Flohmarkt Schaulust Ein Schuhspanner als Entenkopf

Für Theaterverrückte oder Laienspielgruppen genau das Richtige: Beim Requisitenflohmarkt des Theaters Schaulust konnte man nach Herzenslust stöbern.
22.01.2019, 16:15
Lesedauer: 2 Min
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Von EDWIN PLATT

Alles muss raus – hieß es am Sonnabend beim Flohmarkt des Theaters Schaulust. Schaulust-Vereinschef Stefan Berthold steht hinter Kuriosem und sagt: „Zwei Drittel sind von der Schaulust, ein Drittel von Theaterkollegen.“ Vor drei Jahren gab es bereits einmal einen Flohmarkt der Schaulust, der gut angenommen wurde. „Jetzt waren die Lager voll und im Kalender war ein Wochenende frei“, erklärt Berthold, wie es zum Flohmarkt hinter Tor 48 des Güterbahnhofgeländes kam. Die Schaulust und Berthold hatten den Flohmarkt auf Facebook angekündigt und aufgrund der enormen Clickzahl von über 2000 Interessierten auf weitere Werbung verzichtet.

Kurz nach der Öffnung von Tor 48 ist der als Theater-, Kleinkunst- und Musikbühne nutzbare Raum gut gefüllt und erste Koffer, vielleicht 100 Jahre alt, werden rausgeschleppt. „Nein, die Bühnenscheinwerfer sind noch nicht da, dazu komm ich erst in einer Stunde“, erklärt Berthold einem gezielt Suchenden. Da hier und gegenüber auf dem Güterbahnhofsgelände mehrere Lager der Schaulust sind, entfällt das Anfahren der Requisiten für diesen Verkaufstermin.

Obszönes und Skurriles

Alles querbeet kommt hier an den Mann und die Frau, das Kind und die Oma, ohne Konzept und ohne Zuordnung zu Bühnenstücken, die nicht mehr ins Programm kommen. Figurentheater, Obszönes, Skurriles, Technik, natürlich Kostüme, alles ist hier zu finden. Ein Schuhspanner, angemalt wie ein Entenkopf kann den Schnabel öffnen, eine alte Kaffeekanne umgedreht trägt über der Tülle als Nase eine Sonnenbrille, ein dekoratives Vogelfutterhaus mit Dach aus Zweigen, Paul der Maulwurf als Handpuppe aus einem Kinderprogramm und der Sturm als Handpuppe für Shakespeares gleichnamiges Stück, ein großer chinesischer Sonnenschirm, besonders für Frauen auffällige Schals in mutigen Farben, Gürtel mit fetten Schnallen und Hüte von klein und spitz mit Schleier bis ausladend groß und üppig dekoriert, hier gibt es großartig Kurioses und Dekoratives dicht nebeneinander, wonach man auf normalen Flohmärkten Stück für Stück länger suchen muss.

„Bei Erfolg soll jährlich ein Flohmarkt stattfinden“, sagt Stefan Berthold für die Schaulust. Doch mit Erfolg ist bei diesem besonderen Flohmarkt nicht der Ertrag in Euro gemeint, sondern eher die Zahl des Publikums und deren Zufriedenheit. Und die lioegt auf der Hand. Es dauert, bis ein Kaffee über den Tresen geht, bis sich ein Besucher auf die Klappstühle in der Mitte der Stände setzt, zu vieles fesselt den Blick, lässt neugierig weiter stöbern. Schauen mit Lust bietet die Schaulust mit ihrem besonderen Flohmarkt und eine Fundstätte für Freunde des Besonderen ebenso wie für Laientheatergruppen bei der Requisitensuche. Nicht alles ist schön, nicht alles ist heil, vieles ist besonders.

Schon entstehen Lücken in den Auslagen und noch stehen vier der fünf Stunden Flohmarktzeit bevor. Gleich will Berthold die Bühnenscheinwerfer holen, wenn er denn mal vom Stand wegkommt. Doch das dauert, die Besucher geben ihm keine Atempause.

Weitere Informationen

Theater Schaulust, Beim Handelsmuseum 9, der nächste Termin: an diesem Donnerstag, 24. Januar, 14 und 20 Uhr, Bühne Cipolla – Der Untergang des Hauses Usher, Figurentheater für Erwachsene mit Livemusik nach Edgar Allan Poe.

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