Überraschender Vorstoß

Ein Strandweg für Hemelingen

Der Beirat Hemelingen hat für eine Zufahrt zum Sandstrand im Hemelinger Hafen in Bremen gestimmt. Das Thema war gegen den Willen der Grünen kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden.
04.05.2018, 18:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Strandweg für Hemelingen
Von Christian Hasemann
Ein Strandweg für Hemelingen

Von diesem Weg soll die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge Richtung Hemelinger Strand abzweigen. Die Schranke soll voraussichtlich weiter bestehen bleiben.

PETRA STUBBE

Die Sitzung in Hemelingen begann mit einer kleinen Überraschung: Kurzfristig setzte der Beirat auf Antrag der SPD-Fraktion einen neuen Punkt auf die Tagesordnung. Thema: der Bau eines Rettungsweges zum Hemelinger Strand auf der Landspitze nördlich des Wassersportvereins Hemelingen. Nicht alle Beiratsmitglieder waren damit einverstanden, so lehnten die Grünen mit Hinweis auf eine Ende Mai geplante Planungskonferenz zum gesamten Hemelinger Hafengebiet den Antrag ab. "Wir wollen das im Dialog mit allen Beteiligten machen", sagte Ralf Bohr (Grüne). Tatsächlich waren an diesem Abend keine offiziellen Vertreter des Wassersportvereins Hemelingen anwesend, der unmittelbar betroffen wäre.

Zunächst sah die Tagesordnung aber einen anderen drängenden Punkt vor: nämlich die Wohnsituation der verbliebenen Mieter am Sacksdamm. Bis auf zwei Parteien sind inzwischen alle ehemaligen Bewohner der Schlichtsiedlung in anderen Wohnungen untergekommen. Doch die Positionen zwischen dem Vermieter, das Immobilienunternehmen Vonovia, und den noch dort wohnenden Mietern liegen noch auseinander. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr für eine Lösung: Die Mietverträge laufen Ende Mai aus. Betroffen davon ist vor allem eine Großfamilie, für die noch keine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden werden konnte.

Ulrich Schiller, Geschäftsführer für den Bereich Nord, sprach davon, dass sein Unternehmen ein "faires" Angebot unterbreitet habe, dass von der Familie aber nicht angenommen worden sei. Seinen Worten nach sei die Vonovia bereit, Wohnungen für die Großfamilie zusammenzulegen und eine günstige Miete unter marktüblichen Preisen für zehn Jahre festzuschreiben. "Sie werden keine Alternative zu vergleichbaren Preisen finden", machte Schiller deutlich.

Der Anwalt der Familie bestätigte das Angebot einer großen Wohnung, brachte aber das Problem auf den Punkt: "Die Wohnung ist nicht finanzierbar für meine Mandanten." Es bräuchte eine finanzielle Lösung. Dafür müsste die Vonovia allerdings ihr Angebot nachbessern.

Ulrich Schiller verwies darauf, dass am Ende eine übergeordnete Instanz entscheiden müsse. Sprich: ein Gericht. Einen sofortigen Abriss der Nachbargebäude, um den Druck zu erhöhen, schloss er aber aus und betonte, dass die Vonovia weiterhin an einer gütlichen Lösung interessiert sei.

Für Ingo Tebje (Linke) braucht es mehr Zugeständnisse seitens des Unternehmens. "Eine Lösung muss sich daran orientieren, was für Möglichkeiten die Mieter haben." Die Probleme seien vor dem Investment des Unternehmens bekannt gewesen. "Da erwarten wir dann auch eine Lösung, eine Härtefallregelung." Jens Dennhardt (SPD-Ortsvorsitzender) sprach ein grundsätzlicheres Problem an: "Ich finde, dass wir hier ein politisches Problem auf ein Unternehmen abladen. Ich denke, da muss die Politik überlegen, was sie machen kann, damit auch Wohnraum zu sehr geringen Mieten angeboten werden kann." So unüberbrückbar die Positionen zunächst schienen, nach Rücksprache mit dem Anwalt der Familie, konnte Ulrich Schiller am Schluss der Sitzung mitteilen, dass sich beide Parteien noch einmal zusammensetzen und weiter nach einer Lösung suchen werden.

Ebenso schnell wie er überraschend auf der Tagesordnung landete, könnte der Rettungsweg am Hemelinger Strand gebaut werden. Thomas Lecke-Lopatta von der Baubehörde hatte in den vergangenen Wochen im Hintergrund nach einer Finanzierung gesucht, die nun im Förderprogramm Soziale Stadt gefunden wurde. "Es hat sich gezeigt, dass das Gelände angenommen wird. Die Voraussetzung für eine Nutzung ist, dass ein Rettungsweg gebaut wird." Der letzte Weg, eine provisorische Zufahrt zum Kulturprojekt "Komplette Palette", habe sich nicht bewährt.

Der geplante tragfähige Zufahrt zweigt vom öffentlichen Weg nördlich des Wassersportbeckens ab und führt direkt am Strand bis zum Gelände auf der Landspitze, wo im vergangenen Jahr die "Komplette Palette" ihr Domizil fand. Die Schranke, die den öffentlichen Weg, der bisher vom Wassersportverein unterhalten wird, für Autoverkehr sperrt, wird voraussichtlich bestehen bleiben – direkt mit dem Auto sollen weder Hundebesitzer noch Badegäste an den Strand fahren können. Er soll ausschließlich Rettungsfahrzeugen und Lieferverkehr vorbehalten bleiben.

Die Eile mit dem das ganze Vorhaben vorangetrieben wird, hängt auch mit der diesjährigen geplanten Kulturveranstaltung zusammen, die nur mit der Auflage eines tragfähigen Rettungsweges stattfinden kann. Die Zeit drängt, wenn in diesem Jahr die Bühne aus Paletten noch zusammengebaut werden soll.

Als einen Weg nur für die "Palette" will der Beirat diesen nicht verstanden wissen. "Wir wollen für alle Planungen offen bleiben", sagte beispielsweise Alfred Kothe (CDU). "Der Weg macht Sinn, aber was künftig auf dem Gelände stattfindet, da wollen wir mitreden." Rolf Bohr (Grüne) gab zu bedenken: "Das keiner der anderen Beteiligten dabei ist, steht im Gegensatz zu einer öffentlichen Beteiligung."

Nach einer Unterbrechung stimmten aber auch die Grünen nicht gegen die Beschlussvorlage, die notwendig ist, damit in der Baubehörde die Planungen weitergehen können.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+