Baustelle Kühne + Nagel

Ein Stück Weserbrücke als Souvenir

Am Tag des offenen Denkmals sind Ziegelsteine des alten Bauwerks bei der Bremer Landesarchäologie zu haben
25.08.2017, 15:56
Lesedauer: 2 Min
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Ein Stück Weserbrücke als Souvenir
Von Jan Oppel
Ein Stück Weserbrücke als Souvenir

Claudia Melisch bei der Arbeit: Neben den Überresten der Weserbrücke haben die Forscher Fundamente von drei Häusern freigelegt.

Frank Thomas Koch

Ende Mai hatten Arbeiter auf der Baustelle von Kühne + Nagel an der Martinistraße Teile der ältesten Weserbrücke Bremens gefunden. Nun können Interessierte die Steine des historischen Bauwerks gegen eine Spende mit nach Hause nehmen: Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, werden die Ziegelsteine der Brückenmauer ab 14 Uhr bei der Landesarchäologie Bremen, An der Weide 50a, ausgegeben.

„Wir können nicht alles einlagern“, sagt Dieter Bischop von der Landesarchäologie Bremen. Die Steine des Torhauses der Großen Weserbrücke sind bereits abgetragen. Sie werden nun gereinigt und sind am Tag des offenen Denkmals für eine freiwillige Spende zu haben.

Die Weserbrücke wurde laut Bischop erstmalig 1244 in einer Urkunde erwähnt. Sie führte über den Fluss hin zur Wachtstraße. Auf vielen historischen Stadtansichten ist sie zu sehen. Die Brücke war das Einfallstor ins historische Bremen. Sechs Jahrhunderte lang bestand das Bauwerk aus Holz, erst 1839 und 1895 wurde dann eine steinerne Brücke errichtet. Im Jahr 1945 sprengten die Nationalsozialisten Teile der letzten Steinbrücke, 1961 wurde sie schließlich ganz abgerissen, da nur 60 Meter weiter die neue Wilhelm-Kaisen-Brücke eingeweiht wurde.

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Mittlerweile haben die Archäologen an der Baugrube auch das Kellergeschoss einer Häuserzeile „An der Tiefer“ freigelegt. Im Fundament sind Kamine, Stützpfeiler und gut erhaltene Bodenplatten zu sehen. Die drei Häuser stammen aus dem 16. Jahrhundert. Zum letzten Mal wurden sie vermutlich im Jahr 1740 umgebaut. Bis ins 19. Jahrhundert standen die Gebäude an dieser Stelle. Die Funde geben den Forschern auch Erkenntnisse über die ehemaligen Bewohner. "Ganz arm dürften die nicht gewesen sein", sagt Grabungsleiterin Claudia Melisch von der Firma „Denkmal3D". Dafür spricht, dass die Häuser relativ groß und repräsentativ waren. Melisch zeigt auf einen rechteckigen Raum. Der freigelegte Ofen ist immer noch schwarz vor Ruß. "Das war vermutlich ein Hauswirtschaftsraum", sagt sie. "Mit dem Ofen konnte das ganze Haus geheizt werden." Am Boden haben die Forscher Münzen, Flaschen, Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände gefunden. Einige der in den Häusern verbauten Steine stammen noch aus Zeiten der Weser-Renaissance. Die teils reliefverzierten Platten sollen aufbewahrt werden.

„Es ist verblüffend, wie gut die Mauern aus dieser Zeit noch erhalten sind“, sagt Melisch. Die freigelegten Fundamente zeigen auch die Überreste eines unterirdischen Gangs, durch den man zur Weser hinauslaufen konnte. Ein Zugang zum Wasser, durch den vermutlich Waren von den Schiffen in die Stadt transportiert wurden.

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In etwa zehn Tagen werden die historischen Gemäuer komplett abgetragen sein. Unter den Häusern vermuten die Archäologen noch sehr viel ältere Häuser, die noch aus dem Mittelalter stammen. So tief werden die Forscher aber nicht vordringen können. „Da kommen wir nicht mehr dran“, sagt Landesarchäologe Bischop. „Was unter den Häusern liegt, wird beim Neubau des Stammsitzes von Kühne + Nagel durchbohrt werden wie ein Schweizer Käse.“ Bis Mitte 2019 soll an dieser Stelle neben der Wilhelm-Kaisen-Brücke das elfgeschossige Gebäude hochgezogen werden.

Auch wenn die Überreste der Brücke und der Häuser bald verschwunden sind – virtuell werden die Gemäuer der Nachwelt erhalten bleiben: Die Forscher haben sogenannte 3D-Scans angefertigt. Die Scans können die Forscher künftig mit vorhandenen historischen Stadtplänen in Beziehung setzen. Aus den Aufzeichnungen soll ein detailliertes Computermodell entstehen, dass bei Bedarf von einem 3D-Drucker sogar in eine Plastik gegossen werden könnte. „Gemälde und Zeichnungen zeigen uns überwiegend nur die Fassaden“, sagt Grabungsleiterin Melisch. „Nun wissen wir auch, wie es drinnen einmal aussah.“

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