Studierendenwohnheim in Huckelriede

Ein Stockwerk weniger

„Kein hoher Turm in Huckelriede“ ist der Slogan einer Bürgerinitiative, die gegen die geplante Höhe eines Studierendenwohnheims protestiert. Nun gehen die Planer einen Schritt auf die Anwohner zu.
02.02.2020, 21:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Ein Stockwerk weniger

Der Bau eines Studierendenwohnheims am Niedersachsendamm hat viele Proteste ausgelöst. Nun konnte eine darauf gegründete Bürgerinitative einige ihrer Forderungen durchsetzen.

Jost Hauer

Es ist ein Teilerfolg für die Bürgerinitiative „Pro Huckelriede“: Das geplante Studierendenwohnheim am Niedersachsendamm soll nun niedriger gebaut werden als ursprünglich geplant. Anstatt sieben Geschosse für die höchste Stelle stehen nur noch sechs im aktuellen Entwurf. Damit wäre das Wohnheim etwas niedriger als das gegenüberliegende Quartierszentrum am Niedersachsendamm.

Dies hat Christoph Schulte im Rodde von der Wissenschaftsbehörde am Donnerstagabend vor dem Fachausschuss „Sozialökologische Stadtentwicklung“ des Neustädter Beirates bekannt gegeben. Die Bürgerinitiative hatte seit einem Jahr gegen einen „hohen Turm“ an dieser Stelle protestiert und gefordert, maximal drei Stockwerke in die Höhe zu bauen.

Bäume sollen soweit es geht erhalten bleiben

Auch in weiteren Punkten sind die Planer den Forderungen der Bürgerinitiative sowie des Beirates entgegengekommen. So wurde auch der hintere Teil des Gebäudes ebenfalls um ein Stockwerk auf nun drei Geschosse plus Sockelgeschoss für Stellplätze und Technik eingekürzt. Außerdem haben die Planer zusätzlich den Wunsch aus der Umweltbehörde berücksichtigt, möglichst viele Bäume am Rand des Areals zu erhalten. Dafür hätte allerdings der Baukörper zusätzlich noch im Süden und Westen etwas zurückgenommen werden müssen, erklärte die Hochschulprofessorin und Architektin Ulrike Mansfeld vom Büro Mikropolis.

„Wegen der Umplanungen können wir nur noch 182 statt 198 Wohneinheiten unterbringen“, sagte Schulte im Rodde. Doch gestrichen worden seien nur Arbeitsräume sowie Wohnräume für Nichtstudierende, „sodass wir unser Ziel, dort ausreichend Raum für Studierende zu schaffen, immer noch erfüllen“, zeigte sich Schulte im Rodde zufrieden.

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Enttäuscht reagierten Ausschussmitglieder und Bürger auf die Nachricht, dass die mit Spannung erwartete Untersuchung, inwieweit der Neubau Auswirkungen auf den Verkehr haben wird, noch nicht vorliege. Die Ergebnisse würden aber zur nächsten Einwohnerversammlung vorgestellt, hieß es seitens der Planer. Der Termin ist allerdings noch ­unklar.

Ob die nun geplanten 18 statt 16 Stellplätze für Autos auf dem Grundstück ausreichen würden, darüber gingen die Meinungen von Nachbarn und Fachleuten weiterhin auseinander. Einige Anwohner fürchten, die ohnehin bereits angespannte Parksituation an der Werderhöhe werde sich weiter verschärfen. Schulte im Rodde hingegen zeigte sich überzeugt, „dass wir sogar zu viele Stellplätze bauen werden“. Denn Zählungen des Studierendenwerkes Bremen hätten offenbart, dass etwa nur jeder zehnte Wohnheimbewohner tatsächlich einen Stellplatz nutze.

Alternativ könnten sich die Studierenden problemlos mit dem Fahrrad oder mit Bussen und Straßenbahnen fortbewegen, die mit dem günstigen Semesterticket genutzt werden dürfen, zählte der Behördenmitarbeiter auf. Außerdem gebe es in der Umgebung Carsharing-Angebote, auch Leihräder der Hochschule Bremen stünden täglich vor dem Wohnheim bereit.

Hochwertige Bäume vor dem Wohnheim

Gut gefiel der Bürgerinitiative und den Anwohnern der Vorschlag, die ohnehin bald abgängige Pappelreihe im Norden des Grundstücks zu ersetzen durch hochwertige Bäume vor dem Wohnheim. „Das macht für uns Sinn, weil das weniger Schatten bedeutet. Das begrüßen wir sehr“, sagt Oda von Meding von der Bürgerinitiative „Pro Huckelriede“.

Den Wunsch der Bürgerinitiative nach Beteiligung nehme die Wissenschaftsbehörde sehr ernst, betonte Schulte im Rodde: „Unser eigner Anspruch ist, sehr transparent unterwegs zu sein und Kompromisse zu finden.“ Als Beweis dafür führte er nicht nur die vorgeschlagenen Änderungen an, sondern auch Gespräche mit den Bürgern, die mit der ehemaligen Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) und später auch mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte bereits stattgefunden hätten.

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„Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel“, kommentierte Ausschusssprecher Jens Oppermann (SPD) die überarbeiteten Pläne. Er begrüße, dass auf die Bürger zugegangen worden sei, „aber mein Eindruck ist, dass die Menschen in Huckelriede sich noch etwas anderes wünschen“, so der Sozialdemokrat. Das betreffe zum einen die ohnehin schon angespannte verkehrliche Situation in Huckelriede. „Kein Bauprojekt darf losgelöst von einem Verkehrskonzept für Huckelriede betrachtet werden, darauf sollten wir bestehen“, so Oppermann.

Außerdem liege besonders die Höhe des Gebäudes immer noch weit über den Vorstellungen der Menschen im Ortsteil. „Wir fordern nach wie vor einen dreigeschossigen Bau mit 100 Appartements, weil wir uns gegen eine so große bauliche Dichte wehren“, bestätigte Oda von Meding. Am Beispiel Ellener Hof sei deutlich geworden, „wie ein Wohnheim auch kleiner geht“, so Oda von Medig.

Der Wunsch, möglichst viel günstigen Wohnraum für Studierende anzubieten, stünde dem entgegen, erwiderte Schulte im Rodde. Aus Sicht seiner Behörde „halten wir die jetzige Höhe für eine angemessene städtebauliche Nutzung“.

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