Bundesfinale von Jugend debattiert Eine ausgezeichnete Rednerin

Die Vegesacker Gymnasiastin Clara Paulina Sandstedt vertritt Bremen beim Bundesfinale von „Jugend debattiert“ in Berlin. Mit einem fünftägigen intensiven Rhetorik-Training hat sie sich vorbereitet.
30.05.2018, 20:00
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Von Klaus Grunewald

Vegesack. Wortgewandt und sachbezogen zu argumentieren, ist für Clara Paulina Sandstedt eine einfache Übung. Das wird schon zu ­Beginn unseres Gesprächs deutlich. Die 15-Jährige vom Gymnasium Vegesack hat den Landeswettbewerb „Jugend debattiert“ der Altersgruppe 1 (Klassen 8 bis 10) gewonnen und tritt für Bremen im Berliner Bundesfinale zusammen mit Emma Sallai vom Gymnasium Hamburger Straße an, die den zweiten Platz belegte.

Das Gymnasium an der Kerschensteinerstraße hat erstmals am „Wettstreit der Meinungen, Argumente und rhetorischen Fähigkeiten“ teilgenommen. Deshalb ist die Freude von Schulleiterin Heike Ohler natürlich groß, dass die Schülerin aus der Klasse 9e die Farben Bremens und damit auch der Vegesacker Schule am 15. und 16. Juni in der Bundeshauptstadt vertritt.

Clara Sandstedt ist in St. Magnus zu Hause und hat dort die Grundschule besucht, bevor sie zum Vegesacker Gymnasium wechselte. „Mathe und Politik“ antwortet sie auf die Frage nach ihren Lieblingsfächern. Zum Unterricht gehörte im vergangenen Jahr auch die Vorbereitung auf den Wettbewerb „Jugend debattiert“. Wobei speziell geschulte Lehrkräfte als Trainer fungierten. Sie waren nach den Worten von Heike ­Ohler zuvor in einem Fortbildungsseminar als ­Projektlehrer ausgebildet worden.

Systematisch vorbereitet

In vielen Übungen und systematischen Schritten lernten die Schülerinnen und Schüler, frei zu sprechen und gezielt zu recherchieren, um Argumente für die eigene Meinungsbildung zu finden. Clara Sandstedt stellte außerdem bald fest, dass regelmäßiges Trainieren und häufiges Debattieren das Selbstbewusstsein fördern und das Lampenfieber minimieren. Der Erfolg blieb nicht aus. Sie gewann den schulinternen Wettbewerb im Dezember 2017 und konnte Ende Januar auch im Regionalwettbewerb in der Gesamtschule West überzeugen und den zweiten Platz erobern. Damit hatte sie die Qualifikationsrunde für die Teilnahme am Bremer Landesfinale erreicht.

Bevor die Schülerin auch diese Hürde nahm, absolvierte sie ein dreitägiges Vorbereitungsseminar in Worpswede. Eine Trainingseinheit, die bei ihr für zusätzliche Motivation und Sicherheit sorgte. Schon die Qualifikationsrunde im Landesinstitut für Schule (LiS) habe sich durch eine sehr konzentrierte Atmosphäre und ein hohes Debattenniveau ausgezeichnet, erinnert sich Heike Ohler. Und bei ihrem Schützling aus der 9e festigte die erfolgreiche Bewährungsprobe die Gewissheit, für das Landesfinale im Plenarsaal der Bremischen Bürgerschaft gut gerüstet zu sein. Beim Tennis- und Klavierspiel schaltete Clara Sandstedt ab.

Dort, wo so mancher Parlamentarier seine Meinung mithilfe eines Manuskripts äußert, standen dann bei der Bremer Endrunde der beiden Schüler-Altersgruppen jeweils vier Jugendliche an zwei Rednerpulten. Inhalte und Argumente mussten die Finalisten im Detail beherrschen, denn wer Pro oder Contra vertrat, war erst kurz vor dem Wettbewerb ausgelost worden. Die Frage für die Acht- bis Zehntklässler lautete: Sollen retuschierte Model-Fotos wie in Frankreich gekennzeichnet sein? Hintergrund: In unserem Nachbarland müssen Fotografen seit dem 1. Oktober 2017 angeben, ob Model-Fotos nachbearbeitet wurden. Das Retuschier-Verbot beziehungsweise das Kenntlichmachen von Bildbearbeitung soll helfen, die Magersucht zu bekämpfen.

In der 24 Minuten langen Debatte mit Eröffnungsrede, freier Aussprache und Schlussrunde waren vor allem Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft gefragt. Das eindeutige Votum der Jury lautete: Die Siegerin der Altersgruppe 1 heißt Clara Sandstedt.

100 Prozent Mädchenpower

Die Vegesacker Gymnasiastin hat inzwischen ein fünftägiges intensives Rhetorik-Training absolviert und fährt nach eigenen Worten gut vorbereitet zum Bundesfinale nach Berlin. Dort muss sie ebenso wie Emma Sallai und die beiden Erstplatzierten der Altersgruppe 2 (Jahrgangsstufe 11 bis 13), Anna Dudek (St.-Johannis-Schule) und Charlott Hallier (Altes Gymnasium) zunächst die Qualifikationsrunde überstehen, um zum Kreis der acht besten Debattanten aus ganz Deutschland zu gehören, die sich in zwei Gruppe im Bundesfinale gegenüberstehen. Auf alle Fälle ist das kleinste Bundesland in der Bundeshauptstadt mit 100 Prozent Mädchenpower vertreten.

Doch schon der Sieg im Landesfinale sei ein Riesenerfolg, lobt Heike Ohler die Leistung. Aus Bremen und Bremerhaven haben in diesem Schuljahr rund 3800 Schülerinnen und Schüler aus 30 Schulen am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilgenommen. Im gesamten Bundesgebiet waren es rund 200 000. „Jugend debattiert“ ist das größte privat finanzierte Projekt zur sprachlichen und politischen Bildung in Deutschland. Gute Debatten, so die Initiatoren, seien eine Voraussetzung für eine lebendige Demokratie und ein gelingendes Zusammenleben in unserer vielfältigen Gesellschaft.

Bürgerschaftspräsident Christian Weber sagte nach dem Landesfinale: „Heute hat man allerdings oft den Eindruck, dass derjenige eine Debatte gewinnt, der am lautesten schreit und den Gegenüber am häufigsten einen Lügner nennt.“ Deshalb freue er sich, so Weber, dass eine neue Generation hervorragender Rednerinnen und Redner heranwachse, die mit ihrem rhetorischen Können und ihrer Fachkenntnis ein Gewinn für jedes Parlament wären.

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