Gastkommentar über das Schwimmkonzept Eine Reduzierung der Wasserflächen ist kontraproduktiv

Die Hälfte der Bremer Grundschüler können nicht sicher schwimmen. Doch die Lösungsvorschläge der Sportsenatorin sind fragwürdig, meint Gastkommentatorin Beke Wehrt.
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Von Beke Wehrt

Nach sechs Badetoten in diesem Jahr nun der Ruf nach einer Ausweitung des Schwimmunterrichts. Gut die Hälfte der Bremer Grundschüler kann derzeit nicht sicher schwimmen. Positiv ist, dass das Thema in den Fokus der politischen Diskussion gerückt ist, fragwürdig sind die Lösungsvorschläge.

Was hilft eine Vorverlegung des Schwimmunterrichts von der 3. in die 2. Klasse, wenn der Schulunterricht die Grundfertigkeiten bei zu großer Gruppenstärke und zu langen Zeitintervallen zwischen den Lerneinheiten nicht vermitteln kann? Was nützen mehrsprachige Info-Materialien für die Eltern nichtschwimmfähiger Kinder, wenn die Kapazitäten der angebotenen Schwimmkurse nicht ausreichen, wenn die erforderlichen Wasserflächen fehlen und wenn die Eintrittspreise in den Schwimmbädern das Familienbudget überschreiten?

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Dem Schwimmkonzept der Sportsenatorin fehlt die Basis – besser: die Wasserfläche. Mit der im Bäderkonzept geplanten Veränderung des Bäderangebots werden die Bemühungen um eine Verbesserung der Schwimmfähigkeit konterkariert. Die Vereine klagen über nicht ausreichende Wasserflächen in den Bremer Bädern. Die Anmeldung für einen Schwimmkurs ist mit monatelangen Wartezeiten verbunden. Wie wird es erst aussehen, wenn mit den geplanten Neubauten in Walle und Horn und der Schließung von Uni- und Studiobad weitere Wasserflächen verloren gegangen sind?

Ein Schwimmlehrbetrieb erfordert ein separates Becken mit Stufenzugang und variablen Wassertiefen. Die Pläne für das Westbad und das Horner Bad sehen jedoch kein für Öffentlichkeit und Vereine zugängliches Lehrschwimmbecken vor. Stattdessen fallen das Nichtschwimmerbecken im Waller Bad, das Lehrschwimmbecken im Unibad, das Studiobad an der Universität und das Nichtschwimmerbecken des Horner Freibades der aktuellen Planung zum Opfer.

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Das senatorische Schwimmkonzept ist bei Weiterverfolgung des Bäderkonzepts zum Scheitern verurteilt, weil es die Verantwortung für das Schwimmenlernen an Eltern und Vereine delegiert und die infrastrukturellen Voraussetzungen zerstört. Dass das Nutzungskonzept für das neue Horner Kombibad schon jetzt eine Steigerung des Eintrittspreises auf 5,90 Euro für Erwachsene bzw. 4,10 Euro für Kinder vorsieht, setzt dem Ganzen die Spitze auf. Das Bäderkonzept geht von einem sinkenden Bedarf an Schwimmflächen aus. Angesichts der vom Statistischen Landesamt ausgewiesenen deutlichen Zunahme der Schülerzahlen ist es längst überholt und gehört schnellstmöglich zu den Akten gelegt.

Info

Zur Person

Unser Gastautorin Beke Wehrt ist Mitglied der Bürgerinitiative „Pro Unibad“. Die Initiative setzt sich seit 2014 für die Revision des Bäderkonzeptes ein und hat mehrere Petitionen zum Erhalt des Unibades initiiert.

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