Ausstellung „Gate N° 44“ von Anna Elsabe im Kulturhaus Walle Brodelpott

Ein Tor, das zum Bleiben einlädt

Eine Reise beginnt nicht mit dem ersten Schritt. Sie beginnt mit der Stille. Es sei denn, das Leben schmeißt den später Gereisten unvorbereitet von hier nach da. Anna Elsabes Ausstellung im Kulturhaus Walle Brodelpott ist Zeugnis einer Reise, die vielleicht nicht immer ganz freiwillig war. Und im Zentrum steht das „Gate N° 44“, das der Präsentation ihren Namen leiht.
22.05.2014, 00:00
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Von Katharina Hirsch
Ein Tor, das zum Bleiben einlädt

Anna Elsabe stellt ihre Arbeiten zur Zeit im Waller Brodelpott aus.

Roland Scheitz

Eine Reise beginnt nicht mit dem ersten Schritt. Sie beginnt mit der Stille. Es sei denn, das Leben schmeißt den später Gereisten unvorbereitet von hier nach da. Anna Elsabes Ausstellung im Kulturhaus Walle Brodelpott ist Zeugnis einer Reise, die vielleicht nicht immer ganz freiwillig war. Und im Zentrum steht das „Gate N° 44“, das der Präsentation ihren Namen leiht.

Von Zeiten des Durchgangs berichten die Werke von Anna Elsabe in der aktuellen Ausstellung im Kulturhaus Walle Brodelpott. Angefangen mit „Stillen Bildern“ aus einer Phase des inneren Überlebenskampfes. Die Bilderreihe mit Arbeiten hauptsächlich in Acryl auf Leinwand beginnt auf der linken Raumseite – die meisten Ausstellungen laufen im Brodelpott gegen den Uhrzeigersinn. Dann wird es „explosiv“, bevor die Künstlerin mittig das „Gate N° 44“ präsentiert. Dem „Abflug“ folgt der „Aufbruch“.

Dieser Abfolge kann die Frage zur Seite gestellt werden: Was ist zuerst da? Die unumstößliche Entscheidung für eine Bewegung oder die Bewegung selbst, die die Entscheidung unumkehrbar macht? Für Anna Elsabe ist es, aus der Hängung ihrer Arbeiten geschlossen, wohl letzteres. Dazu passt es, wenn sie sagt: „Es geht um das Aufbrechen und Ankommen, dort wo man hingeht. Manchmal ist das ein bewusster Prozess, manchmal wird man dort aber auch gnadenlos vom Leben hingeschmissen.“

Anna Elsabe ist – zumindest für den Moment – in Walle angekommen. Denn die Künstlerin mit musikalisch-künstlerischer Ausrichtung und einiger Theatererfahrung stammt aus Schleswig-Holstein, ist aber als Berufsmusikerin mit ihrer Bratsche schon viele Jahre fester Teil des Philharmonischen Orchesters Heidelberg. Trotzdem wandert sie zwischen den Welten der Kunst und der Musik hin und her.

„Man kann nicht immer beide Berufe mit gleicher Intensität ausführen“, sagt sie, „da ergeben sich manchmal Pausen.“ Die sich dann zu gegebener Zeit mit deutlichen Impulsen für die aktuell ruhende Arbeit von allein beenden und in neuen oder endlich vollendeten Kunstwerken ausdrücken.

Anna Elsabe ist mit Andreas Lehmann-Wermser verheiratet, der an der Bremer Universität im Fachbereich Musikpädagogik lehrt.

Gemeinsam mit dem passionierten Querflötenspieler und seiner aus Göttingen stammenden Kollegin Veronika Busch, einer Hobby-Cellistin, begeisterte sie auf ihrer Bratsche die Besucher der Vernissage. „Pavane“ spielten sie, von Maurice Ravel. Und das „Präludium und Fuge“, vermutlich in der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart, eine Coverversion, wie es heutzutage heißen würde, wäre es ein modernes Musikstück. Das Original stammt aus der Feder von Johann Sebastian Bach.

Musikerin und Malerin

Doch zuvor spielte Anna Elsabe allein auf ihrer Bratsche. „…verweht“ hieß das erste Stück, das eigens für sie von Harald Weiss, einem deutschen Komponisten, verfasst worden ist. Ein Stück mit unter die Haut gehendem Gänsehauteffekt, mit experimentellen Zügen, ohne anzustrengen, und Pausen, die die Musikerin mit 4/4-Takten zu halten wagte. „Das ist eine lange Zeit, in der das Publikum schnell unruhig werden kann“, sagt sie hinterher. Doch die Spannung hielt, die Stille war vollkommen, und der Applaus am Ende klang ebenfalls warm und ehrlich.

Die Reise der Ausstellung ist noch nicht beendet. Nach dem Aufbruch wird es leichter, zumindest was die Titel der Bilder angeht: „Wasserspiel“ heißt es da, oder „Stadt – Land – Musik“. Und ganz am Ende, da gibt es einen „Regenbogen“. Zwischendrin hängen mehrere zu Leinwänden zweckentfremdete Trommelfelle. „Für mich ist es eine Verbindung des Haptischen mit der Kunst“, erklärt Anna Elsabe. Sie mag das benutzte Material, das sie mit ihren eigenen Assoziationen zu Kunst umgestaltet.

Jana Schenk, Kuratorin im Kulturhaus Walle Brodelpott, wünscht der Reisenden, dass sie mit Bremen ein neues Gate, einen neuen Durchgang, gefunden hat: Ein Bleibe-Gate.

Die Ausstellung „Gate N° 44“ bleibt noch bis zum 6. Juni im Kulturhaus Walle Brodelpott, Schleswiger Straße 4 in Osterfeuerberg, wo sie montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie montags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr besucht werden kann.

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