Helfer bei La Strada

Ein Teil des Theaters sein

Mehr als 90 Freiwillige helfen beim Straßenzirkusfestival La Strada vom 15. bis 18. Juni in Bremen für einen ideellen Gegenwert mit.
13.06.2017, 18:52
Lesedauer: 4 Min
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Ein Teil des Theaters sein
Von Pascal Faltermann

Sie sind Wiederholungstäter. Fast alle. Jedes Jahr wieder arbeiten und helfen sie bei La Strada. Viele der freiwilligen, ehrenamtlichen Helfer, die als Engel bezeichnet werden, sind also mindestens das zweite Mal bei dem internationalen Festival der Straßenkünste in Bremen. Sie werden vom Donnerstag, 15. Juni, bis Sonntag, 18. Juni, das Bild während der Straßenzirkus-Veranstaltung in der Innenstadt mit prägen. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Eva Brandt.

Die Gruppenmitglieder verbinde, dass sie alle große La-Strada-Fans seien. Sonst würden sie es ja nicht machen. Mittlerweile sind es mehr als 90 Engel, die sich mit Engagement, Herz und Leidenschaft einbringen. Das wird von vielen Seiten so erzählt und bestätigt. „Das Festival lebt vom unermüdlichen Engagement der vielen Bremer Helfer“, sagt Frederieke Behrens, Pressesprecherin von La Strada.

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„Wir stehen einfach alle auf Straßenzirkus und Straßentheater“, sagt Thomas Nolte. Man sei bei dem Kultur-Spektakel in der Hansestadt nicht nur ein Freiwilliger, sondern ein Teil des Ganzen. Ein Teil des großen Zirkus', des Theaters. „Das Festival ist für alle Besucher umsonst und das soll auch so bleiben“, sagt Nolte, der Vorsitzender des Fördervereins La Strada ist.

„Die Arbeit während der Veranstaltung macht einfach sehr viel Spaß. Wir lernen Künstler und tolle Gruppen kennen, das Miteinander ist super und das Wetter spielt meistens auch mit“, ergänzt Eva Brandt. „Naja, wir sind aber nicht nur einmal nass geworden“, wirft Isabelle Pochat ein und lacht.

Flapsige Sprüche und zahlreiche nette Worte

Ganz gleich, ob es nun Sonne, Regen, Hitze oder Kälte gewesen ist, das Wetter kann den ehrenamtlichen „La-Strada-Engeln“ nicht wirklich etwas anhaben. Es gebe kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Da sind sich alle einig. Schön sei es, immer wieder zu erleben, wie dankbar das Publikum in Bremen ist. Und das Essen sei schließlich auch bestens, scherzt Pochat weiter.

Wenn die freiwilligen Bremerinnen und Bremer zusammen stehen, wird viel gelacht. Flapsige Sprüche, kernige Ansagen, kleine, nicht ganz ernst gemeinte Seitenhiebe für das Gegenüber, aber auch zahlreiche nette Worte für den Mitstreiter gibt es immer wieder zu hören. Bei den Planungsabenden im Theaterkontor in der Schildstraße im Bremer Viertel geht es locker zu.

Natürlich wird es aber auch ernst, wenn es um die Verteilung der Aufgaben geht. Dann wird zugehört, aufgeschrieben und mitgedacht. Ob Studierende oder Berufstätige, Rentner oder junge Erwachsene – es engagieren sich Menschen aus allen Altersgruppen, unterschiedlichen Stadtteilen und mit verschiedenen Hintergründen.

An den roten T-Shirts zu erkennen

„Manchmal sehen wir Helfer uns das ganze Jahr nicht, hier kommen wir aber immer wieder zusammen“, sagt Eva Brandt. Und jedes Jahr wieder funktioniere das bestens und die Wiedersehensfreude sei groß. Die Helfer und Helferinnen unterstützen das Organisationsteam bei der Künstlerbetreuung, an den Bühnen oder beim Catering.

