Stadtspaziergang um den Stadtwaldsee

Unter Bäumen immer nah am Wasser

In den 1970er Jahren entstand der Stadtwaldsee - auch Unisee genannt - beim Ausbau der A 27 und dem Bau der Bremer Universität. Ein Rundgang.
03.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Unter Bäumen immer nah am Wasser

Rund eine Stunde dauert der Spaziergang um den Stadtwaldsee, an dessen Ufern die Natur ihr Grün in vielen Facetten zeigt.

Petra Stubbe

Ein silberner Glanz liegt auf dem See, wenn sich große Wolken in ihm spiegeln. Bei klarem Himmel verwandelt er sich in leuchtendes Hellblau, doch an den Ufern schimmert er stets in Grün. Denn der Stadtwaldsee, wegen seiner Nähe zur Universität umgangssprachlich auch Unisee genannt, ist ringsherum von Bäumen eingefasst. Sie geben an den Ufern den Farbton vor: kühles Pfefferminzgrün oder Flaschengrün oder auch warmes Grün wie von Moosen oder Gräsern.

Der Stadtwaldsee entstand in den 1970er-Jahren beim Ausbau der Autobahn A 27 und dem Bau der Universität. Am Nordostufer grenzt das Naturschutzgebiet Uni-Wildnis an den See, westlich ein Campingplatz und im Süden der großflächige Stadtwald. Während der östliche Teil als Liegewiese mit FKK-Strand dient, wird der westliche Teil von Surfern, neuerdings vor allem auch von Steh-Paddlern, genutzt.

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Dieser Spaziergang, der gut eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt, führt einmal um den Stadtwaldsee herum – durch viel Grün mit Wildnis am Rande, meist im Schatten von Bäumen, vor allem aber mit stetem Blick auf den See. Bei wenig Wind jagen viele Libellen im Schutz der Büsche. Auf dem Wasser sieht man jedoch wegen des Erholungs- und Freizeitbetriebs außer Lachmöwen meist nur Stockenten, die sich häufig mit weißen Hausenten vermischt haben. Nur wenn es ruhiger zugeht, schwimmt auch mal ein Haubentaucher auf dem Wasser. Doch richtig still wird es im Sommer selten an diesem See, und auch die nahe Autobahn ist als Hintergrundrauschen ständig zu hören.

Am westlichen Ende des Sees gelegenen Parkplatz stellt der Bremer Windsurfing Club auf seinem Vereinsgelände Bretter zur Verfügung und bietet Training an. Am Ufer (1) werden die Boards, Surfbretter und Kanus ins Wasser gelassen. Dort startet der Spaziergang auf einem zunächst gepflasterten Weg, der bald nahe an der Kleinen Wümme entlang verläuft.

Stadtspaziergang Unisee

Nur die Lachmöwe lässt sich am Strand sehen, wenn dort viel Trubel herrscht.

Foto: Petra Stubbe

Wie eine weiße Rakete

Schon an der Einsatzstelle für Windsurfer, Paddelbootfahrer und Segler zeigt ein Rundblick den See im Ganzen: Der Fallturm steht wie eine weiße Rakete mit grauer Spitze in der Ferne. Die Kronen der oft dicht stehenden Bäume legen einen grünen Saum rund um den See.

Gleich zu Beginn des Wegs steht eine der vielen Silberweiden, die an der silbrigen Blattunterseite und der lanzettlichen Form der Blätter leicht zu erkennen sind. Sie bilden die typische Pionierbaumart in Überflutungsgebieten, säumen aber auch viele Boden-Entnahmestellen im Bremer Raum. Wer entlang der Seeufer blickt, sieht zahlreiche weitere Silberweiden, die aus der Ferne grauweißen Quellwolken gleichen.

Der Spaziergang führt an einem kleinen Wildnisbereich (2) entlang, in dem die Brennnesseln besonders hoch werden. Zwei weiß blühende Doldengewächse streben hier und da noch etwas weiter in die Höhe: der Wiesenkerbel und der Wiesen-Bärenklau, überragt nur von den rosa blühenden Sumpf-Kratzdisteln.

Stadtspaziergang Unisee

Die Pappel mit ihrem mächtigen Stamm spendet den Spaziergängern Schatten.

Foto: Petra Stubbe

Stadtwald typisch

Wo der Weg die erste Kurve bildet, geht es an einem kleinen Eichen-Buchen-Wald (3) vorbei, wie er für den Stadtwald typisch ist. Wie ein Mantel umgibt niedrigwüchsiger Spitz-Ahorn die Bäume. Der Weg verläuft ein gutes Stück weit im Schatten hoch aufragender Eichen, Ahorne und Buchen; die Ufer säumen die allgegenwärtigen Brennnesseln, zwischen denen manchmal die Blüte des Hecken-Kälberkropfs versteckt ist, einem weiß blühenden Doldenblütler. Zur Rechten führt eine Brücke über die Kleine Wümme (4) in den Stadtwald. An dieser Stelle wächst in Mengen Roter Hartriegel, und in der Krautschicht blüht derzeit das Kleinblütige Springkraut, ein „Neubürger“ aus Zentralasien, der sich in Bremen in allen Laub-und Mischwäldern ausgebreitet hat.

Nach einem Stück Wanderung auf der Straße folgt offenes Gelände mit Rasen, der an einem schmalen Sandstrand endet. Der Weg führt nun im Schatten der Pappeln – mit mächtigen grau-silbernen Stämmen – auf dem leicht erhöhten Sandweg entlang oder auch nah am Ufer im Sonnenlicht. In Richtung Norden sind die rotierenden Propeller von drei Windkraftanlagen zu sehen.

Stadtspaziergang Unisee

Das Zottige Weidenröschen wächst zerstreut im Saum von Weidengebüsch.

Foto: Petra Stubbe

Ein gewisser Salzgehalt

Nahe am Seeufer steht ein Röhricht (5) wie man es eigentlich von der Wesermündung kennt: Die Gewöhnliche Strandsimse mit ihren länglich-eiförmigen, braunen Blüten ist ein deutlicher Hinweis, dass auch der Unisee einen gewissen Salzgehalt zeigt. Den Boden bedecken unzählige Exemplare des Acker-­Vogelknöterichs.

Man muss schon genau hinschauen, um die eher unscheinbar wirkenden weißen Blüten nah am Stängel zu sehen, die keinerlei Nektar abgeben. Dass sie dort wächst, zeigt: Dieser Pflanze macht der intensive Vertritt durch die vielen Kinder und Erwachsene an diesem Strandabschnitt nichts aus.

Der weitere Weg um den See herum führt an einem abgegrenzten Nichtschwimmerbereich (6) mit Metallrutsche und Schaukeln vorbei, und es geht um den FKK-Bereich (7) herum, an dessen Ufer sich ein längeres Band aus Schilf erstreckt. Ein breiter Graben trennt den Weg von der Uni-Wildnis, in der Birken dominieren und die in diesen Bereich des Stadtwaldsees hineinragen. Es geht am Campingplatz (8) vorbei, den ein hoher Zaun abgrenzt und den Rest des Weges durch einen wesentlich ruhigeren Abschnitt: Vom Trubel an den sandigen Stränden ist auf einmal fast nichts mehr zu spüren. Die Ruhe breitet sich wohltuend aus.

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