung, Bau, Finanzen sowie der Senatskanzlei geschaffen. Sie sollen die Verfahren vereinheitlichen und straffen.

Projekte müssen ausgeschrieben werden

Ein Punkt betrifft die privaten Investoren: Wenn sie Kitas auf öffentlichen Grundstücken bauen wollen, muss das Projekt ausgeschrieben werden. "Daran kommen wir nicht vorbei", sagte Bogedan. Man wolle aber schnell festlegen, wie die Bedingungen für private Investoren aussehen. Im Moment werde geklärt, ob die Projekte wirklich europaweit ausgeschrieben werden müssen, wie es Arnold Knigge von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen befürchtet.

Derzeit sind Mitarbeiter der Bildungsbehörde und von Immobilien Bremen in der Stadt unterwegs, auf der Suche nach öffentlichen Flächen, die sich für den Neubau einer Kindertagesstätte eignen. Es seien aber auch private Flächen gefragt, sagte Bogedan. Hinweise von Beiräten und Ortsämtern auf geeignete Orte würden geprüft.

Hamburger Gutscheinmodell

Auch an der Vergabe und der Finanzierung von Kita-Plätzen soll sich etwas ändern: In der Vergangenheit wurde diskutiert, ob das Hamburger Gutscheinmodell auch in Bremen angewendet werden kann. Ob das so ist, und wie die Kindertagesbetreuung in Zukunft finanziert und gesteuert werden könnte, soll eine Arbeitsgruppe herausfinden. Sie soll bis Ende des Jahres Empfehlungen vorlegen.

Um im kommenden Kindergartenjahr Eltern und ihren Kindern ausreichend Kita-Plätze anbieten zu können, will die Senatorin ab Januar Container aufstellen lassen. In denen sollen dann übergangsweise Kindertagesstätten eingerichtet werden. Solche Container sollen auf Grundstücken stehen, auf denen der Neubau einer Kita geplant ist – wenn das Gelände groß genug ist – und auf dem Außengelände bereits bestehender Kitas. Außerdem sollen kurzfristig Kita-Plätze geschaffen werden, beispielsweise indem Schulen Klassenräume oder Hausmeisterwohnungen zur Verfügung stellen.

Fachkräftemangel

Doch um Kitas zu betreiben, braucht es nicht nur Gebäude, sondern auch Erzieher. Deswegen sollen in Zukunft mehr sozialpädagogische Fachkräfte ausgebildet werden. Es soll mehr Ausbildungsplätze in Kitas geben und es sollen auch mehr Berufsanwärter berufsbegleitend qualifiziert werden. Ein Fachkräftemangel sei schon zu erkennen, da müsse Bremen dringend nachsteuern, sagte der Geschäftsführer von Kita Bremen, Wolfgang Bahlmann.

Gruppen zu vergrößern, um den Bedarf zu decken, käme für sie derzeit nicht infrage, bekräftigte Bogedan. Darauf habe sie sich vor Wochen festgelegt. Dafür müssten die zehn Maßnahmen aber greifen. Denn wenn Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz einklagten, müsse die Behörde den Anspruch befriedigen.

55 neue Kitas

Seit der vergangenen Woche wisse man aus den aktuellen Bevölkerungsberechnungen des Statistischen Landesamtes, dass die 32 neuen Kitas bis 2020, die bei der ersten Ausbauplanung im Jahr 2014 angesetzt wurden, nicht ausreichen – es braucht weitere 23 Kitas. "Wir müssen die Planung im Prinzip verdoppeln", sagte Bogedan. Man plane nun, 55 neue Kitas mit etwa sechs bis sieben Gruppen in den kommenden drei Jahren zu bauen.

Das sei "eine enorme Kraftanstrengung". Nur so könne man die eigene Zielvorgabe von einer Betreuungsquote von 50 Prozent bei Unter-Dreijährigen und von 98 Prozent bei Über-Dreijährigen einhalten. In manchen Stadtteilen liege der Bedarf deutlich höher als in anderen, zum Beispiel in Obervieland, Burglesum, Gröpelingen und Oberneuland.

Angebote werden geprüft

Zehn dieser 23 Kitas, die zusätzlich bis 2020 gebaut werden müssen, sollen von Immobilien Bremen gebaut und von Kita Bremen betrieben werden. Bei den anderen Neubauten setzt die Behörde auf private Bauherrn und freie Träger – so wie im Fall der Kita in Tenever, die vom Bauunternehmer Klaus Hübotter gebaut wird. Weitere Angebote von freien Trägern und privaten Investoren würden im Moment geprüft.

Um den Kita-Ausbau voranzubringen, werden Mitarbeiter aus anderen Abteilungen der Behörde abgezogen, kündigte Claudia Bogedan an: "damit wir schnell Verfahren anstoßen und zügig mit dem Bau beginnen können". Sie betonte: "Der Kita-Ausbau hat höchste Priorität." Wie viel das alles kostet, ist noch nicht klar. "Wir können das noch nicht beziffern. Aber es ist klar, wir müssen diesen Rechtsanspruch erfüllen", sagte Bogedan. "Der Senat muss Mittel und Wege finden, die Finanzierung sicherzustellen."

Zum Start des Kindergartenjahres am 1. August fehlten rund 650 Kita-Plätze. Wie viele es im Moment sind, kann die Bildungsbehörde nicht sagen. Die Zahl ändere sich jeden Tag, sagte Bogedan: weil zwar immer wieder neue Plätze entstehen, sich aber auch immer wieder neue Eltern bei der Bildungsbehörde melden.

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