Zum Probespiel auf der Bahrsplate kommen auch jugendliche Flüchtlinge / Ton der Debatte verschärft sich

Eine Runde Disc Golf

Blumenthal. Am Nachmittag auf der Bahrs-plate: Fünf mobile rote und blaue Behälter, die an Kinderkarussells erinnern, stehen auf der Wiese. Etwa 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene versuchen sie zu treffen, mit Frisbee-Scheiben.
22.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Imke Molkewehrum
Eine Runde Disc Golf

Sieht so einfach aus, ist aber schwierig: Mit einer Frisbeescheibe den Wurfkorb treffen. Disc Golf nennt sich diese Sportart. Zur Diskussion steht, ob eine feste Anlage auf der Bahrsplate installiert wird. Zum Probespiel kamen auch jugendliche Flüchtlinge.

Andreas Kalka

Am Nachmittag auf der Bahrs-plate: Fünf mobile rote und blaue Behälter, die an Kinderkarussells erinnern, stehen auf der Wiese. Etwa 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene versuchen sie zu treffen, mit Frisbee-Scheiben. In den Teams: Politiker, Mitglieder des Präventionsrats und jugendliche Flüchtlinge. Das Probespiel unter Anleitung von Experten aus Woltmershausen soll zeigen: Disc Golf macht Spaß und ist ein Gewinn für Blumenthal. Besonders eifrig sind 15 junge Männer aus Afghanistan, Somalia, Syrien und Gambia. Sie haben den Dreh schnell raus. Peter Nowack, Blumenthals Ortsamtsleiter, tut sich beim ersten Wurf noch schwer: „Oh, nicht so hoch.“

Die Idee, auf der Bahrsplate, eine Disc-Golf-Anlage zu installieren, trifft nicht bei allen Beiratsmitgliedern auf Zustimmung (wir berichteten). Das Wurfspiel, bei dem Frisbee-Scheiben von definierten Standpunkten aus in Zielkörbe geworfen werden, berge Risiken für Passanten, so die Kritik von Anke Krohne (Linke). Auch Fritjof Balz, Fraktionssprecher der Bürger in Wut (BIW) hat Bedenken und erklärt, dass sich seine Partei „in aller Form gegen die Installation einer solchen Anlage auf der Bahrs-plate“ ausspreche.

Stattdessen beantragen die BIW eine „Umsetzung dieser Anlage auf dem ehemaligen Brenor-Gelände“. Hier könne eine Fangzaun „Schäden und Verletzungen an Unbeteiligten ausschließen“, so Balz. Zudem befinde sich in der Nähe „eine Minigolfanlage, welche wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden kann“. Und die ehemalige Tennishalle des Blumenthaler Tennisvereins könne als Indoorspielplatz genutzt werden, schlägt der BIW-Sprecher vor. Der Verbund dieser Einrichtungen können dazu beitragen, „den Stadtteil familienfreundlicher zu machen und neuen Unternehmen eine Perspektive bieten“. Aus den daraus „resultierenden Steuereinnahmen und entstehenden Arbeitsplätzen“, könne dann auch die Korbanlage finanziert werden, hofft Balz.

Den BIW-Vorschlag erachtet SPD-Beiratsmitglied Alex Schupp hingegen als „nicht durchdacht“. Blumenthal werde gegebenenfalls „einen zentral gelegenen Platz für künftige Veranstaltungen verlieren“. Außerdem sei der Platz für eine Disc-Golf-Anlage viel zu klein. Seinem Unmut macht Alex Schupp schließlich in direkter Ansprache Luft und wendet sich an Fritjof Balz. „In der Vergangenheit war ich es eigentlich gewohnt, dass unbrauchbare Vorschläge in der Hauptsache von Frau Krohne kamen, aber sie können diesen Part in der Kommunalpolitik sehr gut übernehmen“, teilt Schupp schriftlich mit.

„Die Idee von Fritjof Balz ist grundsätzlich nicht schlecht“, meint Ortsamtleiter Peter Nowack. „Aber das haben wir alles schon gehabt vor ein paar Jahren.“ Für solche Vorhaben seien Investoren vonnöten, die zwei Millionen Euro in die Hand nähmen und eine Vorlaufzeit von drei Jahren akzeptierten. „Man bräuchte beispielsweise einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan“, erläutert Nowack. Im Übrigen habe schon der vorherige Betreiber der Minigolfanlage betont, dass er das Ganze nur als Hobby betrachtet habe. Nowack: „Das ist nicht wirtschaftlich zu betreiben.“

Und Nowack liefert noch ein weiteres Argument gegen den Plan der Bürger in Wut: „Die Leute müssten dort Eintritt zahlen, während auf der Bahrsplate jeder spielen kann: Jung und alt spielen zusammen, Deutsche und Migranten – das ist das Ziel.“ Vorbild sei dabei die Disc-Golf-Anlage auf dem linken Weserufer in Woltmershausen. Dort gebe es eine 18-Korb-Anlage und Erfahrungswerte mit etwaigen Risiken. Michael Rollnick, der 2011 am Bau der Woltmershauser Anlage im Weseruferpark beteiligt war, habe den Blumenthaler Initiatoren vorab berichtet, dass es links der Weser bei zigtausend Würfen lediglich eine Fersenverletzung gegeben habe. „Wer will denn auch jemand anderen absichtlich eine Scheibe an den Kopf werfen“, fragt sich Nowack. „Das ist doch Blödsinn.“ Der älteste Spieler des Woltmershauser Vereins „Drehmoment“ sei übrigens schon 85 Jahre alt und der Sohn des Präsidenten David Lizotte gehöre zu den Top Ten der Weltrangliste.

Lizotte ist Kanadier und zeigt den Probespielern auf der Wiese verschiedene Wurftechniken. „Man spielt nicht, wenn Leute gefährdet sein könnten“, mahnt er und legt einen eleganten und weiten Wurf hin. „Ich bin geplagt von Arthrose, kann aber trotzdem spielen“, sagt er und guckt der Scheibe hinterher.

Eine fest installierte Disc-Golf-Anlage könne auf der Bahrsplate mit Geldern des Präventionsrates und der Förderstiftung Bürgerverein Blumenthal finanziert werden, erzählt Peter Nowack. Eine einmalige Investition in Höhe von knapp 10 000 Euro sei nötig.

„Die Unterhaltskosten sind minimal, weil die neun Metallkörbe sehr stabil sind und die Abwurfpunkte auf die Wege kommen“, versichert Nowack. „Und was spricht dagegen, die Anlage später auszubuddeln und umzusetzen“, sollte sich für Brenor-Gelände doch ein Investor finden? Vorerst gelte es aber, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. „Wir haben das Geld jetzt zusammengekratzt und wollen das verwirklichen, um etwas Einzigartiges in Blumenthal zu schaffen“.

Tatsächlich finden auch einige Probespieler schnell Gefallen an der eigentümlichen Sportart. Die Teams wandern gemeinsam zu den einzelnen Abwurfstationen, um auf die Körbe zu zielen. „Viel Spaß“, ruft eine Radfahrerin den jugendlichen Spielern zu und winkt freundlich. Derweil sprinten einige Kinder den Wurfscheiben hinterher, um sie einzusammeln.

Vier Jugendliche applaudieren derweil ihrem Teamkollegen, der eine Frisbeescheibe erfolgreich versenkt hat. Und am Abend wollen sie alle noch gemeinsam grillen. Peter Nowack freut sich über die gute Stimmung: „Das sind alles gute Jungs. Wir hoffen, dass Bremen-Nord in Zukunft ihre Heimat ist. Wir brauchen viele junge Talente.“

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