Restaurantbesprechung Ein schöner Panoramablick ist nicht alles

Das Restaurant Blixx besticht durch einen einzigartigen Ausblick. Das Essen kann damit jedoch nicht ganz mithalten.
19.12.2018, 20:22
Lesedauer: 3 Min
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Ein schöner Panoramablick ist nicht alles
Von Marcel Auermann

Cocktails trinken oder fein essen gehen über den Dächern der Stadt – ein Konzept feiert sein Comeback. Das zeigen die Pläne für den Lloydhof. Dort soll es nach den Umbaumaßnahmen eine Skybar geben. Was den Reiz dieser Gastronomieidee ausmacht, lässt sich schon jetzt im Deck 20 im obersten Stockwerk des Landmark-Towers sehen, wo der Gast den Blick über die Überseestadt und noch weiter hat. Etwas weniger opulent, aber dennoch reizvoll ist die Aussicht auf dem Dach des Atlantic Grand Hotels, wenn immer im Sommer The Grand Terrace eröffnet.

Im achten Stock des Restaurants Blixx erhielten wir ein Panorama, das genial ist. Wir stiegen aus dem Fahrstuhl, gingen in den Gastraum und der Flughafen mit seinem Rollfeld und den Lichterbahnen lag uns zu Füßen. Wir konnten den Fliegern beim Starten und Landen zuschauen. Das gibt es sonst nur auf der Besucherterrasse. Der Ausblick fesselte uns nun aber nicht dermaßen, dass uns nicht einige Dinge ins Auge gestochen wären, die nicht so tadellos liefen.

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Schon beim Herantreten an den gedeckten Tisch fiel mir das Weinglas auf. Rund zehn milchige Spritzer ließen den Eindruck entstehen, es sei gar nicht gespült worden. Ich war gespannt, ob das im Laufe des Abends noch korrigiert werden würde. Und kurz bevor die Kellnerin den vollmundigen Merlot aus Südafrika (0,2 Liter für 5,50 Euro) einkippen wollte, hörte ich den erlösenden Satz: „Ich glaube, ich hole mal ein frisches Glas.“ Zu dieser Zeit hatten wir allerdings schon den nächsten Mangel entdeckt. Als meine Begleitung beim Hinsetzen den Stuhl zu sich heranschob, bemerkte sie einen Kaugummi an der Unterseite kleben.

Zu wenig Steinpilz

Der Appetitanreger (Brot mit einer etwas trockenen Linsen-Currypaste) lenkte uns ab, ehe die Vorspeisen kamen. Mein Gegenüber wählte die Kartoffel-Steinpilzsuppe (6,80 Euro), die eine cremige Konsistenz und eine feine hellgelbe Farbe besaß. Allerdings kam der Steinpilzgeschmack zu kurz und es hätte mehr Würze sein dürfen. Ähnlich verhielt es sich mit meinem Fischtopf (8,90 Euro), den ich vorweg aß.

Die Karte versprach einen Safransud, der mir allerdings zu leise gewürzt war. Bei einem Sud erwarte ich eine kraftvolle Essenz. Nichts zu meckern gab es bei der Einlage. Eine ordentliche Portion an unterschiedlichen Fischen und Meeresfrüchten lag in dem tiefen Teller. Laut Speisekarte hätte ich auch noch ein geröstetes Landbrot erhalten sollen. Das blieb aber irgendwo zwischen Küche und Tisch stecken und tauchte auch den kompletten Abend über nicht auf.

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Maishuhn-Roulade mit Morcheljus, Kartoffelbaumkuchen und Rote Bete (25,50 Euro) – das hörte sich sehr gut an. Meine Begleitung wartete gespannt auf den Hauptgang. Die Roulade stellte sich aber als äußerst trocken heraus, was die feste und mehlige Konsistenz des Kartoffelbaumkuchens noch verstärkte. Aufgrund dieser Zusammensetzung gab es viel zu wenig Morcheljus.

Zu sehr auf den Eigengeschmack verlassen

Und die Rote-Bete-Kleckse waren dafür nicht gedacht. Mal davon abgesehen, dass die Rote Bete kaum gewürzt war und sich der Koch zu sehr auf den Eigengeschmack verließ. Mein Birne-Bohnen-Speck vom Lamm (22,50 Euro) stach durch eine intensive Soße hervor, was mir sehr gut gefiel. Der Eintopf mit den Kartoffeln in Nussbutter gelang der Küche wirklich gut. Allerdings geriet dem Koch auch hier das Fleisch deutlich zu trocken. Zudem war das Lamm sehr faserig, dass es fast wie Tafelspitz wirkte.

Deutlich angetaner waren wir vom Nachtisch. Allerdings mussten wir beim Bestellen auch hier erst einen Dämpfer hinnehmen. Um 21.50 Uhr teilte uns die freundliche Kellnerin mit, dass die Küche nicht mehr alle Desserts anbietet. Obwohl das Blixx an diesem Abend bis 23 Uhr geöffnet hatte und keine speziellen, kürzeren Küchenzeiten kommuniziert werden.

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Nun, meine Begleitung entschied sich für einen schmackhaften lauwarmen Apfelstrudel (7,50 Euro), der mit winterlichen, weihnachtlichen Gewürzen angereichert war. Dazu lag auf dem großen rechteckigen Teller eine Kugel Walnusseis. Ich aß ein Bourdalou von der Birne (6 Euro). Das ist ein Törtchen, das der Tarte ähnelt. Und das war eindeutig der Höhepunkt des Abends. Es besaß einen schönen Vanillegeschmack, der Teig hatte einen zarten Schmelz und ich schmeckte die Butter heraus. Kurzum: Es war so toll, dass es einfach zu klein war. Die Kugel des cremigen Joghurteis unterstütze diesen feinen Geschmack. Was für ein Abschluss!


Fazit: Das Restaurant Blixx besticht mit einer Aussicht, die es sonst nur auf der Besucherterrasse des Flughafens gibt. Die Leistung der Küche lässt allerdings an einigen Punkten zu wünschen übrig.


Blixx, Flughafenallee 26, 28199 Bremen, Telefon: 0421/557 14 44, Öffnungszeit: Montag bis Freitag von 18 bis 23 Uhr, Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen von 18 bis 22.30 Uhr barrierefrei, Internet: www.restaurant-blixx.de

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