Wenn Knopfzellbatterien verschluckt werden

Eine Gefahr für Kinder

Bremer Kinderarzt warnt: Beim Verschlucken von Knopzellbatterien können diese in der Speiseröhre stecken bleiben und dort nach kurzer Zeit schwere Verätzungen verursachen. Die Zahl dieser Fälle steige.
19.12.2019, 20:23
Lesedauer: 3 Min
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Eine Gefahr für Kinder
Von Sabine Doll
Eine Gefahr für Kinder

Wenn Kleinkinder solche Minibatterien verschlucken, können sie schwere Schäden anrichten.

Stephanie Pilick/dpa

Elektronische Geräte und Spielzeug, vor allem wenn es blinkt und schrillt, üben auf Kinder eine besondere Faszination aus. Die meisten dieser Geräte werden heute von Knopfzellbatterien angetrieben, die für Kleinkinder lebensgefährlich werden können, wenn sie verschluckt werden. „Solche Fälle nehmen zu, erst vor Kurzem mussten in den Bremer Kinderkliniken zwei Kinder als Notfälle behandelt werden“, warnt Martin Claßen, Chefarzt der Prof.-Hess-Kinderklinik und des Klinikums Links der Weser in Bremen.

Claßen sitzt außerdem der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung vor, die gerade vor dem Weihnachtsfest Eltern noch einmal auf die Gefahren aufmerksam machen will. „Natürlich ist das übers ganze Jahr ein Thema, aber zu Weihnachten wird oft Spielzeug verschenkt, das mit solchen Batterien betrieben wird“, sagt der Arzt. Durch die zunehmende Verbreitung der Batterien in allen Lebensbereichen kämen Kinder vermehrt mit ihnen in Kontakt. Auch in Lichterketten, Fernbedienungen oder Autoschlüsseln seien sie enthalten.

Verätzungen der Schleimhaut

„Ein besonders großes Risiko besteht für Kleinkinder beim Verschlucken größerer Knopfzellen mit etwa zwei Zentimetern Durchmesser, weil diese in der engen Speiseröhre stecken bleiben können“, erklärt Claßen. „Dort richten sie massive Schäden an. In vielen Fällen sieht die Speiseröhre nach kurzer Zeit des Kontakts mit dem Strom der Batterie verheerend aus. Es kommt zu massiven Verätzungen der Schleimhaut. Folgen sind Entzündungen, Engstellen oder sogar ein Durchbruch in die Nachbarorgane“, so der Arzt. Im schlimmsten Fall könnten diese Schädigungen sogar tödliche Folgen haben. Schon innerhalb einer Stunde sei bei den größeren Batterien mit drei Volt Spannung ein Schaden unvermeidbar. Nach zwei bis drei Stunden komme es zu schweren Verätzungen.

Die medizinische Fachgesellschaft hat laut ihrem Bremer Vorsitzenden Zahlen aus Kinderkliniken im gesamten Bundesgebiet ausgewertet: „Die Studien zeigen, dass die Zahl der Unfälle mit diesem Batterietyp steigt. Statistisch kommt es danach in Deutschland pro Jahr zu 50 bis 60 solcher Ereignisse, ein Kind stirbt an den Folgen“, so Claßen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat vor einem Jahr ebenfalls vor Gesundheitsschäden durch verschluckte Knopfzellbatterien gewarnt und eine Zunahme der Unfälle festgestellt: In den vergangenen zehn Jahren seien dem Institut mehrere Hundert Fälle von Kliniken und Giftinformationszellen mitgeteilt worden, bei denen es zum Verschlucken von Knopfzellbatterien gekommen sei.

Entladungstrom verletzt Speiseröhre

Die Schäden an der Speiseröhre, wenn die Batterien dort stecken bleiben, werden nach Angaben des Bundesinstituts vor allem durch den Entladungsstrom ausgelöst. Durch den Kontakt der Batterien mit den feuchten Schleimhäuten komme es zum Stromfluss. An der Grenzfläche zwischen Knopfzelle und Schleimhaut entstünden sogenannte Hydroxidionen, die zu schwerwiegenden Verätzungen führen könnten. Je stärker die Batterie geladen sei, desto ausgeprägter seien diese Schäden.

„Wenn ein Kind eine Batterie verschluckt, ist das immer ein akuter Notfall“, betont Claßen. „Je schneller die Batterie entfernt wird, desto geringer ist der Gewebeschaden.“ Außerdem sei es sehr schwierig, die Batterie zu entfernen, wenn das Gewebe bereits schwer geschädigt sei – die Batterie brenne sich regelrecht in die Schleimhaut ein.

Der Bremer Klinikleiter und Vorsitzende der medizinischen Fachgesellschaft appelliert an Eltern, sofort den Notruf 112 zu wählen, wenn eine Batterie verschluckt wurde.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten die Batterien etwa nach einem Wechsel nicht herumliegen. Und: „Geräte wie Fernbedienungen sollten so gesichert werden, dass Kinder nicht an die Knopfzellbatterien kommen. Der Deckel zum Batteriefach kann zum Beispiel mit starkem Klebeband verschlossen werden“, rät Claßen. Die Fachgesellschaft fordert außerdem, die Hersteller zu mehr Sicherheit zu verpflichten: Die elektronischen Geräte müssten mit Warnhinweisen versehen werden, die Pole unbenutzter Batterien abgedeckt sein – und die Batteriedeckel nur mit Werkzeug geöffnet werden können, fordert Claßen. „Bei einigen wenigen Geräten gibt es so etwas bereits, aber das muss unbedingt flächendeckend Standard sein.“

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