Astronomischer Sommerbeginn

Ein zu kühler Sommeranfang

Eigentlich sollte es nun über 20 Grad und Sonne geben, aber das Wetter hält sich nicht daran. „Es bleibt durchwachsen und für die Jahreszeit zu kühl“, so Manno Peters, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.
20.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Elke Gundel
Ein zu kühler Sommeranfang

Restaurant- und Eisdielenbetreiber Tano Cinari wartet auf Kundschaft.

Christina Kuhaupt

Am Sonntag fängt der Sommer an. Jedenfalls der astronomische, sagt Manno Peters, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Peters kann den Zeitpunkt, an dem die Sonne auf der Nordhalbkugel der Erde ihren Höchststand erreicht, exakt beziffern: 18.38 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

Eigentlich sollte es nun über 20 Grad und Sonne geben, aber das Wetter hält sich nicht daran. Peters: „Es bleibt durchwachsen und für die Jahreszeit zu kühl.“ 16 bis 17 Grad in der Spitze an diesem Sonnabend, danach geht es der aktuellen Prognose zufolge leicht nach oben – auf bis zu 20 Grad am Donnerstag. „Aber dann kommt auch schon das nächste Tief aus Westen.“ Otto ist sein Name, derzeit sorgt Nils für Schauer und das Bedürfnis, die Heizung aufzudrehen.

„Sehr, sehr traurig“ sei das, sagt Tano Cinari, Inhaber des Restaurants Tano in der Pieperstraße, zu dem auch ein Kiosk mit Verkauf von selbst gemachtem Eis gehört. An Tagen wie diesen bleiben nur wenige Kunden vor dem Tresen mit den kunstvoll verzierten Eissorten stehen. „An solchen Tagen machen wir vielleicht 60 Euro Umsatz.“ Viel zu wenig. Und viel zu viel Eiscreme müsse an solchen Tagen weggeworfen werden. „Wir können das Eis zwei Tage frisch halten. Danach müssen wir es entsorgen.“ Bei der Frage, in welcher Menge Nachschub hergestellt wird, zieht Tano Cinari derzeit den Wetterbericht zurate. Das Ergebnis: „Wir brauchen nur die 3-Liter-, nicht die 5-Liter-Behälter.“ Ginge es nach ihm, dann gäbe es für die nächsten drei Monate 22 bis 23 Grad und Sonne. Denn zu große Hitze ist für das Eisgeschäft so schlecht wie Regen: „Dann wollen die Menschen lieber etwas zu trinken.“

Annemieke Dessauvagie sehnt die Sonne herbei.

Annemieke Dessauvagie sehnt die Sonne herbei.

Foto: Christina Kuhaupt

Auch Annemieke Dessauvagie, Geschäftsführerin im Café Sand, druckt derzeit regelmäßig den Wetterbericht aus: „Für den Dienstplan.“ Ergebnis: Vorerst müsse sie nicht ganz so viel Personal einplanen. „Wir sind ein Ausflugslokal. Wir brauchen gutes Wetter, damit die Gäste zu uns kommen. Und für den Strand gilt das natürlich sowieso.“ Hängen am Himmel dagegen graue Wolken, bleibe es im Café Sand viel zu ruhig. „Dann kommen höchstens die Kleingärtner zum Mittagessen und um sich aufzuwärmen.“

Andreas Wedemeyer, Pächter des Campingplatzes am Stadtwaldsee, ist ebenfalls wettergeplagt. Er schätzt die Umsatzeinbußen im Juni im Vergleich zum vergangenen Jahr auf etwa 30 Prozent. Derzeit seien „fast ausschließlich Wohnwagen und Wohnmobile“ auf dem Platz. Die Wiese für die Zelte werde dagegen kaum genutzt. Empfindliche Einbußen gebe es vor allem, wenn das Wetter vorrangig Niederschläge bereithalte. „Wenn es dagegen nicht ganz so warm oder windig ist, stört das unsere Gäste weniger.“ Denn die meisten kämen zu Besuch, um sich die Stadt anzuschauen, was auch bei moderaten Temperaturen gut machbar sei.

Dass der Sommer bislang an Bremen eher vorübergegangen ist, schlage sich insgesamt auf die Übernachtungszahlen in der Stadt nicht nieder, ist unterdessen die Erfahrung der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). Denn zum einen seien 70 Prozent der Gäste, die über Nacht in Bremen bleiben, Geschäftsreisende, erklärt BTZ-Sprecherin Maike Lucas. Und zum anderen biete die Stadt viele attraktive wetterunabhängige Angebote. Mitunter führe ein eher durchwachsener Sommer sogar dazu, dass die Zahl der Tagestouristen steige: „Weil die Urlauber an den Küsten dann lieber in die Stadt fahren.“ Allerdings leiden die Open-Air-Veranstaltungen bei äußeren Bedingungen, die mit Sommer wenig zu tun haben, bedauert Maike Lucas.

Jens-Christian Meyer, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), hat aus rein beruflicher Perspektive nichts gegen das derzeitige Bremer Schmuddelwetter einzuwenden: „Das gibt uns einen Vorteil gegenüber unserem größten Konkurrenten, dem Fahrrad.“ Regen und niedrige Temperaturen schlagen sich bei der BSAG sofort positiv bei den Fahrgastzahlen nieder. Und auch für Bremens prominenteste Baustelle, die an der Domsheide, war der Sommer nach Meyers Worten bislang prima: „Trocken und nicht zu heiß.“

Campingplatz-Mitarbeiter Stephan Emde würde lieber den Sonnenschirm nehmen.

Campingplatz-Mitarbeiter Stephan Emde würde lieber den Sonnenschirm nehmen.

Foto: Christina Kuhaupt

Genau das ist aus Sicht von Hilmer Garbade, Präsident des Bremischen Bauernverbandes, gar keine gute Mischung. Gras, Getreide und Mais hätten im Frühjahr deutlich mehr Regen und anschließend deutlich höhere Temperaturen vertragen, betont er. Dass es dieses Jahr ungewöhnlich trocken und zu kühl gewesen ist, mache sich schon jetzt negativ beim Pflanzenwachstum bemerkbar. Vor allen Dingen die Landwirte im Bremer Osten seien deshalb froh, dass in den nächsten Tagen weiter mit Regen zu rechnen sei. Einziger Wermutstropfen: Auch das Sommerfest des Bauernverbandes am Freitag war ein wenig verregnet. Spätestens Ende nächster Woche, findet Garbade, sollte es aber trocken und vor allen Dingen wärmer werden – und das nicht nur, weil er dann Silage einfahren möchte.

Sonne und steigende Temperaturen, das ist auch nach dem Geschmack von Laura Schmitt, Sprecherin der Bremer Bäder GmbH. Momentan gehörten zu den Gästen in den Freibädern der Stadt praktisch nur diejenigen, die Schwimmen regelmäßig als Sport betreiben, sagt sie. Damit sich auch die Liegewiesen füllen, seien äußere Bedingungen wie etwa am Freitag vergangener Woche nötig. Deshalb hofft Laura Schmitt, dass es spätestens ab Juli mit dem Sommer etwas wird.

Manno Peters vom Deutschen Wetterdienst kann da nichts versprechen. Statistisch gesehen, sagt er, sind die Hundstage die wärmsten des Jahres. „Die sind Ende Juli.“ Gerade richtig zum Beginn der Sommerferien.

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