Deutschlands einzige JVA-Bibliothek Ein Stück Normalität

Neue Teppiche, Farbe für die Wände: Die Bibliothek der JVA Bremen ist mit dem Geld für den Bibliothekspreis der VGH-Stiftung, den sie vergangenes Jahr bekommen hat, renoviert worden.
16.02.2018, 05:03
Lesedauer: 2 Min
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Ein Stück Normalität
Von Ina Bullwinkel

Sich eine DVD zu kaufen oder ein Buch auszuleihen, ist für die meisten Menschen alltäglich. Für die Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Oslebshausen ist es etwas Besonderes. Falls ihnen ihre Freunde und Verwandten nichts mitbringen, sind sie auf den Bestand der Gefangenenbibliothek angewiesen.

Deutschlandweit ist die Bibliothek der Bremer JVA die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek in einem Gefängnis. Nachdem sie vergangenes Jahr von der VGH-Stiftung mit dem Bibliothekspreis und einem Preisgeld in Höhe von 5000 Euro ausgezeichnet wurde, begannen die Renovierungsarbeiten. „Das Preisgeld der Stiftung hat etwas in Gang gesetzt“, sagte Andreas Gebauer, Leiter der Stadtbibliothek in Gröpelingen und der Zweigstelle in der JVA. Der Teppich sei gereinigt, die Wände gestrichen und in der gefängniseigenen Tischlerei seien Regalböden produziert worden. Außerdem habe man das gesamte Mobiliar erneuert – teilweise stamme es aus der Bibliothek in Gröpelingen. „Die 5000 Euro sind vor allem in Präsentationsständer geflossen und in Sitzmöglichkeiten“, so Gebauer. „Wir haben das Geld ganz bewusst nicht in Medien gesteckt, sondern in die Infrastruktur und damit in etwas Langfristiges.“

Gebauer betonte, die Gefangenenbibliothek sei eine ganz normale Zweigstelle mit dem gleichen Anspruch wie an jede andere. Doch es gebe Regeln: „Es kann keiner individuell sagen, ich gehe mal in die Bibliothek.“ Jede Vollzugsgruppe habe 30 Minuten Zeit, um sich umzusehen und Medien auszuleihen. Durch die neuen Regale hätten die Insassen einen besseren Überblick über die verfügbaren Bücher, Hörbücher, CDs und DVDs. So wolle man sie dazu anregen, mehr auszuleihen. Etwa 8000 Medien stehen zur Verfügung, auch in anderen Sprachen. Es können aber auch Titel aus dem gesamten Archiv der Stadtbibliothek bestellt werden.

Vier Inhaftierte arbeiten jeweils 30 Stunden die Woche in der Zweigstelle. Zwei sind für Bücher zuständig, zwei für CDs und DVDs. „Wenn jemand hier während seiner Haft drei Jahre arbeitet, ist das ein wichtiger Teil seines Lebens“, sagte Gebauer. Die Direktorin der Stadtbibliothek Bremen, Barbara Lison, erläuterte bei der Begehung der renovierten Räume, es gehe bei der Förderung nicht nur darum, Bibliotheken zu unterstützen, sondern auch darum, etwas für die Gesellschaft zu tun.

„Die soziale Bibliotheksarbeit ist sehr spannend. Es ist gut, den Menschen ein bisschen Normalität zu geben“, sagt Gebauer. „Manche der Insassen sind hier zum ersten Mal in einer Bibliothek. Es ist besonders schön, wenn ich sie dann nach ihrer Haftzeit in Gröpelingen wiedersehe.“ Besonders beliebt seien in der Ausleihe die aktuellen TV-Staffeln, Bücher zu Fitness ohne Geräte, aber auch Kochbücher, da die Inhaftierten an einem Tag in der Woche selbst kochen könnten. „Auch Sachbücher werden hier mehr gelesen als draußen, da es keinen Internetzugang gibt“, so der Bibliotheksleiter. Dazu komme ein gesteigertes Interesse an Gedichtbänden. „Viele Insassen haben draußen eine Freundin oder Ehefrau, und für die wollen sie interessant bleiben.“

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