Projekt "Familienklasse" in Bremen Eine Chance für Schüler und Eltern

Das Projekt „Familienklasse“ gibt es in Bremen seit 2008. Zunächst gefördert durch Europäische Sozialfonds (ESF) und den Bund, wird es seit einigen Jahren ausschließlich aus dem Bremer Haushalt finanziert.
07.03.2016, 06:30
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Eine Chance für Schüler und Eltern
Von Frauke Fischer

Das Projekt „Familienklasse“ gibt es in Bremen seit 2008. Zunächst gefördert durch Europäische Sozialfonds (ESF) und den Bund, wird es seit einigen Jahren ausschließlich aus dem Bremer Haushalt finanziert.

Die „Familienklasse“ soll Kindern und Eltern helfen, die Gründe für Unlust, Schwänzen oder andere Formen der Schulvermeidung zu erkennen und Ziele aufzustellen, um wieder erfolgreich am Unterricht teilzunehmen.

Der Weg von Schulkindern und ihren Eltern führt immer über die Klassenlehrerinnen oder -lehrer, erzählt Carolin Winter. Sie ist eine der pädagogischen Leiterinnen der drei Familienklassen, die es derzeit in Bremen gibt, und zwar an der Schule am Park, an der Neuen Oberschule Gröpelingen und an der Schule Helgolander Straße. Unter dem Motto „Neue Chance West“ ist es Bildungsprojekt der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft WabeQ. Als Carolin Winter das Projekt im vergangenen Jahr an der Schule am Park vorstellte, traf sie bei Schulleiterin Monika Steinhauer, Ilka Töpfer, Tilmann Schneider und ihren Kollegen auf große Bereitschaft.

„Es ist ein hilfreiches Angebot“, sagt Steinhauer. „Wir können dadurch den Kontakt zu den Eltern intensivieren. Die Familienklasse ist ein richtig guter Türöffner.“ Viele Mütter und Väter hätten früher selbst schlechte Erfahrungen mit Schule gemacht, die Schwelle sei hoch, sich mit Schule erneut zu beschäftigen. Mit dem Projekt schaffe man es einerseits, die Beziehung zwischen Eltern und Schule beziehungsweise Bildung und andererseits zwischen Eltern und ihren Kindern zu stärken, so Steinhauer.

Eltern in die Verantwortung nehmen

Längst nicht immer ist es so, dass Kinder klassisch schwänzen, auch die sogenannte passive Schulvermeidung ist ein Thema, das die Pädagogen rechtzeitig angehen wollen. Da ist das Mädchen, das ständig zur Toilette läuft und damit Unruhe in der Klasse verbreitet, der Junge, der nie am Platz bleibt, laut dazwischenredet und damit stört. Andere wiederum melden sie nie zu Wort, machen sich klein, um ja nicht wahrgenommen zu werden.

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„Wir wollen Eltern eine Chance geben und sie in die Verantwortung nehmen“, sagt Ilka Töpfer. Sie selbst hat in einem Fall eine schnelle positive Verwandlung erlebt. „Bei einem Schüler war das nach dem ersten Besuch in der Familienklasse spürbar. Er macht stärker mit, die Mappe ist in Ordnung. Man merkt: Er ist stolz auf sich“, sagt Ilka Töpfer. Auch Antje Herms, die an der Helgolander Schule in der Familienklasse arbeitet, erlebt solche Verwandlungen. „Wenn ich frühere Teilnehmer auf dem Schulhof treffe, sind sie oft ganz selbstsicher geworden.“ Und ihre Kollegin Carmen Brunßen aus der Neuen Oberschule Gröpelingen bestätigt: „Mit den festgelegten Verhaltenszielen machen wir überwiegend positive Erfahrungen.“ So geben sich die Schüler gemeinsam mit Eltern und Pädagogen vor, was sie erreichen wollen: pünktlich sein, still sitzen, Mappen ordentlich führen, Mitschüler und Lehrer ausreden lassen, niemanden beleidigen. Das Einhalten der Ziele ist ein Erfolgserlebnis.

„Für 65 bis 70 Prozent haben wir eine nachweisbare Reintegration“, sagt Elke Janzon, die das Projekt für die WabeQ steuert. Soll heißen: Rund zwei Drittel der Schüler gehen nach den zwölf Besuchen der Familienklasse anders in den Unterricht zurück. Es gibt indes auch Fälle, in denen diese Hilfe nicht greift. „Doch auch das bringt uns eine Erkenntnis“, sagt Steinhauer. Man überlege dann, ob andere Maßnahmen hilfreich sein könnten.

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