Großes Festival in Blumenthal Ein Stadtteil, eine Utopie

"Auswärtsspiel: Blumenthal" - unter diesem Motto gibt es bei einem Projekt des Theaters Bremen an den beiden kommenden Wochenenden Theateraufführungen, Ausstellungen, Diskurse und vieles mehr in dem Stadtteil.
02.06.2016, 00:00
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"Auswärtsspiel: Blumenthal" - unter diesem Motto gibt es bei einem Projekt des Theaters Bremen an den beiden kommenden Wochenenden Theateraufführungen, Ausstellungen, Diskurse und vieles mehr in dem nördlichsten Bremer Stadtteil.

Die Frage und die Idee, Bremens nördlichsten Stadtteil zu bespielen, münden an den beiden kommenden Wochenenden in ein Festival mit unterschiedlichsten kulturellen Angeboten. Zu sehen und erleben sind beim „Auswärtsspiel: Blumenthal“ Theaterproduktionen, Performances, Ausstellungen und Filme, sogenannte Bloomtag-Walks, Diskurse, Straßenmusik, Koch-Kultur und mehr.

Visionen für Leerstände

Das Projekt will Leerstände im Zentrum mit Visionen füllen, will Orte der Begegnungen schaffen und für Austausch unter den Menschen sorgen – und das jeweils freitags bis sonntags, vom 3. bis 5. Juni und vom 10. bis 12. Juni, täglich von 14 bis etwa 22 Uhr. Festivalzentrum ist das Rathaus. Hier erhalten Besucher Informationen zum Programm und können Eintrittskarten zu verschiedenen Programmpunkten wie den Aufführungen des Theater Bremen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bremer Woll-Kämmerei kaufen. In über 30 Räumen vom Dachboden bis zum Keller erwartet die Besucher ein vielfältiges kulturelles Angebot mit Filmen, Videoinstallationen, Ausstellungen und Performances. Und von hier aus starten auch die sogenannten Bloomtag-Walks.

Bloomtag-Walks

Teil der Bloomtag-Walks ist auch „Fleurovalley: Homezone 2016“. 30 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 21 Jahren – überwiegend aus Blumenthal – wollen gemeinsam mit einem Team von Künstlern mit Theater, Performance, Tanz und Installation leere Ladenlokale, verlassene Wohnungen und die Straße erobern. Antworten auf Fragen wie „Was braucht unser Zusammenleben?“ und „Wie wollen wir wohnen?“ haben sie mit ihren Ideen und Wünschen verwoben. Es handelt sich um ein Projekt in Kooperation mit der Oberschule In den Sandwehen, der Oberschule an der Lehmhorster Straße, dem Verein Pfau und dem Jugendfreizeitheim Farge.

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Mit „Dystopie/Utopie“ sind drei weitere Projekte des Festivals überschrieben. „Nationalstraße“ widmet sich dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš. Darin macht er einen Helden der Straße von vor 30 Jahren, der gemeinsam mit anderen im friedlichen Kampf um Freiheit und Bürgerrechte das kommunistische Regime bezwungen hat, zu einem Sprücheklopfer am Tresen von heute. Gezeigt wird „Nationalstraße“ am 3., 4., 5. und 11. Juni, jeweils um 15 Uhr, in der Kneipe Mix-it, Mühlenstraße 39.

Dem Regisseur Frank Abt geht es in seinem Projekt unter anderem um die Frage nach der Notwendigkeit eines Anführers im Kampf für Gerechtigkeit – so wie es der Legende nach einst Robin Hood gewesen ist. Drei Schauspielerinnen präsentieren die abenteuerliche Geschichte für große und kleine Besucher am 3., 4., 10. und 11 Juni jeweils um 15 Uhr im Seniorenzentrum Haus Flethe, Kapitän-Dallmann-Straße 24.

Gemeinsam mit dem Tänzer Antonio Stella widmet sich Numan Jadallah unter dem Titel „Von hier an“ dem Thema Inspiration choreografisch. Dabei verfolgt er den Weg des Gedankens bis zur ersten Bewegung des Muskels: am 10 und 12. Juni jeweils um 15 Uhr im ehemaligen Drogeriemarkt Rossmann, Mühlenstraße 12.

Schnelle und langsame Mode

Ein Diskurs-Programm bieten die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen und das Theater Bremen täglich im ehemaligen Ortsamt, Landrat-Christians-Straße 107. Dabei verschreibt sich der Diskurs des „Auswärtsspiels“ dem Gedanken, dass die Utopie der Aufforderung zum Handeln vorausgeht. Wissenschaftliche Beiträge aus den Bereichen Musik, Literatur, Geschichte, Kunst und Film wollen der Frage nachgehen, wie und ob die Utopie die Lebenswirklichkeit von Menschen verändern kann. Den Auftakt macht am 3. Juni um 15 Uhr das Biz – Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung mit seinem Beitrag „Fast Fashion – Slow Fashion“.

Am 4. Juni um 14.15 Uhr folgt der Film „Wir können auch anders“. Für den 5. Juni um 16 Uhr ist unter dem Titel „Real Utopias – Utopie in der Architektur“ das „Raumlaborberlin“ angefragt. Sina Farzin referiert am 10. Juni um 15 Uhr zum Thema „Utopie und Dystopie in der Literatur“. Oliver Behnecke und Peter Roloff stellen am 11. Juni um 15 Uhr zwei Filme vor, die Bremerinnen und Bremer nach ihren persönlichen Utopien befragen. Das Diskurs-Programm schließt am 12. Juni um 15 Uhr mit „Utopie und Musik“. Zu Gast ist Klaus Wiegmann von der Elbphilharmonie Hamburg.

