Schlauchturm des Alten Fundamts Ein Turm erwacht zu neuem Leben

Steintor. Die Architektin Claudia Grützmacher und der Marketingberater Ulrich Schwecke sind die neuen Mieter im Schlauchturm des Alten Fundamts. Nach Jahren der Brache haben sie das Obergeschoss für sich entdeckt und bauen es aus.
22.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Steintor. Die Architektin Claudia Grützmacher und der Marketingberater Ulrich Schwecke sind die neuen Mieter im Schlauchturm des Alten Fundamts. Nach Jahren der Brache haben sie das Obergeschoss für sich entdeckt und bauen es aus. Für eine Ausstellung und Dokumentation der Historie des Alten Fundamts suchen sie alte Fotos, vor allem aus der Zeit, als das Alte Fundamt noch Feuerwache 3 war.

Da fühlten sich die Bewohner aber ordentlich gestört. Acht Jahre lang hatte niemand ihre gute Stube betreten. Jetzt kommen ein paar Menschen daher und wollen sie vertreiben. Im Schlauchturm des Alten Fundamts hatten sich Tauben eingerichtet. Das obere Geschoss und die beiden kleineren Etagen darüber standen leer, vermutlich schon seit die Feuerwehr ausgezogen ist.

Die Architektin Claudia Grützmacher und ihr Partner Ulrich Schwecke haben jetzt ihre Finger nach dem roten Backsteinturm ausgestreckt und wollen in der oberen Etage Büroräume einrichten. Dafür muss aber erst ein Zugang zu der Etage gelegt werden.

Früher führte eine Außentreppe dort hinauf. Die sei aber verrostet gewesen und deshalb 2006 abgebaut worden, erzählt Ursula Schnell, die Leiterin des Hauses im Viertel der Bremer Heimstiftung. Claudia Grützmacher und Ulrich Schwecke haben die Räume im Turm von der Heimstiftung gemietet und einen Zugang vom Alten Fundamt aus gelegt. Dazu sind ein hölzerner Anbau an das obere Geschoss und eine Art Gangway zwischen Turm und Altem Fundamt gebaut worden.

1896 wurde das, heute als Altes Fundamt bekannte Haus eingeweiht. Damals war es die Feuerwache 3. Der Brandmeister habe in dem Haus Auf der Kuhlen 1 gewohnt, erzählt Claudia Grützmacher. Dieses Haus haben sie und Ulrich Schwecke vor drei Jahren gekauft, umgebaut und zu ihrem Heim gemacht. Seitdem hatten sie immer einen guten Blick auf den Turm. „Irgendwann kam die Idee, dass man damit was machen könnte“, sagt Claudia Grützmacher.

Bei ihrer Vermieterin Ursula Schnell stießen sie schnell auf offene Ohren. Immerhin wurde bislang vom Turm nur das Erdgeschoss genutzt. Dort haben das Restaurant Bio-Biss einen Lagerraum und der Nachbar Horst Bertuleit eine Werkstatt, in der er mit Kindern werkelt. Das soll auch bleiben, „weil das was Kostbares ist, was er macht“, sagt Ursula Schnell. Deshalb habe man sich auch für den Anbau eines Zugangs vom Alten Fundamt aus entschieden. Wäre im Turm selbst eine Treppe eingebaut worden, hätte das Platz im Erdgeschoss gekostet. Die Räume über Werkstatt und Lager lagen indes brach. Lediglich die Fenster wurden für eine Ausstellung genutzt. Dort hingen große Porträtbilder. Die sind jetzt weg, die Fenster wurden ausgetauscht.

Demnächst kommen ein neuer Boden, eine Heizung, Toiletten und natürlich Büroausstattung rein. Ulrich Schwecke möchte dort mit seiner Agentur am Turm, die dann Agentur im Turm heißen soll, für Marketing- und Kommunikationsberatung einziehen. Die Bauarbeiten wecken die Neugierde anderer Nachbarn. „Das hat eine unglaubliche Aufmerksamkeit“, erzählt Claudia Grützmacher. Vor allem vom Hof aus haben die Gäste des Restaurants Bio-Biss und Besucher des Alten Fundamts einen guten Blick auf die Baustelle.

Wie es wohl mal aussehen wird?, fragen sich manche. Claudia Grützmacher und Ulrich Schwecke suchen den Kontakt zu den Nachbarn. Es geht ums Einander-Kennenlernen und Gut-Miteinander-Auskommen. Deshalb haben sie ihre Nachbarn im vergangenen Jahr vor Weihnachten auch zum Turmglühen eingeladen. Bei Glühwein, Kerzenschein und Lagerfeuer kamen die Nachbarn ins Gespräch – ein schöner Abend, der Tradition werden könnte.

Im großen Raum des Turms ist Platz für vier Schreibtische. In den kleinen Etagen darüber ist gerade mal Platz, um beispielsweise die Technik unterzubringen. Deshalb kommen Toiletten und ein Konferenzzimmer auch in den Anbau.

Publikumsverkehr soll es im Turm nicht geben. Ulrich Schwecke könne sich aber vorstellen, den Turm zu Veranstaltungen wie dem Kunstwerk im Viertel oder dem Tag des Denkmals für Besucher zu öffnen.

Einige Ausstellungsstücke gebe es auch schon. Von der Feuerwehr habe er einige historische Gegenstände bekommen, berichtet Schwecke. Was er gern noch hätte, sind Fotos. Davon gebe es nur wenig. Schwecke hofft, dass langjährige Nachbarn des Alten Fundamts alte Fotos haben, die er im Schlauchturm ausstellen könnte.

Ulrich Schwecke ist unter Telefon 701977 oder per E-Mail an us@agenturamturm.com zu erreichen.

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