Prozess gegen Valentin S.

Einblicke in das Spieltag-Treiben abseits des Stadions

Im November 2014 gab es auf dem Hamburger S-Bahnhof Diebsteich eine Massenschlägerei zwischen Anhängern des HSV und Werder Bremen. Bislang ist unklar, ob Valentin S. unter den Werder-Anhängern war.
13.04.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Einblicke in das Spieltag-Treiben abseits des Stadions
Von Ralf Michel

Im November 2014 gab es auf dem Hamburger S-Bahnhof Diebsteich eine Massenschlägerei zwischen Anhängern des HSV und Werder Bremen. Bislang ist unklar, ob Valentin S. unter den Werder-Anhängern war.

Waren Valentin S. und Wesley S. unter den Werder-Anhängern, die sich im November 2014 eine regelrechte Schlacht mit HSV-Fans lieferten? Die Antwort auf diese Frage bleibt abzuwarten. In jedem Fall aber liefert der zehnte Verhandlungstag gegen die beiden Werder-Ultras vor dem Landgericht bestes Anschauungsmaterial darüber, was an Spieltagen der Fußballbundesliga abseits der Stadien so alles passiert.

Am 23. November 2014 gab es auf dem Hamburger S-Bahnhof Diebsteich eine Massenschlägerei zwischen Anhängern des HSV und Werder Bremen. Beteiligt waren jeweils rund 100 Personen aus den verfeindeten Lagern. Kein zufälliges Aufeinandertreffen, sagt am Dienstag ein Bundespolizist vor Gericht aus. „Dass war offenkundig verabredet, wie es unter Fußball-Hooligans regelmäßig vorkommt.“

Polizisten greifen zur Waffe

Auf der einen Seite die HSV-Anhänger, die sich zunächst wie immer am Fan-Haus ihres Vereins trafen – sich dann aber, statt in die Bahn zu steigen, zu Fuß zum S-Bahnhof Diebsteich aufmachten. Dort kamen sie auf die Minute pünktlich an, um die Werder-Fans in Empfang zu nehmen, die in diesem Augenblick mit der S 3 in den Bahnhof einfuhren.

Die Polizei geht davon aus, dass die Bremer zuvor per Bus nach Stade angereist und dort in die S-Bahn umgestiegen waren. Im Zug wurden die Videokameras abgeklebt und weitere Fahrgäste am Einsteigen gehindert. Kurz vor der Station Diebsteich kamen dann Schals und Sturmhauben für die Vermummung zum Einsatz, berichtet der Polizist. Auch die Hamburger Truppe hatte sich auf dem Weg zur Bahnstation vermummt.

Auf dem Bahnsteig trafen die beiden Lager aufeinander. Faustschläge, Flaschen- und Steinwürfe, Bengalfackeln, mittendrin völlig verängstigte Reisende, darunter auch Kinder, so schilderte ein Hamburger Polizist die Situation. „Ein einziges Chaos.“ Er und ein Kollege waren in diesem Augenblick die einzigen Polizisten vor Ort. Sie hatten den Hamburger Aufmarsch in zivil begleitet um zu schauen, was die Fans im Schilde führen. Auf dem Bahnsteig habe man gegen die randalierenden Fans nichts ausrichten können. Im Gegenteil: „Wir wurden an den Rand gedrängt und bedroht“, erzählt der Beamte. Er und sein Kollege hätten sich daraufhin Rücken an Rücken gestellt und ihre Waffen gezogen.

Prozess wird Donnerstag fortgesetzt

Doch genauso überfallartig, wie der Tumult begonnen hatte, löste er sich wieder auf. Den Bremern gelang es, die Hamburger in die Flucht zu schlagen. Dann stiegen sie wieder in ihre S-Bahn und fuhren weiter in Richtung Stadion. Als die uniformierten Kräfte der Polizei eintrafen, war der Spuk längst beendet.

Die Identifizierung der mutmaßlichen Täter wurde anschließend vor allem anhand weiterer Videoaufnahmen versucht. Als die Werder-Fans die S-Bahn wenig später in Stellingen verließen, waren sie nicht mehr vermummt.

Die Polizei meint, aufgrund von Videoaufnahmen insgesamt rund 60 bis 70 Personen eine Tatbeteiligung nachweisen zu können. Zwei davon sollen Valentin S. und Wesley S. sein. Der Prozess gegen die beiden Werder-Ultras wird am Donnerstag, 14. April, fortgesetzt.

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