Tenever Eine besondere Einschulung für Adam und Eva

Tenever. Eine Einschulung der ganz besonderen Art – untermalt von Reden, Musik und in Anwesenheit zweier Paten, die diese Eingliederung der „neuen Schüler“ ermöglicht haben – gab es nunmehr in der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO). Der Bremer Rat für Integration (BRI) ist in Zusammenarbeit mit dem Gerhard-Marcks-Haus und der GSO in dem Projekt „Ist nackt schlimm?“ als Teil der Bundesinitiative „Alle Welt: Im Museum 2013“ dieser Frage nachgegangen.
25.09.2014, 00:00
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Von ANGELA SEEGERS

Eine Einschulung der ganz besonderen Art – untermalt von Reden, Musik und in Anwesenheit zweier Paten, die diese Eingliederung der „neuen Schüler“ ermöglicht haben – gab es nunmehr in der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO). Der Bremer Rat für Integration (BRI) ist in Zusammenarbeit mit dem Gerhard-Marcks-Haus und der GSO in dem Projekt „Ist nackt schlimm?“ als Teil der Bundesinitiative „Alle Welt: Im Museum 2013“ dieser Frage nachgegangen.

Die Klassen 7, 8, 10 und 11 der GSO – Bremens größter allgemeinbildender Schule mit Schwerpunkt Kunst – erarbeiteten im Kunstunterricht und im Bildhauermuseum von August bis Dezember 2013 unter Federführung ihrer Fachleiter Kunst, Regine Heygster, Judith Widmer und Wolfgang Rußek, eine Ausstellung, die in einer szenischen Darstellung der Schüler des zwölften Jahrgangs als Finissage im Januar ihren Abschluss fand.

Rückschau: Nach den Sommerferien 2013 zogen die beiden bronzenen Akte Adam und Eva des Bildhauers Gerhard Marcks aus dem Jahr 1954 als begleitende Galionsfiguren des Kunstprojektes „Ist nackt schlimm?“ in die GSO ein. Sie sollten als ständig sichtbare Herausforderung bei der Frage nach dem Nacktsein und den sich daraus den Schülern und Schülerinnen muslimischen und christlichen Glaubens ergebenden Fragen vor Ort präsent sein. Mit Abschluss des Projektes sollten die beiden im Februar dieses Jahres ins Gerhard-Marcks-Haus zurückgeholt werden. Franz Jentschke, Direktor der GSO, sagte damals: „Nein, das geht nicht, die beiden sind uns so ans Herz gewachsen“. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, versprach, die beiden Originale als Dauerleihgabe in der GSO zu belassen. Libuse Cerna, die sich als BRI-Vorsitzende intensiv mit der Thematik des Nacktseins gerade muslimischen Schülerinnen und Schülern gestellt hatte, begrüßte diesen Entschluss nachhaltig.

Am Tag der „Einschulung“ von Adam und Eva übernehmen Arie Hartog und Libuse Cerna deren Patenschaft. Die Bläserklasse 8.1 unter Leitung des Fachleiters Musik, Henning Grossmann, gestaltet den Auftakt. Da stehen die beiden Nackten inmitten der Musiker und Gäste, verziehen keine Miene und harren der Dinge, dass sie nun „Schüler“ der GSO werden.

Franz Jentschke, Direktor der GSO, verliest einen Brief der Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Eva Quante-Brandt, die an dieser Zeremonie nicht teilnehmen kann. Sie sagte aber zu, dass sie eine Tüte Paradiesfrüchte – Feigen und Äpfel – als Begrüßungspräsent vorbeischicken werde. Sie dankt in ihrem Schreiben Arie Hartog und Libuse Cerna für die Übernahme der Patenschaft und wendet sich in ihrem Brief an Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte der GSO, die dieses Kunstprojekt, das an der Schule eine so positive Resonanz gefunden hat, möglich gemacht haben. „Die Dauerleihgabe setzt ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der kulturellen Bildung und zeigt: Kunst und Kultur sind mitten in der Schule – und ganz besonders in Ihrer Schule – angekommen.“

Libuse Cerna hat Adam eine blaue Schultüte – gefüllt mit Süßigkeiten – gebastelt und drückt ihm diese in den Arm verbunden mit den Worten: „Adam wird hoffentlich ein guter Schüler, er ist ja sehr schweigsam. Sport wird ihm gut tun, weil er so schlaff dasteht.“ Zusätzlich werden Gutscheine für eine Lesung des Bremer Satirikers Osman Engin an Franz Jentschke übergeben.

Arie Hartog hat für Eva einen Werderschal mitgebracht und verkündet: „Eva wird auch nicht stören, weil sie nicht spricht. Ich überreiche heute Freikarten des Gerhard-Marcks-Hauses für die GSO. So kann jeder jederzeit zu den Öffnungszeiten ins Museum kommen und ist uns willkommen. Die Museen müssen bei der jungen Generation ihre Rolle finden und Museumspädagogik interessant machen. Wir sind auf einem guten Weg.“

Das Ganze wird in Anlehnung an die Devise „buten un binnen“ der bremischen Kaufmannschaft, die 1899 über dem Rundbogen des Schütting eingemeißelt wurde, mit den Worten „wagen un winnen“ abgerundet. Mit dem Song „Skyfall“ aus dem neuesten James-Bond-Film beenden die Bläser die Einschulungszeremonie.

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