Organisatoren des Festivals Maritim erwarten über 80.000 Besucher

Eine Bühne der Seemannsmusik

Bremen. Das Festival Maritim macht ganz Vegesack am Wochenende zur Bühne der europäischen Seamusic-Szene. Selbst auf der Fähre nach Lemwerder gibt es Konzerte.
31.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling
Eine Bühne der Seemannsmusik

„Harmony Glen“ hat sich im vergangenen Jahr selbst durch einen Stromausfall nicht die gute Spiellaune verderben lassen.

Volker Kölling coast communication, Volker Kölling

Das Festival Maritim macht ganz Vegesack am Wochenende zur Bühne der europäischen Seamusic-Szene. Selbst auf der Fähre nach Lemwerder gibt es Konzerte. Am Sonnabend sind Musikgruppen auch überall in der Fußgängerzone unterwegs. Große Bühnen stehen am Utkiek, im Stadtwald am Hafen und die Hauptbühne am Vegesacker Balkon im Stadtgarten. Auch im Strandlustgarten, an der Signalstation, auf dem Schulschiff Deutschland und im Spicarium wird gesungen und gespielt.

Vegesack steht am Wochenende ganz im Zeichen der maritimen Musik. „Ich mag es an der Weser zu spielen. Es ist ja nur ein Fluss, aber in Vegesack hat man mit den großen Schiffen das Gefühl, schon ganz nah am Meer zu sein,“ freut sich die schwedische Sängerin Karin Backlund auf das Festival Maritim. Zusammen mit ihrem Partner Richard Falk von der Gruppe „Karrik’s“ ist sie zum dritten Mal dabei. Falk weiß zu schätzen, dass „Seamusic“ in Deutschland noch populärer ist als in seiner Heimat Schweden, was er überall am Applaus merkt. Nur mit Gitarre und Gesang bringen die beiden mit einem schwedischen Kinderlied die Anwesenden bei der Vorstellung des Festivalprogrammes am Mittwoch denn auch zum Mitklatschen.

Als Partnerland des Festivals Maritim geben die Schweden am Freitag nach der Eröffnung um 19 Uhr durch „Karrick’s“ am Vegesacker Balkon den ganzen Abend den Ton an: Dabei dürfte der Dezibelpegel mit tanzbarem Folkpop der Gruppe „Skrömta“ ab 20.30 Uhr schon steigen, bis dann um 22.30 Uhr die Folkpunker von „Sir Reg“ dran sind. Wer es temporeich mag, ist am Freitag auch am Utkiek ab 20.30 Uhr bei den „Pyrates“ gut aufgehoben. Direkt danach, um 22.30 Uhr, sind hier „Harmony Glen“ dran, die sich im vergangenen Jahr selbst durch einen Stromausfall nicht die ansteckend gute Spiellaune verderben ließen.

350 Musiker aus ganz Europa

Für Harmony-Glen-Bassist Dominique Bentvelsen hat die gute Stimmung viel mit dem Aufbau des Festivals zu tun: „Ich mag, dass man herumgehen kann wie in einem Park und durch die Stadt bummelt. Das ist ganz anders als auf den eher engen und vollgestopften Festivals, auf denen wir sonst spielen.“ Nach Auftritten in England, Irland, Frankreich und Norwegen sei es für die Niederländer in Vegesack schon ein bisschen so, als wenn sie nach Hause kämen: „Und da trifft man dann auch die ganzen anderen Crews, die wie wir durch die Welt gesegelt sind.“

Die 350 Musiker aus ganz Europa geben Vegesack von der maritimen Meile bis tief hinein nach Vegesack einen einmaligen internationalen Touch. 170 Konzerte sind es offiziell. Ungezählt bleiben die spontanen Sessions, zu denen es immer wieder in Kneipen, auf Plätzen oder auf der offenen Promenade kommt. Wie Richard Falk und Dominique Bentvelsen schätzen viele Musiker an dem Festival in Vegesack, dass sie unkompliziert auch mit anderen Musikern zusammen kommen: „Viele sind drei oder noch mehr Tage da wie wir jetzt auch mit unseren Kindern. Da hat man einfach auch Zeit, sich auszutauschen,“ so Richard Falk.

Das gipfelt dann jedes Jahr am Sonntag im Shanty-Slam ab 20.30 Uhr am Vegesacker Balkon. Vor dem großen Höhenfeuerwerk gegen 22.20 Uhr wird gemeinsam gesungen und Shantyklassiker werden geradezu gerockt. Festivalmacher Fritz Rapp weiß schon genau, was nach dem letzten Takt passiert: „Dann stehen die Musiker bei mir Schlange und fragen, ob sie nächstes Jahr wieder dabei sein dürfen.“ Tatsächlich setzt Rapp jedes Jahr auf einen Mix von bekannten Größen und neuen Gruppen. Die guten Shantychöre aus der Region wie Hart Backbord oder der Beckedorfer Schifferknoten haben genauso ihren festen Platz auf dem Festival Maritim wie niederländische Stammgäste der Gruppen „Paddy’s Passion“ oder „Brakzand“.

Zur 16. Ausgabe des Festival Maritim wollen die Veranstalter vom Verein Vegesack Marketing die 80 000-Zuschauer-Marke des Vorjahres knacken. Maike Lucas von der Bremer Tourismus Zentrale hat das Festival dafür landauf, landab beworben: „Für uns Touristiker zählt das Festival Maritim zu den zwölf wichtigsten Veranstaltungen im Land Bremen, und wir wissen, dass viele Gäste von außerhalb heute extra dafür nach Bremen kommen.“

Bremens oberster Marketingmann Klaus Sondergeld sieht denn auch die 50 000 Euro an öffentlicher Förderung als gut angelegte Investition. Er habe bei einer Eröffnung mal neben einer Frau aus Stuttgart gesessen: „Die Dame war schon zum dritten Mal des Festivals wegen nach Bremen gekommen. Da weiß man dann, dass das hier funktioniert.“

Und es gehe schließlich auch um ein wichtiges Ereignis, um in Bremen Nord Identität zu stiften und das Selbstbewusstsein zu stärken. Vegesack-Werber Fritz Rapp umschreibt das so: „Wirklich jeder in Vegesack trägt dieses einmalige Festival mit. Viele lieben es.“

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