Im grünen Bereich

Zwiegespräch mit dem Gartenzwerg

Vier Jahre lang ist die Kolumne „Im grünen Bereich“ im WESER-KURIER erschienen. Nun gibt es neue Folgen. Im ersten Teil streitet die Autorin mit einem Gartenzwerg, der viele gute Tipps fürs heimische Grün hat.
05.04.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Zwiegespräch mit dem Gartenzwerg
Von Patricia Brandt
Zwiegespräch mit dem Gartenzwerg

Der Gartenzwerg hat viel an der Gestaltung des Gartens, von Patricia Brandt zu kritisieren.

Herr Gartenzwerg mit Angel, Sie stehen schon seit einiger Zeit hier am Teich. Genießen Sie Ihr Leben in unserem schönen Garten?

Gartenzwerg mit Angel: Was für eine blöde ­Frage. Natürlich nicht. Wissen Sie eigentlich, dass mir eins Ihrer Gören erst gestern wieder einen Ball an den Kopf geschossen hat?

Verzeihen Sie, das war bestimmt keine Absicht.

...und was heißt hier ‚schöner‘ Garten? Der Teich ist eine etwas bessere Pfütze. Außerdem hätten Sie sich wenigstens heimische Fischarten anschaffen können: Moderlieschen, Bitterling – was in der Richtung. Nicht diese nutzlosen Glupscher.

Was haben Sie denn gegen Goldfische?

Die vermehren sich wie die Karnickel und – schwuppdiwupp – ist der Teich voll. Und dann fahren Sie los und setzen die Glupscher im nächsten Bach aus. Die heimische Tierwelt wird verdrängt und wer ist schuld? Genau: Sie!

Aber ich setze doch keine Goldfische aus!

Pah, das sagen sie alle.

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Lassen Sie uns das Thema wechseln. Was halten Sie von meinem neuen Staudenbeet? Ich habe es gerade erst für Bienen angelegt.

Hab’ ich mitbekommen – wie übrigens alle 1354 Telefonate mit Ihrer Mutter. Können Sie nicht mal woanders telefonieren als immer auf der Terrasse? Und was Ihr Beet betrifft: Was soll dieser Plastikfrosch darin? Ich dachte erst, Sie wollten mir mit dem Ding Angst einjagen. ­Haben Sie schon mal einen halben Meter großen Frosch gesehen?

Wir sollten das Gespräch jetzt abbrechen.

Sie sind zu empfindlich. Als Gärtnerin müssten Sie abgehärteter sein. Es ist offensichtlich, dass Sie ein Problem haben.

Ich habe ein Problem? Welches Problem denn?

Sie kaufen grauenvoll kitschige Plastiktiere und stellen sie in die Rabatte, weil es keine echten Tiere in Ihrem Garten gibt. Das zeigt doch deutlich, dass Ihr Herz sich nach einer heilen Tierwelt sehnt.

Sie meinen, ich fülle eine Lücke mit Polyresin?

Das ist der Punkt.

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Reden Sie jetzt übers Insektensterben?

Unter anderem. Aber auch die dicke Amsel kommt nicht mehr so oft.

Ich bitte Sie, schauen Sie sich um: Rasen, Rosen, Stauden, Bäume… alles im grünen ­Bereich!

Hören Sie bloß auf. Da wird einem ja ganz schlecht bei so viel Ignoranz. Das reicht doch alles nicht. Sie brauchen noch viel mehr wilde Ecken und Brennnesseln. Sie brauchen unbedingt Brennnesseln.

Darf ich fragen, warum Sie überhaupt noch hier sind, wenn Sie meinen Garten so fürchterlich finden?

Dürfen Sie. Ich warte nur noch auf Franz, Hans und Bärli. Wir wollen zusammen die Alpen überqueren. Einsame Höhen, schneebedeckte Gipfel, blühende Bergwiesen ... ich kann es kaum erwarten.

Werden Sie denn wieder zu uns zurückkommen?

Kommt drauf an.

Worauf?

Ob Sie mir eine Frau besorgen. Ich nehme gern die Exhibitionistin aus bruchfestem PVC. Ich mag die blonden Haare.

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Das Gespräch führte Patricia Brandt.

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Sie wollen wissen, warum Gartenarbeit besser ist als Sex und warum man im Bremer Umland den Kompost im Kofferraum herumfährt? Sie haben reichlich Giersch-Smoothe formvollendet trinken? Hier finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen. Die 50 besten Kolumnen unserer Redakteurin Patricia Brandt aus dem WESER-KURIER. Dazu 52 Illustrationen von Sabine Rosenbaum. Das Magazin ist in Corona-Zeiten erhältlich in unserem Onlineshop auf www.weser-kurier-de/shop und telefonisch unter 0421/36716616. 120 farbige Seiten, 9,80 Euro. ISBN 978-3-9821218-0-6.

Weitere Informationen

Zum Start der Freiluftsaison gibt es fünf neue Folgen der Kolumne „Im grünen Bereich“. Dies ist die erste Folge.

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