Restaurantbesprechung

Eine Lobby mit ungeahnten Ausmaßen

Das Restaurant Lobby in Bremen ist schon allein wegen seiner Opulenz im Atrium eine Schau. Wer hier sitzt, wird aufgrund des riesigen Raumes gefesselt. Die Küche bietet Steak und Burger in vielen Variationen.
27.03.2019, 20:23
Lesedauer: 3 Min
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Eine Lobby mit ungeahnten Ausmaßen
Von Marcel Auermann
Eine Lobby mit ungeahnten Ausmaßen

Kamil Atalar, Sous-chef im Restaurant The Lobby, präsentiert einen Burger.

Frank Thomas Koch

Wir kamen uns so klein vor. Ja, fast schon mickrig. Denn diese Lobby ähnelt nicht denen, die der Gast aus vielen anderen Hotels kennt. Um die Ausmaße dieser Halle auf uns wirken zu lassen, ließen wir uns erst einmal in unsere Stühle fallen, lehnten uns kommod zurück, legten den Kopf in den Nacken und schauten nach oben. Nach ganz weit oben.

Das Atrium des Radisson Blu, in dem sich das Restaurant befindet, ist spektakulär. Es handelt sich um eine Halle, die sich über mehrere Stockwerke erstreckt und die noch riesiger erscheint, weil Lampen an langen Kabeln und farbig beleuchtete Vorhänge von der Decke hängen, die alles noch mehr strecken. Ganz unten, fast winzig im Vergleich zu dieser Größe, sitzen die Gäste. Dieser Blick in die Höhe ist einfach – wow!

Ein lässiger Stil

Zum Konzept eines amerikanischen Steak- und Burgerlokals passt das Ausladende. Es darf gerne alles etwas üppiger und größer sein als man es gemeinhin kennt. Klare Formen, warme Farben und der offene Raum kreieren einen lässigen Stil, der dennoch nicht das Übliche eines Restaurantbesuchs auslässt.

Wir starteten mit einem leider etwas zu labberigen Zwiebelbaguette, das die Kellnerin in einer Papiertüte auf den Tisch stellte. Dazu gossen wir aus einer Flasche Öl in ein kleines Keramikschälchen und tunkten. Aber wir hatten schon aromatischeres Olivenöl. Der Kürbis-Cappuccino (6,50 Euro) mit einer ordentlichen Schaumhaube, einer feinen Note Curry und einem Stück Hähnchenfleisch, aufgespießt auf einer Zitronengrasstange, überzeugte meine Begleitung hingegen mehr.

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Mein Carpaccio (12,50 Euro) machte der Koch aus grandiosem Rindfleisch, das eine vorbildliche Maserung besaß und deshalb fast cremig auf der Zunge zerging. Der Rucola, der Parmesan und die Pinienkerne verhalfen dem Gericht zur nötigen Würze, die ansonsten gefehlt hätte. Vor allem frisch gemahlener Pfeffer gehörte unbedingt noch darüber, was die Mühle auf dem Tisch erledigte.

Als Hauptspeise wählte meine Begleitung ein 250 Gramm schweres Flanksteak vom US-Beef (26 Euro). Es handelte sich um ein wundervolles Stück Fleisch, perfekt medium gebraten. Alle Grillgerichte werden im The Lobby mit Rosmarinkartoffeln, Kräuterschmand, Barbecuesoße und einer leider zu sehr in Vergessenheit geratenen Café-de-Paris-Butter serviert. Alles zusammen ergab das eine ordentliche Portion, die gut sättigte.

Kompakter Rotwein aus Frankreich

Ich wollte unbedingt einen Burger aus der abwechslungsreichen Speisekarte. Das Angebot reichte vom Klassiker über spezielle Kreationen, der Hausmarke „The Lobby Burger“ bis hin zur vegetarischen Variante. Mich sprach der „Samurai Salmon Burger“ (14,50 Euro) an. Dahinter verbarg sich ein 180 Gramm schwerer gegrillter Lachs, auf dem eine Portion Ingwer lag.

Zur Würze trugen eine Teriyakisoße, Koriander und eine Wasabi-Mayonnaise bei. Alles lag in einem halbierten Sesambrötchen. Dazu bestellte ich mir zu einem Aufpreis von 3,50 Euro Spanish-Fries, die ihren Geschmack durch eine Art Karamellisierung erhielten. Die Beilage stellte eine gute Alternative zu den üblichen Pommes frites dar.

Zu beiden Gerichten passte der kompakte Rotwein aus Frankreich, der schon allein wegen seines Namens eine Schau war. Der Arrogant Frog (0,2 Liter für 9 Euro) war ein Cabernet Sauvignon mit einem ausgewogenen Beeren- bis Pflaumengeschmack, der aber nicht die Gerichte überlagerte.

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Bei den Desserts hatten wir schnell eine Wahl getroffen. Es standen exakt zwei auf der Karte. Zählt man „Ben & Jerry“-Eis hinzu, sind es drei. Das empfanden wir als traurig, zumal ja gerade die amerikanische Küche, die im Lobby Vorbild sein soll, eine Fülle an Süßkram bietet. Also stand ein Schokoladenkuchen (7 Euro) vor uns, der im Innern allerdings noch sehr speckig und fest war. Dazu legte der Koch ein Mascarponeeis, das herrlich cremig schmeckte und eine elegante Note Zimt versprühte. Den zweiten Nachtisch bildete ein Cheesecake (7,50 Euro), der auf dem Teller landete, wie er sein muss: locker und mit einem kräftigen Frischkäsequarkgeschmack. Das intensive, fruchtige Mangosorbet rundete dieses Dessert ab.


Fazit: Das Restaurant Lobby in Bremen ist schon allein wegen seiner Opulenz im Atrium eine Schau. Wer hier sitzt, wird aufgrund des riesigen Raumes gefesselt. Die Küche bietet amerikanische Steak- und Burgergerichte in allen möglichen Variationen.


The Lobby, Böttcherstraße 2, 28195 Bremen, Telefon: 0421 3696620, Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 22.30 Uhr, barrierefrei, Internet: www.thelobby-restaurant.de

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