Der Veranstalter-Kern um Gabriele Koch, Frederieke Behrens und Stefan Berthold kommuniziert während des Festivals mit Koordinatoren oder auch Mittlern, die dann die Freiwilligen wiederum instruieren. An den Auftrittsorten zeigen die Engel Präsenz, regulieren Abläufe, passen auf, räumen weg und fassen mit an, wenn etwas umgebaut werden muss.

Im Backstage-Bereich schmieren sie für das Team Brötchen, setzen Kaffee auf oder kochen. Gut zu erkennen sind die La-Strada-Engel an ihren roten T-Shirts. Ein wichtiger Part der Arbeit der Ehrenamtlichen ist das Verkaufen des Programmheftes, das drei Euro kostet. „Es ist eine der Säulen, die wichtig für die Finanzierung des Festivals sind“, sagt Fördervereins-Chef Nolte.

Wundertüten für fünf Euro

Beim Verkaufen und Verteilen der Hefte können die Ehrenamtlichen auch auf das Wirken des Fördervereins, den es seit 2009 gibt, aufmerksam machen. Zudem gibt es gut 30 bis 40 sogenannte Announcements (Ankündigungen) der Engel an den Auftrittsorten vor den Darbietungen der Künstler, um auf ihr Wirken aufmerksam zu machen und Unterstützung einzuwerben.

Außerdem haben die Engel Wundertüten für fünf Euro im Angebot: Darin enthalten ist dann nicht nur das Heft, sondern auch kleine Überraschungen. Mit fast 500 Mitgliedern – viele Engel darunter – ist der Förderverein mittlerweile der zweitgrößte Sponsor der Veranstaltung. Mitglieder zahlen einen Mindestjahresbeitrag von 20 Euro im Jahr.

In den letzten beiden Jahren steuerte der Förderverein 16.000 Euro zur Veranstaltung bei, darin sind auch die Gelder aus den beim Festival aufgestellten Spendenboxen enthalten. Besucher und Gäste des Festivals können die Veranstaltung auch mit ihrem Becherpfand unterstützen – auf dem Gelände sind drei Pfandstationen aufgebaut, die von den Freiwilligen betreut werden. Das Pfand geht ebenfalls als Spende auf das Konto des Vereins.

Es geht um das Zusammensein

Die Finanzierung des Kulturevents sei einer der Gründe gewesen, den Verein zu gründen. „Es gibt Sponsoren und öffentliche Gelder. Wir wollten aber auch selbst etwas einbringen“, sagt Nolte. Er ist eigentlich nur dabei, weil Eva Brandt einen Aufruf in der Zeitung gelesen hatte. Sie wollte mitmachen, überredete ihn und er ging mit. Das ist mittlerweile 14 Jahre her.

„Es ist ein ideeller Gegenwert, den wir hier bekommen“, sagt Brandt. Es gehe um die Erlebnisse, das Zusammensein, das Ereignis. Von den gut 90 Freiwilligen seien bestimmt 50 Personen schon länger dabei. „Derjenige, der das Ehrenamt in Anspruch nimmt, hat auch eine Fürsorgepflicht den Leuten gegenüber“, sagt Stefan Berthold aus der „La Strada“-Leitung.

Immer weniger Geld

Es sei bei so vielen kulturellen Veranstaltungen so, dass immer wenig Geld da sei. „Es geht also ohne Freiwillige nicht mehr“, sagt Berthold. „Ja, ohne die vielen Helfer wäre die Durchführung des Festivals nicht denkbar“, betont auch Pressesprecherin Behrens. Das Freiwilligenengagement bei La Strada wurde übrigens im Jahr 2015 mit dem Bürgerpreis der Sparkasse Bremen ausgezeichnet.

Das Festivalteam freut sich sehr über diese Auszeichnung und will das Preisgeld nutzen, um den Ehrenamtlichen in Zukunft noch mehr Horizonte im Bereich der Straßenkunst zu öffnen. Erstmalig bot La Strada 2016 einen Austausch zwischen Freiwilligen aus Bremen und dem „street arts festival“ Spoffin in Amersfoort (Niederlande) an.

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