„Bartleby, der Schreiber“ ist eine Erzählung von Hermann Melville. Die Geschichte handelt von einem älteren Anwalt, der einen Kopisten einstellt, um seine Mitarbeiter zu entlasten. Der Euphorie folgt allerdings alsbald Ernüchterung. Bartleby will nicht mehr bei der Prüfung von Abschriften helfen. Auch seine Kündigung ignoriert er. Frage: Ist Weigerung ein subversiver Akt? Der Lesung mit Schauspieler Thomas Sarbacher und dem Konzert mit dem Cellisten Stephan Schrader am 3. Juni um 19.30 Uhr im ehemaligen Drogeriemarkt Rossmann, Mühlenstraße 12, folgt ein Gespräch mit Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.

Täglich Musik

Musikalisch geht es täglich auf dem Marktplatz zu: am 3. Juni um 21.30 Uhr mit dem Bürgerchor des Theaters Bremen, am 4. Juni um 21 Uhr mit Bands der Jugendfreizeitheime Lüssum und Farge, am 5. Juni um 19.30 Uhr mit Milonga mit dem Salon del Norte (Tangokurs um 21.15 Uhr), am 10. Juni um 21.30 Uhr mit dem Schifferchor Rekum und dem Schulschiff-Deutschland-Chor, am 11. Juni um 21.30 Uhr mit der Deutsch-Rock-Band „Crossfire“ und am 12. Juni um 18.30 Uhr mit dem Piet Gorecki Jazz-Ensemble und Songwriter Till Simon.

Und auch Filme – eine Kooperation des Kinos City 46 und des Theaters Bremen – werden geboten, und zwar täglich im Festival-Zentrum: das Kurzfilmprogramm „Walk in/out“ von 14 bis 19.30 Uhr (Das Programm läuft im Loop.) und „Der Zauberer von Oz“ um 15 Uhr, eine Hollywood-Produktion aus dem Jahr 1939 mit Judy Garland in der Hauptrolle.

Einer der Schwerpunkte des Festivals sind die „Auswärtsspiele“ des Theaters Bremen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bremer Woll-Kämmerei, täglich um 19.30 Uhr. Zu sehen ist am 3. Juni „Istanbul“. Auf Deutsch wird von der Lebenssituation der Auswanderer erzählt und auf Türkisch die Sehnsucht nach Glück und Heimat besungen. Im Zentrum dabei stehen die Lieder von Aksu, „der Königin des türkischen Pop“, wie es dazu heißt.

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„Mowgli“ ist ein Musiktheater nach Motiven des Dschungelbuchs, präsentiert am 4. Juni mit Opernsänger Patrick Zielke. Tanz bietet das Stück „The Maidenhair Tree & The Silver Apricot“ am 5. Juni. Ein Tanztheater-Stück, das sich mit den Themen Hierarchien, Verwicklungen und der Unentrinnbarkeit familiärer Bande beschäftigt. „Szenen einer Ehe“ nach dem Film von Ingmar Bergmann folgt am 10. Juni und „Jetzt musst du springen“, ein Abend mit Liedern der Band „Element of Crime“, am 11. Juni.

40 Kooperationspartner

Im Verbund der am Festival beteiligten 40 Kooperationspartner ist auch die gemeinnützige Gesellschaft Quartier. In Kooperation mit dem Theater Bremen zeigt sie das Musiktheater „Wegwandel“. Dabei suchen unter der Leitung von Regisseurin Friederike Blum 70 junge Menschen nach Darstellungsformen und Wegen, Streit zu verstehen und damit umzugehen, um ihn möglichst ganz zu vermeiden. Aufführungsort am 10. Juni um 15 und 17 Uhr sowie am 11. Juni um 17 und 19.30 Uhr ist das ehemalige Sortiergebäude der Bremer Woll-Kämmerei.

Dort – am 10., 11. und 12. Juni jeweils um 14, 15, 16 und 17 Uhr – präsentiert Quartier auch die Produktion „Das Kabinett der Calusyphia“. Mit der Künstlergruppe „Dreiprozentextra“ haben 20 Blumenthaler Schüler Räume verwandelt und laden ein zu einem Besuch ihrer außergewöhnlichen Welten.

Verweilen bei Kaffee und Kuchen lässt sich ebenfalls: im „Nunatak – Kultur-Ideen-Raum“ in der Kapitän-Dallmann-Straße 2. Kulinarisch geht es auch bei der Koch-Kultur zu, täglich um 18 Uhr auf dem Marktplatz. Das Theater Bremen möchte den Ort als Treffpunkt und Klönort wiederbeleben. In einer Jurte sind alle aus dem Stadtteil beim täglichen gemeinsamen Essen willkommen. Die Gerichte sind aus biologischer Erzeugung, fairem Handel und vegetarisch.

Integriert in das Festival ist auch der zweite Blumenthaler Kindertag am 5. Juni von 14 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz mit zahlreichen Aktionen und einem bunten Bühnenprogramm. Offiziell eröffnet wird das Festival am Freitag, 3. Juni, um 16 Uhr von Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz im alten Ortsamt.

Das komplette Programm von „Auswärtsspiel: Blumenthal“ steht im Internet auf www.theaterbremen.de/auswaertsspiel.

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