Deiche an der Weser werden bis 2025 erhöht / Land und Bund teilen sich Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro Eine Stadt schützt sich vor dem Fluss

Um auf einen steigenden Meerwasserspiegel vorbereitet zu sein, erhöht Bremen derzeit die Deiche. Der Küstenschutz kostet rund 200 Millionen Euro – Geld, das sich Land und Bund teilen. Von den 50 Kilometern, die erhöht werden müssen, sind zehn bereits geschafft. Demnächst stehen Bauarbeiten an der Schlachte an.
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Schlesselmann

Um auf einen steigenden Meerwasserspiegel vorbereitet zu sein, erhöht Bremen derzeit die Deiche. Der Küstenschutz kostet rund 200 Millionen Euro – Geld, das sich Land und Bund teilen. Von den 50 Kilometern, die erhöht werden müssen, sind zehn bereits geschafft. Demnächst stehen Bauarbeiten an der Schlachte an.

Bremen. „Hochwasserschutz ist die wichtigste Infrastrukturmaßnahme in Bremen“, sagt Wilfried Döscher, Geschäftsführer vom Deichverband am rechten Weserufer. Ohne Deiche würden 90 Prozent des Stadtgebietes bei Hochwasser überschwemmt. Seit 2007 wappnet sich die Stadt gegen einen steigenden Meeresspiegel. Bis 2025 sollen die Deiche an der Weser auf einer Länge von rund 50 Kilometern erhöht werden. Zehn Kilometer sind bereits geschafft.

Zu Beginn der Arbeiten war der Schutzwall überall sieben Meter hoch, jetzt wird er um bis zu einem Meter wachsen. Die Kosten für die Baumaßnahmen trägt zu 70 Prozent der Bund und zu 30 Prozent das Land. Dabei müssen alle tiefer in die Tasche greifen als es die ersten Planungen vermuten ließen: Derzeit kalkulieren die Deichverbände am linken und am rechten Weserufer mit Kosten von etwa 200 Millionen Euro. Eine Kostensteigerung gegenüber den ersten Planungen entstand dadurch, dass die vorhandenen Deiche teilweise in schlechterer Verfassung waren als zunächst angenommen.

Die Deicherhöhung ist ein mühsames Geschäft: Auf den Erddeichen kann nur von Mai bis Oktober gearbeitet werden. „Die restliche Zeit müssen die Deiche auch ihre schützende Grasnarbe tragen, um das Land gegen Hochwasser schützen zu können“, erläutert Döscher. Auf beiden Weserseiten sind insgesamt zehn Kilometer Hochwasserschutz geschafft.

Nicht überall stößt die Baumaßnahme auf Begeisterung. „Wo wir in die Höhe wachsen, da wachsen wir auch in die Breite und kommen schon mal auf Privatbesitz“, so Döscher. Dann gelte es mit den Eigentümern eine einvernehmliche Lösung zu finden – beispielsweise musste in Hasenbüren eine alteingesessene Gaststätte weichen. Und auch im Niedervieland sucht der Deichverband derzeit nach einer Einigung mit sieben Eigentümern.

Während diese Maßnahme noch in der Planung ist, laufen die Arbeiten zwischen dem Kap-Horn-Hafen und der Schleuse Oslebshausen auf Hochtouren. „In Bremen müssen wir verschiedene Methoden verwenden, denn anders als an der Küste sind in der Stadt nicht überall Erddeiche möglich“, erläutert der Deichverbands-Geschäftsführer. Vielfach würden Eisen, Stahl und Beton eingesetzt.

Als nächstes nimmt der Deichverband das Werderland bis zum Lesumsperrwerk in Angriff. „Das Sperrwerk selbst muss auch an künftige Überflutungshöhen angepasst werden. Es sichert eine Deichstrecke von 38 Kilometern“, so Döscher. Allerdings bringt eine höhere Toranlage nur etwas, wenn zeitgleich an den Sperrwerken der Hunte und der Ochtum gearbeitet wird. Darüber führen die Deichverbände Gespräche mit Niedersachsen.

Wenn das geschafft ist, geht es an das Herzstück der Stadt – die Schlachte. Ein Bereich, der den Planern zunächst Sorgen machte: Der Blick aufs Wasser soll weiterhin gewährleistet bleiben, dennoch muss der Hochwasserschutz erhöht werden. Die Lösung sieht jetzt so aus: Bei den Treppen wird die oberste Stufe erhöht, und im Bereich der Martinikirche wird eine Toranlage installiert. „Das wird alles so gemacht, dass es gestalterisch kaum auffällt“, versichert Döscher.

Ausschreibungen laufen

An dem Abschnitt vor Radio Bremen soll außerdem die Mauer um 50 Zentimeter erhöht werden. Noch in der Planungsphase ist eine andere markante Stelle im Stadtbild: Der Deichabschnitt zwischen der Beck’s-Brauerei und dem Rotes-Kreuz-Krankenhaus muss ebenfalls für die Zukunft gerüstet werden.

Die Deichverbände planen allerdings nicht für das gesamte Stadtgebiet – in der Überseestadt hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) die Planung des Hochwasserschutzes übernommen: Zehn Abschnitte müssen hier besonders geschützt werden. An vier Teilbereichen ist der neue Hochwasserschutz bereits fertig gestellt, beispielsweise am Kopf des Europahafens. Auf der Strecke zwischen Schuppen I und Landmark-Tower laufen die Arbeiten: Die alte Kaje wird gekürzt und acht Meter weiter landeinwärts wird eine neue Hochwasserschutzwand hochgezogen. Für weitere Bereiche wie den Weserbahnhof 1 laufen derzeit die Ausschreibungen, sodass im Juli mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zu den Kosten will sich WFB-Abteilungsleiter Hans-Peter Czellnik im Moment nicht äußern – dazu seien die Planungsvoraussetzungen zu ungewiss: „Teilweise stellt man erst während der Baumaßnahme fest, dass eine Spundwand neu gemacht werden muss – das kann die Kosten in einem Bereich verdoppeln.“

Im Land Bremen gibt es außerdem elf Flächen, die außerhalb der Deiche liegen und dadurch gar keinen Hochwasserschutz haben – sie könnten bei einem Extremhochwasser überflutet werden. Dazu gehören beispielsweise der Neustädter Hafen, der Hohentorshafen, der Vegesacker Hafen und das Weserstadion. Auch für diese Bereiche hat die WFB ermittelt, ob ein zusätzlicher Schutz sinnvoll ist, und was er kosten würde. „Man muss sich klarmachen, dass wir von einem Schutz für ein Hochwasser ausgehen, dass in dieser Dimension statistisch gesehen alle 4000 Jahre eintritt“, erläutert Czellnik. Sinnvoll ist seiner Meinung nach ein zusätzlicher Hochwasserschutz im Bereich der Ladestraße.

Für den Neustädter Hafen ist die Maßnahme derzeit zu teuer: 300 Millionen Euro würde der Bund nicht mitfinanzieren. Anlieger wie die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) müssten einen Hochwasserschutz also in Eigenregie finanzieren. „Dazu gibt es noch keine Planungen“, so BLG-Sprecher Hartmut Schwerdtfeger.

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